| Trotz hoher Spritpreise

Erdgasautos kommen nur langsam in Fahrt

Erdgasfahrzeuge rechnen sich ab 20.000 Kilometern im Jahr.
Bild: Badenova

Nicht nur das Elektroauto ist eine umweltfreundliche Alternative zum Benziner: Auch Erdgas im Tank spart CO2. Und günstig ist der Treibstoff dazu. Doch das spricht sich nur langsam herum.

Das Geschäft mit den Erdgasautos kommt trotz Klimadebatte nur langsam ins Rollen. Die Fahrzeuge stoßen etwa 25 Prozent weniger CO2 aus als ein Benziner und erzeugen so gut wie keinen Feinstaub, erklärt Uwe Malach vom Verein Erdgas mobil. Was ihm im Gegensatz zum Elektroauto fehlt, ist die Lobby. Vor knapp 20 Jahren ging das erste Erdgas-Auto in Serie - und heute fahren in Baden-Württemberg erst 9.235 Wagen mit diesem Kraftstoff.

Hauptstrecken gut versorgt 

Das liegt nicht zuletzt an den Vorurteilen, es gebe zu wenig Tankstellen und die Reichweite sei zu gering. Im Südwesten gibt es jedoch bereits 107 Tankstellen, rund 900 sind es bundesweit - Tendenz steigend. "Hauptstrecken sind kein Thema. Auf Bundesstraßen oder Autobahnen kommt man recht gut klar", sagt Malach, der seit sieben Jahren mit Erdgas fährt. Nur in abgelegenen Regionen wie etwa im Allgäu sollte man sich vorher über Erdgas-Tankstellen informieren, rät der Ingenieur. "Generell können alle Erdgasfahrzeuge aber auch mit Benzin fahren." Immer wieder wird auch die Explosionsgefahr ins Feld geführt. "Erdgasautos sind nicht gefährlicher als Benziner", erklärt dazu Christian Buric vom ADAC. Bei Crash-Tests und gezielten Brandlegungen sei es nie zu einer Explosion gekommen. Wenn Gas austrete, verflüchtige es sich schnell.

Steuerlich begünstigt 

Die Preisfrage hat bislang auch kaum gezogen. Das liegt vielleicht auch daran, dass der direkte Vergleich schwierig ist: Anders als Benzin wird Erdgas nicht in Eurocent pro Liter sondern pro Kilogramm angeboten. Für einen Preisvergleich muss man den Energiegehalt berechnen, sagt Malach. "Das ergibt dann einen Preis von rund 80 Cent pro Liter." Zudem sind Erdgasfahrzeuge steuerlich begünstigst - zumindest bis 2018. Aber auch darüber hinaus bleibt die Kfz-Steuer billiger, weil der zugrunde gelegte CO2-Ausstoß geringer ausfällt. Allerdings liegen die Anschaffungskosten eines Erdgasautos je nach Modell etwa 1.500 bis 3.000 Euro über denen eines Benziners, sagt Dietmar Clysters vom Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg.

Ab jährlich 20.000 Kilometern rechnet sich Erdgas 

Wer fährt nun mit Erdgas? "Oft sind es Vielfahrer oder Pendler, die eine günstige Alternative suchen und dann beim Erdgas-Fahrzeug landen", sagt Malach. Autohaus-Besitzer Clysters bestätigt dies. "Bei etwa 20.000 Kilometer im Jahr rechnet sich Erdgas." Einige Kunden suchten aber auch bewusst nach einer umweltverträglichen Alternative. Aber ihre Zahl ist noch überschaubar: Knapp 800 Erdgas-Fahrzeuge wurden laut Kraftfahrtbundesamt 2011 in Baden-Württemberg zugelassen. Das waren zwar etwa 130 mehr als im Vorjahr, die Gesamtzahl liegt jedoch noch unter 10.000. Ein Klacks im Vergleich von sechs Millionen angemeldeten Autos im Südwesten.

 

Schlagworte zum Thema:  Erdgasfahrzeug, Steuervergünstigung, Klimawandel

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