16.11.2012 | Zu wenig Planungssicherheit

EnBW legt Nordsee-Windpark auf Eis

Investoren beklagen mangelnde Planungssicherheit für Windparks.
Bild: Haufe Online Redaktion

Windparks auf hoher See sollen ein großer Baustein der Energiewende werden. Doch fehlende Sicherheit beim Netzanschluss lässt immer mehr Investoren zurückschrecken. Jetzt hat auch der Energieriese EnBW ein Projekt in der Nordsee vorläufig gestoppt.

Immer mehr Investitionen in die Offshore-Windenergie werden verschoben: Jetzt lässt auch der Energiekonzern EnBW seine Pläne für den Nordsee-Windpark "Hohe See" vorerst ruhen. "Wir brauchen gesetzgeberische Klarheit und verlässliche Rahmenbedingungen, bevor wir eine Investitionsentscheidung von deutlich über 1,5 Milliarden Euro treffen", begründete Technikvorstand Hans-Josef Zimmer die Entscheidung. Zuvor hatten bereits die Energiekonzerne RWE und Dong Investitionen für Windparks auf hoher See verschoben. EnBW hält nach Zimmers Angaben jedoch grundsätzlich an dem Ziel fest, den Park 90 Kilometer nördlich von Borkum mit einer installierten Leistung von rund 500 Megawatt zu bauen. Als Begründung nannte das baden-württembergische Unternehmen, dass das Projekt im Verfahren zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes nicht mehr unter den dort vorgesehenen Bestandsschutz für die Offshore-Netzanbindung falle.

"Vermeidbare Entwicklung" 

Der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB, Ronny Meyer, reagierte auf die Nachricht mit Kritik an der Bundesregierung. "Die politische Untätigkeit wird nun teuer, und es geht für 2013 nur noch darum, aus dem Hunger-Jahr kein Horror-Jahr werden zu lassen." Firmenpleiten und Arbeitsplatzverluste könne niemand wollen. "Diese Entwicklung wäre vermeidbar gewesen, und wir werden nicht müde zu erwähnen, dass die Zulieferfirmen im Vertrauen auf die von der Politik gemachten Ausbaupläne Produktionskapazitäten aufgebaut haben, die nun Gefahr laufen, umsonst gewesen zu sein", sagte Meyer.

Lange Vorlaufzeit 

Windparks in Nord- und Ostsee hätten wegen ihrer Struktur einen langen Planungszeitraum, betonte der WAB-Geschäftsführer. Zwischen der Investitionsentscheidung und dem Betriebsbeginn lägen auch ohne Verzögerungen mehrere Jahre. "Die Bedingungen für Projekte bis 2020 müssen daher schon heute festgemacht werden", forderte er. Die WAB mit Sitz in Bremerhaven ist ein Netzwerk von mehr als 350 Unternehmen und Instituten aus Windenergieindustrie, maritimer Industrie und Forschung. Im Windpark "Hohe See" sollen in Wassertiefen bis 39 Metern 80 Anlagen mit zusammen rund 400 Megawatt Leistung entstehen. Die Genehmigung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie liegt bereits seit 2006 vor.

Schlagworte zum Thema:  Windkraft, Offshore-Windparks, Investor, Planung

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