21.01.2015 | Oxfam-Studie

Ein Prozent Reiche besitzt soviel wie der Rest der Welt

80 Reiche besitzen die halbe Welt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ölscheichs, Stahlmagnaten und Oligarchen: Ein Prozent der Menschheit weltweit wird im Jahr 2016 so viel Vermögen angehäuft haben wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen.

Auf dieses Missverhältnis verwies die britische Hilfsorganisation Oxfam aus Anlass des Weltwirtschaftsforums in Davos. Im Jahr 2014 besaß ein Prozent der Weltbevölkerung noch 48 Prozent des Vermögens. "Der weltweite Wohlstand ist zunehmend auf eine kleine Elite konzentriert", heißt es in dem zwölf Seiten starken Ungleichheits-Report, den Oxfam in London veröffentlichte. Die Relation ist nicht ganz neu. Bereits seit Jahren machen Oxfam und andere Menschenrechtsorganisation auf die ungleiche Verteilung des Vermögens und die daraus resultierenden Gefahren aufmerksam. Für das Jahr 2013 hatten die Menschenrechtler etwa errechnet, dass 92 Multi-Milliardäre genauso viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen - das sind mehr als 3,5 Milliarden Menschen. Im Jahr 2015 werden es nur noch 80 sein, obgleich die Weltbevölkerung zunimmt.

Besonders stark sind Jugendliche betroffen

Das Vermögen der Top 80 stieg seit 2010 von 1,3 auf 1,9 Billionen Dollar. Auch regional sei der Reichtum ungleich verteilt. Fast ein Drittel der auf der Forbes-Liste aufgeführten 1645 Milliardäre weltweit haben einen US-amerikanischen Pass oder leben in den Vereinigten Staaten. Auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf warnt in einer neuen Studie vor einer Zunahme der Ungleichverteilung. Das weitere Anwachsen der Kluft zwischen Arm und Reich sei besorgniserregend. Im globalen Durchschnitt würden mittlerweile bis zu 40 Prozent aller Einkommen auf die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung entfallen. Hingegen kämen die ärmsten zehn Prozent insgesamt nur auf zwei Prozent der weltweiten Einkommen. Während die Einkommensunterschiede in Entwicklungsländern seit langem besonders groß seien, nähmen sie inzwischen auch in den Industriestaaten immer stärker zu. Die ILO - Sonderorganisation der UN, warnte vor einer weiteren Zunahme der Arbeitslosen von derzeit 201 Millionen auf 212 Millionen Menschen im Jahr 2019. Besonders stark seien Jugendliche betroffen. Fast 74 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren seien 2014 vergeblich auf der Suche nach Arbeit gewesen. Den Hauptgrund sieht die ILO darin, dass das Wirtschaftswachstum bislang in fast keinem Land wieder das Niveau vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor sechs Jahren erreicht hat.

Wirtschaftliches Wachstum sollte mehr unterstützt werden.

Härteres Vorgehen gegen Steuervermeidung gefordert

Die ungleiche Vermögensverteilung behindere den Kampf gegen die weltweite Armut, sagte Oxfam-Exekutiv-Direktorin Winnie Byanyima. Einer von neun Menschen auf der Erde habe nicht genug zu essen, eine Milliarde Menschen müssten mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zurechtkommen. Der deutsche Linken-Politiker Dietmar Bartsch nannte die Entwicklung "pervers". Der SPD-Politiker Joachim Poß forderte die schnelle Einführung einer Finanztransaktionssteuer in Europa, um die Verursacher von Krisen an deren Kosten zu beteiligen. Oxfam kritisiert, dass besonders viele Superreiche, die ihr Geld auf dem Pharma- und Gesundheitssektor verdienten, erheblich an Vermögen dazugewonnen hätten, während die Weltgesundheit nur schrittweise vorankomme. Byanyima wird in diesem Jahr als Co-Vorsitzende das Weltwirtschaftsforum leiten. Sie kündigte an, den Vorsitz zu nutzen, um für ein härteres Vorgehen gegen Steuervermeidung von Großkonzernen zu werben.

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Schlagworte zum Thema:  Wohlstand, Weltwirtschaft

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