Nach langem Anlauf hat Deutschland seine Ausgaben für Forschung zwar auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gebracht - in manchen Zukunftsfeldern besteht nach Expertenansicht aber noch einiger Nachholbedarf. So hinke das Land trotz aller Aufbruchappelle bei der Digitalisierung hinterher, kritisiert die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI).

Das zehnte EFI-Jahresgutachten wurde letzte Woche an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben. Sie stellte steigende Forschungsinvestitionen "innerhalb der nächsten Legislaturperioden" und eine Konzentration der steuerlichen Forschungsförderung auf kleinere Unternehmen in Aussicht. Licht und Schatten aus dem EFI-Expertenbericht im Überblick:

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Digitaler Wandel

"Hier ist Deutschland noch nicht hinreichend vorbereitet. In der Förderung wird der Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien immer noch nicht ausreichend berücksichtigt", stellten die Experten fest. Daher solle mit einer auf die Digitalisierung ausgerichteten Förderpolitik "in der neuen Legislaturperiode unmittelbar begonnen werden", forderte EFI-Chef Dietmar Harhoff. Die Politik müsse verstärkt "junge Firmen als neue Innovationsakteure in den Blick nehmen". Es drohe eine digitale Spaltung - zumal Finanzierungsbeschränkungen kleinere Unternehmen daran hinderten, "notwendige Veränderungen konsequent anzugehen".

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Innovationstempo

Trotz lobender Worte für die Fortschritte - wie etwa steigende Investitionen für Forschung und Entwicklung auf international konkurrenzfähiges Niveau - zeigen sich die Experten besorgt über eine "zu geringe Geschwindigkeit deutscher Forschungs- und Innovationspolitik" in wichtigen Bereichen. Dies gelte für den Abbau von Benachteiligungen für Startups, die Verbesserung der digitalen Infrastruktur und die Einführung von E-Government. Harhoff: "Derartige Schwächen kann sich das Land in der neuen Legislaturperiode nicht leisten. Hier ist mehr Dynamik gefordert."

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Hochschulen auf gutem Weg

In diesem Bereich sind die Daten laut EFI-Gutachten überwiegend positiv: "Grundmittel plus 43 Prozent, Ausgaben für Drittmittelforschung plus 93 Prozent, wissenschaftliches und künstlerisches Personal plus 60 Prozent, Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) inklusive Drittmitteln plus 62 Prozent», auch personell gebe es Zuwächse. Dennoch habe sich wegen der steigenden Studentenzahlen (2016: 2,8 Millionen) das Betreuungsverhältnis verschlechtert: Auf eine hauptamtliche Professur kämen aktuell 59 Studierende (2005: 51). Die Experten plädieren für eine höhere Anzahl unbefristeter Professuren, "um neue Beschäftigungschancen zu schaffen und zugleich die Qualität von Forschung und Lehre und das Betreuungsverhältnis für die Studierenden nachhaltig zu verbessern".

Ausblick 2015

In acht Jahren sollte die deutsche Forschungspolitik einige wichtige Ziele erreicht haben, empfehlen die EFI-Fachleute. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollten dann für Forschung und Entwicklung aufgewendet werden (2015: 3,0). Mindestens drei deutsche Universitäten sollten sich unter den Top 30 der Welt etablieren. Der Anteil des Wagniskapitals am Bruttoinlandsprodukt sollte verdoppelt werden. Deutschland sollte bei der digitalen Infrastruktur zu den fünf führenden Nationen aufschließen und eine Vorreiterrolle im E-Government einnehmen. Schließlich sollte der Fördermittel-Anteil im Bereich Digitalisierung verdoppelt werden.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Innovation