26.03.2012 | Wirtschaft & Märkte

DIW: Frauen sollten schneller Stelle wechseln

Frauen, die in ihren Unternehmen nicht weiterkommen, sollten schneller bereit sein, das Unternehmen zu wechseln. Nur so könnten Frauen in Deutschland genug Druck aufbauen, damit endlich mehr Frauen in Führungspositionen kommen, rät Elke Holst, Forschungsdirektorin Gender Studies am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), in den "VDI-Nachrichten".

Immer noch würden die Chefetagen „nach der Lebenswirklichkeit von Männern“ funktionieren. „Wenn eine junge Frau merkt, dass sie in ihrer Firma nicht gefördert wird, eben weil sie eine Frau ist, sollte sie sich rechtzeitig umschauen und sich woanders bewerben.“ Unternehmen mit geringem Frauenanteil hätten in Zukunft wachsende Probleme, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden, weil „Firmen mit einem geringen Frauenanteil in den Chefetagen ein verheerendes Signal“ aussenden, so Holst. „Sie zeigen: Frauen haben hier keine echte Perspektive. Wer aber von vornherein aus einem Pool von Bewerbern die Hälfte ausschließt, reduziert die Chancen, die Besten zu bekommen.“

Immer noch sei die Arbeit in den Führungsetagen auf Männer ausgerichtet, kritisiert Holst. „Diese obersten Führungsetagen funktionieren nach der Norm und der Lebenswirklichkeit von Männern, die keine familiären Verpflichtungen haben: Lange Arbeitszeiten, hohe Verfügbarkeit sowie die Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften, die man gewöhnlich Männern zuschreibt, werden dort besonders geschätzt. Damit ist es für Frauen deutlich schwerer, solche Positionen zu erreichen. Sie müssen erst beweisen, dass sie mindestens gleich gut führen können wie Männer.“

Wegen dieser Philosophie sei der Frauenanteil in Deutschlands Unternehmensführungen weiterhin viel zu gering. „Der Anteil erhöhte sich gegenüber 2010 nur um 1,5 Prozentpunkte auf gerade einmal 3,7 Prozent. Mit dieser erdrückenden Dominanz der Männer in den Entscheidungsgremien ist Deutschland im internationalen Vergleich laut jüngster OECD-Ergebnisse hinter Indien zurückgefallen. Unter den größten Wirtschaftsnationen liegen wir auf dem letzten Platz.“

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