23.10.2015 | Digitalisierung

Industrie 4.0 könnte 60.000 Jobs kosten

Die Digitalisierung revolutioniert die Produktion.
Bild: Haufe Online Redaktion

Für Hochqualifizierte eine Riesen-Chance - für Hilfskräfte im schlechtesten Fall der Weg in die Arbeitslosigkeit: Der Einzug der digitalen Welt in deutschen Fabrikhallen könnte nach Prognosen von Arbeitsmarktforschern bis zu 60.000 Jobs kosten.

Zwar dürften mit der Industrie 4.0, dem digitalen Wandel in der Produktion, in den kommenden Jahren in Deutschland rund 430.000 neue Arbeitsplätze entstehen. In derselben Zeit gingen aber 490.000 meist einfachere Jobs verloren, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) errechnet. Einzelheiten stellte die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit gestern in einer Studie vor. Enzo Weber, Arbeitsmarktforscher und Mitautor der Studie, lässt jedenfalls keine Zweifel: "Es kommt zu einer deutlichen Umschichtung von Arbeitsplätzen. Dabei werden vor allem Beschäftigte, die heute Maschinen und Anlagen bedienen, betroffen sein." Um die Veränderungen abzufedern, müssten Firmen und die Bundesagentur frühzeitig entgegensteuern. Gerade Facharbeiter, die bisher an den Produktionsstraßen mit Routinearbeiten beschäftigt sind, müssten frühzeitig für anspruchsvolle Aufgaben in der Industrie 4.0 umgeschult, Arbeitslose für die neuen Anforderungen fit gemacht werden.

Die digitale Fabrik wirft auch Sicherheitsfragen auf

Nach der Definition des Bundeswirtschaftsministeriums zeichnet sich Industrie 4.0 durch eine enge Verzahnung der Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik aus. Dabei koordinieren intelligente Maschinen selbstständig Fertigungsprozesse, Service-Roboter kooperieren in der Montage mit Menschen. Roboter sollen auch eigenständig Energie sparen, den Materialausschuss minimieren, Abläufe organisieren, Mängel melden und Nachschub organisieren - und das alles vernetzt mit den Kunden. Fachleute geben aber auch zu bedenken: Die digitale Fabrik ist teuer und wirft Sicherheitsfragen auf. Beschäftigte sollten sich nach Ansicht der Autoren der IAB-Studie dennoch nicht Bange machen lassen. Trotz der Herausforderungen von Industrie 4.0 stehe Deutschland keineswegs vor einer Jobkrise. "Ein gut funktionierender Arbeitsmarkt muss das leisten können", gibt Weber zu bedenken. Auch in Zeiten normalen technologischen Wandels finde ständig eine Umschichtung von Arbeitsplätzen und Berufsfeldern statt. "In der Vergangenheit hatten wir immer wieder technologische Umschwünge. Die Arbeit ist uns dadurch nie ausgegangen", sagt Weber. Allerdings, so räumt er ein, habe sich bei solchen Veränderungsprozessen teilweise auch strukturelle Arbeitslosigkeit aufgebaut; die konnte erst zwischen 2005 und 2012 wieder einigermaßen abgebaut werden.

Schlagworte zum Thema:  Industrie, Digitalisierung

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