| Digitaler Nachwuchs

Generationswechsel bei den Autobauern

In der Zukunft wird Mobilität statt Autos verkauft.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Apps, autonomes Fahren, Mobilität als Produkt - die Autokonzerne stehen vor dem Eintritt ins digitale Zeitalter. Das Problem: Die Manager, die diesen Wandel vorantreiben, sind noch zwischen Motoröl und Dieselleitungen groß geworden.

Geht es um die digitale Zukunft von Daimler, wird gerne mal Ola Källenius vorgeschickt. Schon 2014 durfte der Mercedes-Vertriebschef Daimlers App MercedesMe vorstellen, vergangene Woche war es wieder soweit: Im Streitgespräch mit Google-Deutschlandchef Philipp Justus beim "auto motor sport"-Kongress wurde Källenius auf die Bühne gesetzt. Der 46-jährige Schwede steht bei Daimler für einen Generationswechsel in mehrfacher Hinsicht. Källenius, der 2017 das Vorstandsressort wechselt und die Entwicklung bei den Stuttgartern übernimmt, wird nicht nur als potenzieller Nachfolger für Konzernchef Dieter Zetsche gehandelt. Er steht auch für eine neue Generation von Managern, die in den Autokonzernen Einzug hält.

Autobauer im Kulturwandel

Bislang galten Ingenieure in der Branche als Halbgötter im Vorstand. Die neuen Manager sollen nicht nur etwas von Einspritz-Technik und Drehmomenten verstehen, sondern möglichst schon etwas Zeit im Silicon Valley verbracht haben. "Wir sind mitten in einem Kulturwandel", sagte Källenius selbst im Interview. Er stieß bei Daimler nicht nur den Online-Handel, sondern führte auch MercedesMe an. In der App können Mercedes-Fahrer nicht nur den Fahrzeugstatus ablesen, sondern beispielsweise auch das Auto aus der Ferne abschließen. BMW hat den Generationswechsel schon angestoßen. Mit Harald Krüger sitzt dort seit dem vergangenen Jahr ein Mann auf dem Chefposten, der viele Welten miteinander verbindet. Der 50-Jährige war Techniker, Personalchef und hat auch Erfahrung aus anderen Branchen. Er soll den Spagat schaffen: Weiter mit großen Luxuskarossen Geld verdienen und gleichzeitig das Geschäft neben der Autoherstellung ausbauen, darunter Carsharing und Dienstleistungen.

Bislang von Entwicklungszyklen geprägt

"Die Autobranche durchläuft aktuell einen Wandel wie seit vielen Jahren nicht", sagt Jörg Breiski von der Personalberatung Kienbaum. Bislang zeichne sich die Branche durch einen "sehr qualitätsorientierten Ansatz mit einer sehr hierarchischen und direktiven Organisationsform", aus so Breiski. "Viele Autokonzerne sind sehr viel deutscher und deutsch-zentrierter als man von außen glauben mag." Die Branche sei in der Vergangenheit von ihren jahrelangen Entwicklungszyklen geprägt worden. Die aktuellen Veränderungen hätten hingegen eine ganz andere Dynamik. "Da prallen Welten aufeinander und die klassische Automobilbauerkunst rückt in den Hintergrund", sagt Breiski. "In der Digitalwelt gibt es extrem kurze Produktzyklen - ein ganz anderes Denken und Agieren", erklärt Christian Rosen, Spezialist für die Autobranche bei der Managementberatung Egon Zehnder. "Die App reift beim Kunden. Das kann man mit einem Auto nicht machen."

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Autoindustrie, Automobilproduktion, Automotive

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