21.06.2013 | Telekom

Die "Drosselkom" rudert bei der Internet-Bremse zurück

Die Telekom rudert bei der Internet-Bremse zurück.
Bild: Haufe Online Redaktion

Nach einer Welle der Kritik an den Plänen der Telekom für eine Tempo-Bremse im Internet, wird die "Daten-Drossel" aber inzwischen selbst von der Telekom-Führung in Frage gestellt.

Die umstrittene Tempo-Bremse der Deutschen Telekom soll frühestens in zweieinhalb Jahren greifen - doch schon jetzt bleibt immer weniger von den ursprünglichen Ankündigung übrig. Jetzt sagte es der künftige Konzernchef Timotheus Höttges klip und klar: Überschreiten durchschnittliche Internet-Kunden die bisherigen Daten-Obergrenzen, werden diese einfach angehoben.

Ein sich dynamisch verändernder Markt 

Das Versprechen des nächsten Konzernlenkers ist die Antwort auf wochenlange Kritik der Telekom-Kunden und auf Rückzugs-Manöver aus den eigenen Reihen, die immer mehr an ein absurdes Theater erinnerten. Einerseits wurden schon jetzt Eckwerte der Daten-Drosselung wie Obergrenzen ab 75 Gigabyte im Monat festgelegt. Im nächsten Atemzug schränkte die Telekom dann aber sofort ein, dass sich bis zum Jahr 2016 ja noch alles ändern könne. Schließlich sei Telekommunikation ja ein sich dynamisch verändernder Markt. Höttges' neue Versicherung an die Durchschnittsnutzer vertagt die Diskussion über das Inklusiv-Volumen endgültig: Worüber soll man jetzt noch reden, wenn es eh alles noch zur Disposition steht?

Sechs Milliarden Euro für schnelleres Internet 

Zugleich signalisierte Höttges in dem Interview mit der "Rheinischen Post", dass er an dem Kurs seiner Vorgängers René Obermann bei den Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen festhalten wird. "Kein Unternehmen investiert mehr in Deutschland als wir mit jährlich 3,4 Milliarden Euro", betonte er. Sechs Milliarden solle allein der Ausbau für schnellere Internet-Geschwindigkeiten im Festnetz kosten. "Absurd, dass dies nicht gewürdigt, sondern stattdessen Wahlkampf auf unserem Rücken ausgetragen wird", lancierte Höttges eine Spitze gegen die Politiker, die im Frühjahr lauthals in die Kritik an der Tempo-Bremse mit einstimmten.

Obermann schießt gegen Politiker 

Obermann legte in dem Interview als scheidender Konzernchef noch eine Schippe drauf: Dass die Netzgemeinde sensibel sei, habe man ja gewusst, offenbarte der Manager, der zu einem niederländischen Kabelnetzbetreiber wechseln wird. "Deren Reaktion haben wir erwartet. Nicht erwartet haben wir die widersprüchlich populistische Reaktion mancher Politiker." Sie forderten einerseits, dass die Telekom viele Milliarden in den Netzausbau stecke. "Sie ignorieren aber, dass diese Milliarden-Investitionen zurückverdient werden müssen. Sie fördern lieber Google und Co. statt die heimischen Netzbetreiber."

Manager fordern mehr Freiraum für Fusionen 

Damit befeuern Obermann und Höttges eine langjährige Debatte. Der Telekom-Industrie ist es seit Jahren ein Dorn im Auge, dass Internet-Konzerne wie Google, Amazon oder Apple mit ihren Diensten Milliarden scheffeln - und bei den Netzbetreibern davon nichts abfällt. Sie würden gerne die Internet-Unternehmen zur Kasse bitten. Europäische Telko-Manager reden seit Jahren auf Politiker und Regulierer ein und fordern bessere Rahmenbedingungen wie eine laschere Regulierung mit mehr Freiraum für Fusionen.

Konkurrenten ließen Telekom im Regen stehen 

Doch die EU-Kommission, die bei dem Thema letztlich das Sagen in Europa hat, blieb bislang hart. Die zuständige Kommissarin Neelie Kroes verspricht zwar, dass sie Maßnahmen für schnelleres Wachstum und bessere Wettbewerbs-Fähigkeit unterstützen werde, aber will zugleich schon im nächsten Jahr das Ende der Roaming-Gebühren für Telefonate im europäischen Ausland durchboxen. Die Tempo-Bremse war in diesem Umfeld der erste Versuch eines europäischen Telekom-Konzerns, die Last in großem Stil auf die Schultern der Nutzer zu legen, statt weiter Zugeständnisse von der Politik zu fordern. Die Konkurrenten aus der Branche ließen den deutschen Marktführer dabei bemerkenswert im Regen stehen.

 

Schlagworte zum Thema:  Deutsche Telekom, Internet, Datenübertragung, Netzneutralität, Telekommunikation

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