26.08.2015 | Industriebeschäftigte

Die deutschen Urlaubs- und Freizeit-Weltmeister

Bei den Freizeitansprüchen sind Deutschlands Industriebeschäftigte im europäischen Vergleich Spitze.
Bild: Bosch Deutschland

30 Tage Urlaub und 10 bezahlte Feiertage - europaweit gibt es kaum ein Land, in dem Industriearbeiter so viel bezahlte freie Tage haben wie in Deutschland, zeigt ein Studie. Kein Problem, sagen andere Experten: Das machen die Deutschen durch hohe Produktivität wett.

Bei den Freizeitansprüchen sind Deutschlands Industriebeschäftigte im europäischen Vergleich Spitze. Bei den Lohnnebenkosten liege Deutschlands Metall- und Elektroindustrie dagegen im EU-Vergleich im Mittelfeld - unterhalb des EU-Durchschnitts, geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft (IW) hervor. Die Untersuchung hatten die bayerischen Metallarbeitgeber in Auftrag gegeben. Der IW-Studie zufolge bekamen deutsche Industriearbeiter Lohn und Gehalt im Durchschnitt für 40 Tage im Jahr, ohne dafür zu arbeiten. 30 Tage davon entfielen auf Urlaub, durchschnittlich 10 auf gesetzliche Feiertage, heißt es in der IW-Studie. In Dänemark seien es 39, in Italien 37 vom Arbeitgeber bezahlte Urlaubs- und Feiertage. Schlusslicht seien Industriebetriebe in Belgien mit im Schnitt nur 29 bezahlten Urlaubs- und Feiertagen. Aber selbst im vermeintlichen Niedriglohnland Tschechien erhielten Industriearbeiter der IW-Studie zufolge 36 Tage bezahlten Urlaub samt gesetzlicher Feiertage. In der Slowakei seien es 35.

Keine neue Entwicklung in Deutschland

Die Wissenschaftler räumen ein: Finanziell belastet würden die deutschen Industrie-Arbeitgeber dadurch aber kaum stärker als Industrieunternehmen in etlichen anderen EU-Staaten mit geringerer bezahlter Freizeit. Während in Deutschland im Schnitt 13,9 Prozent des Gesamtlohns auf die Bezahlung von Urlaus- und Feiertagen entfallen, seien es in Irland 13,4 Prozent, in Dänemark 13,2 Prozent, in Italien 12,3 Prozent, in Großbritannien 12,1 Prozent. Vergleichsweise gut weg kommen in Deutschland Industrie-Arbeitgeber dagegen bei den Sozialaufwendungen (amtlich: Lohnnebenkosten), wie Sozialversicherungsbeiträge und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hier rangiere Deutschland auf dem 15. Platz. Allerdings seien die Sozialleistungssysteme EU-weit nur begrenzt vergleichbar, geben die Autoren der Studie zu bedenken. Der Nürnberger Arbeitsmarktforscher Enzo Weber warnte derweil, Arbeits- und Freizeitvergleiche auf Urlaubs- und bezahlte Feiertage zu beschränken. "In die Arbeitszeit spielt viel rein: Streiks, Krankheitstage, Überstunden, Urlaub". Tatsächlich hätten die deutschen Industriebeschäftigten mit rund 40 Tagen sicherlich viel bezahlte Freizeit. "Das ist aber keineswegs neu. Das haben wir schon seit 20 Jahren. Insgesamt kann man nicht sagen, dass Deutschland ein Wettbewerbsproblem im Vergleich zu anderen EU-Ländern hat", gab Weber zu bedenken.

Arbeitsproduktivität stetig gestiegen

Wer die Effizienz einer Volkswirtschaft und ihrer Beschäftigten anschaue, müsse zudem die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten betrachten. Und die sei in den zurückliegenden Jahren stetig gestiegen - "allerdings nicht mehr so stark wie in früheren Jahren". Inzwischen seien - auch wegen der guten Lohnabschlüsse der vergangenen beiden Jahre - die Lohnkosten stärker gestiegen als die Produktivität. "Bei der Lohnentwicklung haben wir inzwischen etwas aufgeholt". Nun sollte Deutschland auch bei der Produktivität wieder zulegen. Wenig Verständnis für die Klagen der Industrie in Sachen bezahlter Freizeit zeigte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Der Arbeitsmarktexperte im DGB-Bundesvorstand, Wilhelm Adamy, verwies auf Zahlen des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Danach sei die Produktivität zwischen 1991 und 2013 deutlich stärker gewachsen als die Lohnstückkosten.

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Schlagworte zum Thema:  Produktivität, Industrie

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