Unbeeindruckt von Trumps Drohungen und protektionistischen Tendenzen entwickelt sich der deutsche Export prächtig. Bild: MEV-Verlag, Germany

Deutschlands Exportunternehmen setzen ihren Rekordkurs fort - unbeeindruckt von politischen Unsicherheiten rund um den Globus. Dank weltweit starker Nachfrage lieferten die Unternehmen im Januar Waren im Wert von 98,9 Milliarden Euro ins Ausland.

Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 11,8 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert zu einem Jahresbeginn. Doch das Klima könnte rauer werden. Besonders kräftig stieg zu Jahresanfang die Nachfrage nach "Made in Germany" außerhalb der Europäischen Union (plus 17,7 Prozent). Die Weltwirtschaft ist auf Erholungskurs und der Euro schwächelt gegenüber dem Dollar. Dadurch werden Waren aus Deutschland in Ländern billiger, die in der US-Währung abrechnen. Das kann die Nachfrage ankurbeln.

Click to tweet

Risiko durch steigenden Protektionismus

Ob Deutschlands Exportwirtschaft das hohe Tempo im Gesamtjahr halten kann, ist allerdings fraglich. Zwar rechnet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) damit, dass die Weltwirtschaft in diesem und dem kommenden Jahr leicht an Fahrt gewinnt. OECD-Chefökonomin Catherine Mann warnt zugleich aber vor dem Risiko eines wachsenden Protektionismus. "Eine Einschränkung des Freihandels würde die weltweite Konjunktur schwächen und Jobs in Gefahr bringen." Auch der Außenhandelsverband BGA gießt Wasser in den Wein. "Wir sollten vorsichtig bleiben, immerhin handelt es sich nur um ein Monatsergebnis", argumentiert BGA-Präsident Anton Börner. Das Jahr sei gespickt mit Herausforderungen. "Insbesondere setzt sich auch die Unberechenbarkeit in der wirtschaftlichen Entwicklung fort."

Populisten auf dem Vormarsch

Sollte US-Präsident Donald Trump seine Drohungen wahr machen, Handelsbarrieren zum Schutz der heimischen Industrie zu errichten, könnte das die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Zugleich stehen Europa turbulente Wochen bevor: Im März wird der Brexit-Antrag Großbritanniens erwartet. In den Euro-Ländern Niederlande und Frankreich stehen Wahlen an. Rechtspopulistische und eurofeindliche Parteien sind im Aufwind. Der BGA traut dem Export im Gesamtjahr ein Plus von bis zu 2,5 Prozent auf einen Rekord von 1,24 Billionen Euro zu. Die Unsicherheit sei aber hoch.

Click to tweet

"Trump-Effekt" noch nicht zu beobachten

Noch herrscht unter Deutschlands Exporteuren Zuversicht. Der Optimismus wächst nach Angaben des Ifo-Instituts sogar. Die Ökonomen rechnen daher mit einem deutlichen Plus bei den Ausfuhren im ersten Quartal. Es gebe weiterhin keinen "Trump-Effekt". "Unternehmen, die in die USA exportieren, berichten sogar von leicht besseren Aussichten", erläuterte das Ifo-Institut bei der Veröffentlichung der Februar-Daten. Für Ärger könnte allerdings die deutsche Exportstärke sorgen. Sie ist Handelspartnern ein Dorn im Auge. Die EU-Kommission ermahnte Deutschland jüngst wegen seines Exportüberschusses. Kritiker beklagen, das sorge für eine Schieflage und gehe zu Lasten anderer europäischer Länder, die die Exporte kaufen und sich so in Deutschland verschulden.

Schrille Töne aus den USA

Schrille Töne kommen vor allem von der anderen Seite des Atlantiks: Trumps Handelsbeauftragter Peter Navarro warf Deutschland indirekt Währungsmanipulation vor. Ein Vorwurf, der nach Ansicht von EZB-Präsident Marion Draghi jeder Grundlage entbehrt. "Ich glaube nicht, dass es angemessen ist, Deutschland zu attackieren." Die Europäische Zentralbank (EZB) bestimme den Kurs der Geldpolitik im gemeinsamen Währungsraum und die Notenbank sei unabhängig. Der Wechselkurs des Dollar bewege sich außerhalb seines historischen Schnitts, nicht der des Euro. Vor allem die unterschiedliche Zinspolitik in den USA und im Euroraum stärkt den Dollar. Ein Ende der Nullzinspolitik der europäischen Währungshüter ist vorerst nicht in Sicht. In den USA deutet sich dagegen die nächste Leitzinserhöhung an. Für Anleger wird es dadurch lukrativer, in Dollar zu investieren.

>> Das könnte Sie auch interessieren:

Schlagworte zum Thema:  Export, Freihandelsabkommen

Aktuell
Meistgelesen