23.11.2016 | Deutsche Börse

Neues Handelssegment für KMU

Mit einem runderneuerten Handelssegment will sie jungen Unternehmen wieder eine Heimat am Aktienmarkt geben.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Deutsche Börse wagt einen neuen Anlauf: Mit einem runderneuerten Handelssegment will sie jungen Unternehmen wieder eine Heimat am Aktienmarkt geben. Ziel ist es, kleinen und mittelständischen Firmen besseren Zugang zu Risikokapital zu verschaffen.

Denn die schlechte Versorgung mit Geld für Wachstum galt in den vergangenen Jahren als eines der größten Probleme der deutschen Gründerszene. Groß war der politische Druck. Im Koalitionsvertrag hat sich die aktuelle Bundesregierung vorgenommen, einen "Neuen Markt 2.0" ins Leben zu rufen. Doch davor scheute die Börse lange zurück wie der Teufel vor dem Weihwasser. Zu dunkel sind die Erinnerungen an die Geldvernichter des Neuen Markts rund um die Jahrtausendwende. Zum Start am 10. März 1997 knallen auf dem Frankfurter Parkett noch die Sektkorken. Goldgräberstimmung macht sich breit, die Aussicht auf schnellen Reichtum lockt tausende Privatanleger in Aktien. Doch Kursrallys bringen den Neuen Markt als "Zockermarkt" in Verruf, aufgeblasene Bilanzen, Kursbetrug und Insiderhandel geben der "New Economy" den Rest. Seit dem 5. Juni 2003 ist dieser Neue Markt Geschichte.

Unternehmen und Investoren zusammenbringen

Seitdem fehlt der Deutschen Börse ein wirklich attraktives Segment für kleine und mittlere Unternehmen. Und für viele Firmen in Deutschland fällt die Börse damit als Geldgeber in einer kritischen Phase der eigenen Entwicklung aus. Das soll sich nun ändern.

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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte die Initiative: "Ich bin zuversichtlich, dass das neue Segment entscheidend dazu beitragen kann, dass wir wieder mehr Börsengänge von jungen innovativen Wachstumsunternehmen in Deutschland sehen."

Höhere Berichterstattungspflichten

Am 1. März 2017 startet das neue Angebot - und dabei will die Börse alte Fehler unbedingt vermeiden. Es ist zwar als Teil des sogenannten Freiverkehrs vorgesehen, dem etwas weniger regulierten Teil des Aktienhandels. Allerdings soll bei Weitem nicht jeder Interessent in dieses Segment aufgenommen werden. So sollen höhere Berichterstattungspflichten gelten als beim sogenannten Entry Standard, der von dem neuen Angebot ersetzt werden soll. Unternehmen müssen sich bereits bei Investoren bewährt haben. Fünf Kriterien hat die Börse dafür festgelegt, von denen drei erfüllt sein müssen. Dazu zählt etwa, dass die Firmen mindestens 20 Mitarbeiter, ein positives Eigenkapital und einen Jahresumsatz von mindestens 10 Millionen haben sollten. Die Börseneignung muss zudem von Experten bestätigt werden.

Unabhängige Informationen für Anleger

Zudem müssen sich die Firmen zu vergleichsweise großer Transparenz verpflichten. Dazu zählen etwa regelmäßige Aktienanalysen, die von der Deutschen Börse in Auftrag gegeben werden. Damit sollen Anleger möglichst unabhängige Informationen etwa über den Finanzierungsstand der Unternehmen bekommen. Die Kandidaten verpflichten sich außerdem zu aktuellen Mitteilungen über wichtige Unternehmensentscheidungen, sie müssen über Aktiengeschäfte von Führungskräften informieren und Insiderlisten führen. Damit soll möglichen Blendern der Wind aus den Segeln genommen werden, und Anleger sollen Vertrauen in das neue Angebot aufbauen. Zuletzt hatte die Deutsche Börse mit ihren Ideen für neue Geschäfte eher wenig Glück. So haben mehrere Pleiten den Markt für Mittelstandsanleihen in Verruf gebracht. Auch der Versuch, sich als Börse für chinesische Unternehmen zu etablieren, missglückte.

Venture Network mit 100 Wachstumsunternehmen

Der Erfolgsdruck ist daher groß. Vorstandschef Kengeter hat dem Geschäft mit jungen Unternehmen - neben dem geplanten milliardenschweren Zusammenschluss mit der Londoner Börse LSE - hohe Priorität gegeben. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr 2015 begann der Konzern mit dem Aufbau der Plattform "Venture Network", die inzwischen etwa 200 internationale Investoren und gut 100 Wachstumsunternehmen in Deutschland wie etwa den Online-Brillenhändler Mister Spex, das Internetmöbelhaus Home 24 und das Fintech Kreditech verbindet.

Namen gesucht

Das neue Segment ist nun der nächste Schritt, von dem sich die Börse natürlich auch mehr Börsengänge und damit mehr eigenes Geschäft verspricht. Auch ein Auswahlindex als Aushängeschild ist geplant. Bis dahin will die Börse aber bloß nichts überstürzen. Ein Name für das neue Kind wird noch gesucht. Kengeter rief die Öffentlichkeit auf, sich an einem Ideenwettbewerb zu beteiligen. Als Gewinn winkt ein Besuch bei einem Heimspiel des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

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Schlagworte zum Thema:  KMU, Risikokapital, Börse

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