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Bundesbank: Deutsches Vermögen im Ausland wächst

Die Konjunkturerholung hat das deutsche Auslandsvermögen 2010 auf ein Rekordhoch getrieben. In der Summe erhöhte sich die Netto-Auslandsposition Deutschlands im vergangenen Jahr um 117 Milliarden auf 951 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bundesbank in Frankfurt berichtete. Für den Anstieg seien neben dem Leistungsbilanzüberschuss auch Wechselkurs- und Goldpreiseffekte verantwortlich. Auch das EZB-Programm zum Kauf von Staatsanleihen klammer Euroländer schlug zu Buche und steigerte die Auslandsforderungen der Bundesbank.

Dank der guten Entwicklung der Weltwirtschaft nahm die finanzielle Verflechtung Deutschlands mit dem Ausland erneut kräftig zu. Deutsche Kreditinstitute, Unternehmen, Privatanleger und staatliche Stellen erhöhten ihre Auslandsaktiva um mehr als ein Viertel (25,8 Prozent) auf 6 342 Milliarden Euro. Mit einem Plus von 28,1 Prozent auf 5 391 Milliarden Euro legten die Auslandspassiva noch kräftiger zu.

Sondereffekte durch Finanzderivate

"Ausschlaggebend war zum einen die sich erholende Weltwirtschaft, die vor allem im Unternehmenssektor zu verstärkten grenzüberschreitenden Engagements führte. Zum anderen gab es einen Sondereffekt durch die erstmalige Erfassung von Finanzderivaten", erklärte die Notenbank.

Direktinvestitionen zogen an

Größte deutsche Netto-Gläubiger gegenüber dem Ausland waren auch 2010 die deutschen Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen. Sie bauten ihre Auslandsposition erneut spürbar um 180 Milliarden (zwölf Prozent) auf 2.762 Milliarden Euro aus. Getragen von der anziehenden Weltkonjunktur zogen insbesondere die Direktinvestitionen an. Unterstützt von positiven Wechselkurseffekten, aber auch von höheren Marktpreisen stiegen diese um 107 Milliarden auf 958,6 Milliarden Euro. Daneben weiteten sie ihre Wertpapierdepots aus, vor allem ihre Bestände an ausländischen Anleihen.

Auslandsverbindlichkeiten gestiegen

Die Auslandsverbindlichkeiten der Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen stiegen mit einem Plus von 7,5 Prozent (auf 1 653 Milliarden Euro) langsamer. Dadurch erhöhte sich das Netto-Auslandsvermögen der deutschen Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen um 19 Prozent auf 1.109 Milliarden Euro.

Wirkung der Bad Banks

Der Staat hatte Ende 2010 Nettoschulden gegenüber dem Ausland von 872,8 Milliarden Euro. Dabei stiegen die traditionell eher unbedeutenden Forderungen sprunghaft um 188 Milliarden Euro auf 230 Milliarden Euro an - auch weil der Staat die in Bad Banks (Abwicklungsanstalten) ausgelagerten Anleihen ausländischer Emittenten etwa von der Hypo Real Estate (HRE) übernahm. Der Staat hat diese Papiere nun im Wert von 132 Milliarden Euro statt 10,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor in den Büchern.

Öffentliche Schuldverschreibungen gefragt

Wegen der gleichzeitig regen Nachfrage ausländischer Investoren nach den als besonders sicher geltenden hiesigen öffentlichen Schuldverschreibungen sowie aufgrund von Kurssteigerungen erhöhte sich der Auslandsbesitz dieser Papiere um 71 Milliarden Euro auf 972 Milliarden Euro. Insgesamt betrugen die Auslandsverbindlichkeiten staatlicher Stellen Ende 2010 damit 1.093 Milliarden Euro.

Umstrittenes EZB-Programm

Gleichzeitig steigerte die Bundesbank ihre Auslandsposition netto um 196 Milliarden Euro auf 510 Milliarden Euro. Ausschlaggebend für den deutlichen Bestandszuwachs bei den sonstigen Anlagen war auch das umstrittene EZB-Programm zum Ankauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Euroländer. Die Bundesbank hatte zum Jahresende Anleihen im Wert von 15,6 Milliarden Euro in ihren Büchern.

Anleihen fast verdoppelt

Dieser Wert dürfte sich seither mehr als verdoppelt haben, weil die Europäische Zentralbank das Programm im August auf Italien und Spanien ausgeweitet hat. Aktuell stehen in den Büchern der EZB Anleihen im Wert von 156,5 Milliarden Euro, Ende 2010 waren es nach früheren Bundesbankangaben nur 61 Milliarden Euro. Die Risiken aus diesen Geschäften werden nach den Anteilen der nationalen Notenbanken im Eurosystem am Kapital der EZB aufgeteilt - Deutschland hält mehr als 27 Prozent des EZB-Anteils.

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