| Bundesamt für Statistik

Jeder sechste Deutsche ist arm

16 Prozent der Bevölkerung sind von Armut betroffen.
Bild: Uschi Dreiucker ⁄

Fast jeder sechste Einwohner Deutschlands war im Jahr 2011 arm oder von Armut bedroht. Betroffen waren 16,1 Prozent der Bevölkerung und damit 0,3 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis einer europaweiten Statistik mitteilte.

Armut beginnt danach in Deutschland bei einem Einkommen von 980 Euro im Monat für einen Single und bei 2058 Euro für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren. Frauen hatten erneut ein höheres Armutsrisiko als Männer - und zwar in allen Altersgruppen. Ebenfalls besonders betroffen waren Alleinerziehende und ihre Kinder. Mehr als ein Drittel (38,8 Prozent) der Menschen, die in Haushalten von Alleinerziehenden lebten, galten als relativ arm. Noch stärker betroffen waren Arbeitslose und ihre Familien. Mehr als zwei Drittel (69,3 Prozent) dieser Menschen waren von Armut bedroht. In Haushalten von überwiegend Erwerbstätigen galten nur 7,8 Prozent als relativ arm. Bei Rentnern und ihren Familien lag die Quote mit 15,1 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt.

Sozialverbände fordern politikwechsel 

Der Sozialverband VdK und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) fürchten, dass sich Armut in Deutschland weiter verfestigt. Sie forderten daher einen Politikwechsel. "Die alte Bundesregierung muss sich fragen lassen, wieso trotz sprudelnder Steuereinnahmen und immer neuer Beschäftigungsrekorde, die Armutsgefährdung in der Bundesrepublik seit Jahren zunimmt", sagte AWO-Chef Wolfgang Stadler. "Wir müssen weg von der Niedriglohnpolitik, ausufernder Leiharbeit und dem Minijobsystem, das sich für immer mehr Menschen zur Armutsfalle entwickelt." VdK-Präsidentin Ulrike Mascher forderte einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn sowie eine gesetzliche Regelung zur Einschränkung von Leih- und Zeitarbeit.

Schlagworte zum Thema:  Armut, Alleinerziehende, Leiharbeit, Zeitarbeit, Sozialverband, Niedriglohn

Aktuell

Meistgelesen