27.05.2016 | Autobranche

Selbstfahrende Autos und viele offene Fragen

Google-Autos haben schon Millionen von Kilometern zurückgelegt.
Bild: Google

Bevor selbstfahrende Autos regulär auf die Straße kommen können, müssen noch diverse rechtliche Fragen geklärt werden. Die zentrale Frage ist: Wer haftet, wenn ein Auto komplett vom Computer gesteuert wird?

Bisher trägt immer der Mensch am Steuer die Verantwortung. Allerdings preschte zum Beispiel der Hersteller Volvo bereits mit der Ankündigung vor, er werde die Haftung für seine Roboterwagen übernehmen. Der von Chinesen übernommene schwedische Autobauer will vom kommenden Jahr an in einem Großversuch bis zu 100 Familien selbstfahrende Wagen unter anderem in London testen lassen. Der Stadtverkehr mit vielen anderen Fahrzeugen, Fahrrädern und Fußgängern ist eine deutlich größere Herausforderung für die automatischen Systeme als der Verkehr auf der Autobahn. Experten rechnen damit, dass die Computer zunächst schrittweise auf den Autobahnen die Kontrolle übernehmen werden. Schon jetzt haben viele Fahrzeuge - meist in der teuren Oberklasse - Assistenzsysteme, die automatisch Tempo, Abstand und Spur halten und damit den Fahrer entlasten.

Mehrere Schritte bis zum "vollautomatisierten Fahren"

In der deutschen Autobranche wird das als "teilautomatisiertes Fahren" bezeichnet, bei dem einzelne Funktionen von der Technik übernommen werden, aber der Fahrer ständig die Kontrolle behalten muss. Der nächste Schritt wäre das "hochautomatisierte Fahren", bei dem die Systeme an sich in der Lage sind, das Auto selbst zu steuern, aber es noch im Zusammenspiel mit dem menschlichen Fahrer geschieht. Beim "vollautomatisierten Fahren" liegt die Kontrolle beim Computer.
Google will in den beim Internet-Konzern entwickelten kleinen Zweisitzern sogar ganz auf Lenkrad und Pedale verzichten. die US-Regulierer sind da noch skeptisch. Die Zukunft mit selbstfahrenden Autos wirft auch ethische Fragen auf. Wenn sich ein Unfall nicht mehr vermeiden lassen sollte, wie entscheidet der Computer, wessen Leben prioritär geschützt wird? Die Software von Google zum Beispiel sei aktuell so programmiert, dass sie in erster Linie Zusammenstöße mit beweglichen Objekten sowie Fußgängern und Radfahrern vermeide, sagte Chefentwickler Chris Urmson. Der Internet-Konzern verspricht Transparenz bei den Regeln.

Erste Versuchsstrecken in Deutschland

In Deutschland ist bisher vor allem ein Abschnitt der A9 als Teststrecke für selbstfahrende Fahrzeuge vorgesehen, der US-Zulieferer Delphi bekam aber auch die Erlaubnis für die Landstraße an seiner Niederlassung in Wuppertal. Im Stadtverkehr sind unter anderem die Google-Autos im kalifornischen Mountain View unterwegs, aber auch Wagen von General Motors in San Francisco oder von Uber in Pittsburgh. Die US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada haben sich insgesamt als die wichtigste Regionen zum Testen selbstfahrender Fahrzeuge etabliert. Dort sind neben Google unter anderem Bosch, Continental, Mercedes, Volkswagen, Tesla, Toyota und Nissan unterwegs.

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Schlagworte zum Thema:  Autoindustrie, Auto, Automatisierung

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