20.01.2012 | Wirtschaft & Märkte

Atradius: Zerfall der Eurozone unwahrscheinlich

Auch nach der Herabstufung von neun Ländern der Eurozone und zuletzt auch des europäischen Rettungsfonds EFSF durch die Ratingagentur Standard & Poor’s glaubt der internationale Kreditversicherer Atradius nicht an einen Zerfall der europäischen Währungsunion. Das ist das Fazit des aktuellen Konjunkturberichts des Unternehmens zur Zukunft der Eurozone.

Aufgrund der umfassenden wirtschaftlichen und finanziellen Integration des Euroraums hätte der Euro-Austritt auch nur eines Landes massive negative Konsequenzen für alle Mitglieder der Währungsunion. Würde Deutschland zur D-Mark zurückkehren, hätte dies einen rund 20-prozentigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts über die folgenden drei Jahre zur Folge. Atradius hält den Bestand der jetzigen Eurozone daher für den einzig gangbaren, wenn auch ebenfalls steinigen Weg.

„Wir gehen davon aus, dass die politischen Entscheidungsträger die Krise schrittweise unter Kontrolle bekommen“, so Atradius Chefvolkswirt John Lorié. „Die Peripherie-Staaten werden ihre Reform- und Sparanstrengungen verstärken, und die Europäische Zentralbank wird dem Bankensystem weiter die notwendige Liquidität zuführen. Im Ergebnis erwarten wir, dass die Spannungen im Interbankenmarkt langsam nachlassen und sich die Bedingungen auf den Finanzmärkten stabilisieren werden. Nichtsdestotrotz scheint eine, wenn auch milde, Rezession der Eurozone in 2012 nicht abwendbar.“

Um an die Stärke des Euro und der Europäischen Währungsunion wieder anknüpfen zu können, sei die Bekämpfung der grundlegenden Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedsländern zwingend notwendig, heißt es in dem Bericht. Dabei müssten vor allem die hohen Staatsschulden sowie die Unterschiede in Wirtschaftskraft und Produktivität reduziert werden. Dies werde insbesondere für die Peripherie-Staaten der EU ein langer und schmerzhafter Prozess.

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