21.12.2015 | Nullwachstum 2016

Investitionsflaute bremst den Maschinenbau

Der Maschinenbau bleibt eine Schlüsselbranche in der deutschen Wirtschaft.
Bild: Haufe Online Redaktion

Konjunkturabsturz in Russland, schwächeres Wachstum in China und zurückhaltende Investitionen in Deutschland: Probleme in aller Welt bremsen auch die erfolgsverwöhnten deutschen Maschinenbauer. 2016 dürfte die reale Produktion das zweite Jahr in Folge stagnieren.

Die deutschen Maschinenbauer stellen sich angesichts der weltweit schleppenden Nachfrage nach Maschinen und Anlagen auf ein weiteres Jahr ohne reales Wachstum ein. "In nominaler Betrachtung könnte der Produktionswert aber im kommenden Jahr die Marke von 200 Milliarden Euro erstmals leicht überschreiten", sagte der Präsident des Branchenverbands VDMA, Reinhold Festge, in Frankfurt: "Wenn uns das gelingt, hat der Maschinenbau schon eine sehr ordentliche Leistung erbracht." Denn die Rahmendaten blieben ungünstig, auch 2016 müsse der Maschinenbau mit negativen Impulsen aus vielen Schwellenländern rechnen. Zudem dürften die expansiven Effekte aus den USA und den EU-Partnerländern etwas geringer ausfallen. Auch die erwartete Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar nach der Zinserhöhung in den USA werde bestenfalls etwas Rückenwind bringen.

Ausbau der digitalen Infrastruktur gefordert

Für 2015 bestätigte Festge eine "Stagnation" der Schlüsselindustrie «auf einem hohen Niveau». Das nominale Produktionsvolumen werde etwa 199 Milliarden Euro erreichen nach 198 Milliarden im Jahr zuvor. Im Hinblick auf die vielen aktuellen Krisenherde und der Investitionszurückhaltung im Inland werte der VDMA die Stagnation zwar durchaus als Erfolg, sagte Festge: "2015 war sicher kein einfaches Jahr für den Maschinenbau, aber wir können dennoch zufrieden sein mit dem Erreichten."  Ein beruhigendes Zeichen sei dies aber nicht: "Mit großer Sorge sehen wir zu viel gefühlte Sicherheit und zu wenig Vorbereitung auf das Morgen in Deutschland." Die Null der Maschinenbauer sei daher weder schwarz noch rot: "Unsere Null ist ein Weckruf: Liebe Regierung, unternehmt endlich etwas." Nötig wären etwa ein Ausbau der digitalen Infrastruktur, ein flexiblerer Arbeitsmarkt, eine steuerliche Forschungsförderung oder eine Handelspolitik für neue Märkte. Angesichts eines insgesamt schwachen Weltwirtschaftswachstums beobachten die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenbauer die Entwicklungen in den drei Schlüsselländern China, Iran und Russland mit besonderer Aufmerksamkeit. Zwar konnten die Exporte der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres preisbereinigt noch um 0,8 Prozent auf 116 Milliarden Euro gesteigert werden. Für China erwartet der VDMA im Gesamtjahr jedoch einen Ausfuhr-Rückgang um 5 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro.

Größter industrieller Arbeitgeber im Land

Das Russland-Geschäft sinke im ablaufenden Jahr sogar um 27 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro. Allerdings konnten die deutschen Maschinenbauer nach den Angaben ihren Marktanteil halten und blieben damit wichtigster Technologielieferant - auch weil die Konkurrenz aus China Marktanteile verloren habe, sagte Festge: «Wir akzeptieren selbstverständlich das Primat der Politik. Aber wir wünschen uns mehr Bemühungen seitens der Politik, die Sanktionen schrittweise wieder aufzuheben.» Hoffnung setzt die mittelständisch geprägte Branche auf den Iran, sobald die Sanktionen gelockert werden. Trotz der Stagnation haben die Betriebe 2015 nochmals mehr als 10 000 Menschen zusätzlich eingestellt. Mit 1,019 Millionen Menschen bleibe der Maschinen- und Anlagenbau der größte industrielle Arbeitgeber des Landes.

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Schlagworte zum Thema:  Maschinenbau, Konjunktur

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