01.06.2011 | Steuern & Finanzen

Zahlungsverzug wird teurer

Die Zahlungsmoral der Unternehmer ist laut dem Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dennoch werden immer noch viele Rechnungen erst lange nach Ablauf der Zahlungsfrist beglichen. Eine neue EU-Richtlinie soll Abhilfe schaffen.

Ziele und Hintergründe der Richtlinie

Die EU hat mit ihrer neuen Richtlinie 2011/7/EU wesentliche Punkte der Richtlinie 2000/35/EG zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr geändert. Damit möchte die EU für mehr Vereinfachung und Klarheit auf dem Gebiet des Zahlungsverzugs sorgen und die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen, deren offene Forderungen schnell zu Liquiditätsengpässen führen, stärken.

Einheitliche Zahlungsziele

Die Richtlinie sieht für Handelsgeschäfte zwischen zwei Unternehmen EU-weit einheitliche Zahlungsfristen vor. Danach müssen Behörden ihre Rechnungen innerhalb von 30 Tagen begleichen; für Unternehmen gilt hingegen eine Zahlungsfrist von maximal 60 Tagen. Längere Zahlungszeiträume als 60 Tage dürfen Unternehmen untereinander nur vereinbaren, wenn sie keine grobe Benachteiligung darstellen, wie etwa wenn Unternehmen ihren Kunden Handelskredite gewähren möchten.

Hinweis: Die Richtlinie findet keine Anwendung auf Geschäfte mit Verbrauchern und umfasst keine Zahlungen von Zinsen im Zusammenhang mit anderen Zahlungen, wie z. B. unter das Scheck- und Wechselrecht fallende Zahlungen. Ferner dürfen Schulden, die Gegenstand eines Insolvenzverfahrens sind, davon ausgeschlossen werden.


Sonderbehandlung von Stammkunden

Fast jeder Unternehmer hat schon einmal bei seinen Stamm- oder Großkunden ein Auge zugedrückt, wenn die Zahlung nicht pünktlich geleistet wurde. Zu groß ist die Sorge darüber, sich mit seinen besten Kunden anzulegen und aufgrund einer Mahnung oder eines Anwaltsschreibens Folgeaufträge zu riskieren. Ein gefährliches Unterfangen, denn schnell wird ein Außenstand zu einem Zahlungsausfall und manchmal sogar zur Existenzgefährdung.

Hinweis: Manche Schuldner bezahlen ihre Rechnung sogar absichtlich nicht, da es ihnen in vielen Mitgliedstaaten finanzielle Vorteile bringt. Die langsamen Beitreibungsverfahren und (häufig nicht anfallenden) Verzugszinsen nehmen sie dabei gerne in Kauf.

 

Zahlungsverzug mit Beitreibungsverfahren gekoppelt

Ein Zahlungsverzug ist ein Vertragsbruch. Wer also seine Rechnung nicht innerhalb von 60 Tagen begleicht, dem dürfen Gläubiger künftig automatisch Verzugszinsen (in Form eines einfachen Zinses, auf Tagesbasis berechnet) und eine Inkassopauschale von mindestens 40 Euro berechnen. Auf diese Weise sollen insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit einer eher dünneren Kapitaldecke vor hohen Außenständen aufgrund willkürlicher Zahlungsverzögerungen geschützt werden. Dabei handelt es sich lediglich um ein Recht. Dem Gläubiger ist es daher frei gestellt, ohne vorherige Mahnung oder eine vergleichbare Zahlungsaufforderung Verzugszinsen zu verlangen.

Die Folgen des Zahlungsverzugs können laut der EU jedoch nur abschreckend wirken, wenn sie an ein schnelles und wirksames Beitreibungsverfahren gekoppelt sind. Deshalb werden allen in der EU niedergelassenen Gläubigern die Verfahren zur Beitreibung von Forderungen bei Zahlungsverzug zur Verfügung gestellt - unabhängig von der Höhe der Forderungssumme. In den Beitreibungskosten sollen die durch den Zahlungsverzug entstandenen Verwaltungskosten sowie internen Kosten enthalten sein. Die Richtlinie sieht hier einen pauschalen Mindestbetrag von 40 Euro vor, der mit Verzugszinsen kumuliert werden kann.

 

Fazit: Richtige Rechnungsstellung und Forderungsmanagement

Die Regelungen sind bis spätestens 16. März 2013 in nationales Recht umzusetzen. Dennoch sollten Unternehmer nicht untätig bleiben und ein systematisches Forderungsmanagement etablieren. Denn: Ein aktives Rechnungs- und Mahnwesen ist eine Grundvoraussetzung für den rechtzeitigen Zahlungseingang. Auch Stammkunden sollten nicht verschont werden. Manchmal lohnt sich schon ein kurzer Anruf, in welchem Sie Ihren Kunden nochmals auf die Zahlungsfrist hinweisen und ihm gegebenenfalls drei weitere Tage Zahlungsaufschub gewähren. Dann sollten aber spätestens die Mahnung oder das Anwaltsschreiben folgen. 

Wichtig: Schon die Art der Rechnungsstellung ist entscheidend. Ausgangsrechnungen sollten frühestmöglich versendet werden und ein konkretes Datum („fällig an 16.8.2011 mit Valuta auf unserem Konto“) ausweisen. Sind die Rechnungsinhalte fehlerfrei, klar und verständlich, lassen sich viele Reklamationen von vornherein vermeiden und Forderungen schneller realisieren.

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