03.07.2014 | Top-Thema Working Capital Management: Die Bank im eigenen Haus

5. Rating: Gute Zahlen, gute Noten, günstige Zinsen

Kapitel
Eine Working Capital-Optimierung bringt im Schnitt 15 Prozent mehr Liquidität.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Ein niedriges Working Capital verbessert nicht nur die Liquidität, sondern erleichtert auch die externe Finanzierung. Laut der Creditreform Rating Agentur besteht eine eindeutige Korrelation zwischen Working-Capital und Bonitätsindex.

Bei größeren Kreditengagements von Banken sind gute Kennzahlen nicht selten Vertragsbestandteil. Private-Equity-Gesellschaften dienen sie als Anhaltspunkt für die Performance und die Management-Qualität einer Beteiligung.

Working Capital Ratio 3 beachten

Eine wichtige Kennzahl beim Rating ist die „Working Capital Ratio 3“. Sie setzt das Umlaufvermögen ins Verhältnis zum Umsatz. Am Ergebnis lässt sich ablesen, ob mehr Liquidität gebunden ist als notwendig. Stünden mehr Barmittel zur Verfügung, entfiele zum Beispiel das Risiko, das Unternehmen eines Tages mit Liquiditäts- oder Überbrückungskrediten stützen zu müssen. In einer Studie hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC für europäische Unternehmen einen Mittelwert Working Capital Ratio von 19 Prozent ermittelt. Allerdings besteht eine starke Abhängigkeit von einzelnen Branchen, ebenso sind die Bandbreiten innerhalb der Branchen beträchtlich. Im Bereich Industrie lagen sie bei der Erhebung zwischen zehn und 42 Prozent.

Zentrale Steuerungsfunktion

Das Working-Capital ist beim Rating zwar nur eines von mehreren Kennzahlen. Allerdings hat es eine zentrale Steuerungsfunktion auf die weiteren für das Rating herangezogenen Parameter. Beispielrechnungen (Quelle: Wieselhuber & Partner, München) verdeutlichen dies: Bei Unternehmen, die ihr Netto-Umlaufvermögens von 143 Tage auf 80 Tage verkürzten (minus 56 Prozent), hatte dies eine Erhöhung der Eigenkapitalquote um neun Prozent, eine Verringerung der Bilanzsumme (aufgrund geringeren Fremdkapitalanteils) um fünf Prozent und eine Reduzierung des Zinsaufwands um 40 Prozent als Effekt in der Gewinn- und Verlustrechnung zur Folge.

Im Schnitt 15 Prozent Liquiditätseffekte

Im Durchschnitt können Unternehmen Liquiditätseffekte von rund 15 Prozent erzielen, wie aus einer Analyse von Roland Berger Strategy Consultants hervorgeht (siehe Tabelle unten). Die gleiche Untersuchung hat eine klare Abhängigkeit von Working-Capital und Unternehmensgröße aufgezeigt. Bei Kleinunternehmen ist die Kapitalbindung über 30 Prozent länger als bei Großunternehmen, denn letztere zeichnen sich durch ein besseres Lagerbestandsmanagement aus und genießen längere Zahlungsziele bei Zulieferern. Kleinere Unternehmen können dies gegenüber den Banken nicht in die Waagschale werfen und haben es deutlich schwerer, an günstige Kredite zu kommen.

Branchen/Liquiditätspotenzial bei Working-Capital-Optimierung

  • Telekommunikation, Papier 18 %
  • Handel, Chemie, Metallbau 16 %
  • Maschinenbau. Elektr. Ausrüstung, Pharmazie, Nahrungsmittel, Bauwesen 15 %
  • IT, Automobil 13 %
  • Bekleidung 12 %

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