| Clemens Fuest

Wirtschaftsforscher warnt vor Vermögenssteuer-Plänen

Der Wirtschaftsforscher Clemens Fuest warnt vor der diskutierten Vermögenssteuer.
Bild: ZEW Mannheim

Der Präsident des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, Clemens Fuest, hat vor der von SPD und Grünen geplanten Einführung einer Vermögensteuer gewarnt.

Es sei unmöglich, eine gerechte Vermögensteuer zu schaffen, ohne großen Schaden bei den Unternehmen anzurichten, warnte der Steuerexperte. Um die Steuer gerecht auszugestalten, müssten Betriebsvermögen einbezogen sein. "Das hätte massive negative Folgen für die Betriebe, weil die Gesamtsteuerlast steigt und auch in der Krise Substanz besteuert würde", sagte Fuest. Würde Betriebsvermögen geschont, entlasse "man den weitaus größten Teil der sehr vermögenden Leute aus der Besteuerung". Am Ende treffe die Vermögensteuer den erfolgreichen Handwerker, der sich Immobilienvermögen zusammengespart habe: "Mit gerechter Steuerlastverteilung hat das nichts zu tun."

Unternehmen wird Eigenkapital entzogen

Auch die Familienunternehmen warnen SPD und Grüne vor einer Umsetzung ihrer Steuerpläne im Falle einer Regierungsbildung. Die Einführung einer Vermögensbesteuerung sei "kreuzgefährlich", sagte der Präsident des Verbandes Die Familienunternehmer, Lutz Goebel, in Berlin. Eine Vermögensteuer entziehe Unternehmen erheblich Eigenkapital und so Geld für Investitionen. "Die Spuren in unserer Volkswirtschaft werden jedenfalls tief sein", sagte Goebel. "Am Ende stehen wir mit Frankreich im Wettbewerb darum, wer der kränkste Mann Europas wird." Dabei verfehlten die Steuer-Erhöhungs-Parteien ihr eigentliches Ziel völlig: "Wenn die Wirtschaft nicht mehr investiert, brechen die Steuereinnahmen ein."

Steuerertragslast steigt um 20 Prozentpunkte 

Die Summen, die Grüne und die SPD mit der Vermögensteuer einsammeln wollen, sind nach Ansicht von Goebel nur zu erzielen, wenn Betriebsvermögen mit einbezogen werden. In diesem Fall aber steige die Ertragssteuerlast um etwa 20 Prozentpunkte, teils um mehr als 30 Punkte. Bei Personengesellschaften ergebe sich eine Gesamtsteuerbelastung von 84 Prozent. Die Investitionen sackten in der Folge im Schnitt jährlich um bis zu 25 Prozentpunkte. Die von SPD und Grünen in Aussicht gestellten Freibeträge würden den Mittelstand kaum schonen. Ein Freibetrag von fünf Millionen Euro wäre schon bei einem Jahresüberschuss von 326.000 Euro nach Steuern ausgeschöpft. Alle 1.100 Marktführer aus dem Mittelstand ("Hidden Champions") in Deutschland seien davon betroffen.

 

Schlagworte zum Thema:  Familienunternehmen, Betriebsvermögen, Eigenkapital, Mittelstand, Vermögensteuer

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