| Wachstumsbremse

Familienunternehmer warnen vor Steuerplänen

Familienunternehmer warnen vor rot-grünen Steuerplänen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Familienunternehmen lassen kein gutes Haar an den Steuerplänen von SPD und Grünen. Auch Freibeträge bei der Vermögensabgabe würden kaum helfen.

Die Familienunternehmen machen Front gegen die Steuerpläne von SPD und Grünen und warnen vor einer massiven Wachstumsbremse. "Eine Vermögensteuer wird Unternehmen erheblich Eigenkapital und damit Geld für Investitionen entziehen", sagte der Präsident des Verbandes Die Familienunternehmer, Lutz Goebel, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Investitions-Verhinderungssteuer trifft voll den Mittelstand."

Stärkere Lohnerhöhungen richtig 

Familienunternehmen müssten zusätzlich zwischen 20 und 35 Prozent ihres Jahresgewinns ausschütten, damit Gesellschafter die Vermögensteuer zahlen könnten. "Damit wird den Unternehmen ganz massiv Kapital entzogen", sagte Goebel. Weniger Eigenkapital bedeute eine geringere Kreditwürdigkeit, eine stärkere Abhängigkeit von Banken sowie eine größere Krisenanfälligkeit, vor allem aber weniger Ausgaben für Forschung und Entwicklung. "Das schädigt extrem die gesamte Volkswirtschaft und ist zu kurz gesprungen", sagte Goebel. Familienunternehmen hätten wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland gut durch die Krise gekommen sei. Mitarbeiter seien gehalten worden, teils sei sogar aufgestockt worden. Verursacht hätten die Krise andere. Die Unternehmen seien gut aufgestellt, stärkere Lohnerhöhungen seien richtig.

Rot-Grün will Spitzensteuersatz erhöhen 

Höhere Steuern für Top-Verdiener und Vermögende werden im Bundestagswahlkampf eine zentrale Rolle spielen. SPD und Grüne wollen im Falle einer Regierungsübernahme den Spitzensteuersatz anheben. Im Gespräch ist auch eine Vermögensabgabe. Auch die saarländische Ministerpräsidentin, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), brachte einen höheren Spitzensatz ins Spiel: Das in den 1990er Jahren geltende Niveau könnte wieder eingeführt werden. Damals betrug der Spitzensteuersatz 53 Prozent, den Rot-Grün auf 42 Prozent senkte. Von höheren Einkommensteuern sind auch viele Unternehmen betroffen, da sie als Personengesellschaften firmieren.

Familienunternehmen beschäftigen 60 Prozent aller Mitarbeiter 

Familienunternehmen erwirtschaften nach Verbandsangaben knapp die Hälfte aller Umsätze der deutschen Wirtschaft, beschäftigen 60 Prozent aller Mitarbeiter und bilden 80 Prozent aller Lehrlinge aus. Zur Debatte über steigende Vermögen in Deutschland sagte Goebel, Unternehmen würden auch wegen der gesunkenen Zinsen höher bewertet - ganz automatisch, ohne dass sich an der Substanz etwas getan habe. So werde ein Unternehmen nach dem Ertragswert bewertet, der aktuell das 15,3-fache des Jahresüberschusses nach Steuern ausmache. Dieser Faktor sei wegen gefallener Zinsen gestiegen.

Weniger Investitionen drosseln Wirtschaft 

Die von SPD und Grünen in Aussicht gestellten Freibeträge würden den Mittelstand kaum schonen. Goebel macht folgende Rechnung auf: Bei einem Freibetrag von fünf Millionen Euro und dem Bewertungsfaktor 15,3 hätte jedes Unternehmen, das mehr als 235.000 Euro Jahresüberschuss nach Steuern erziele, den Freibetrag ausgeschöpft. "Damit sind alle mittleren und großen Familienunternehmen dabei." Diese nutzen Goebel zufolge ihren Jahresüberschuss bisher überwiegend, um Investitionen zu finanzieren: "Weniger Investitionen drosseln die gesamte Wirtschaft." Die Vermögensteuer betreffe zu mehr als 90 Prozent Betriebsvermögen. Zudem sei eine solche Steuer extrem streitanfällig. Es gelinge nicht, sauber Betriebs- von Privatvermögen zu trennen.

Schlagworte zum Thema:  Familienunternehmen, Steuersatz, Vermögensteuer, Spitzensteuersatz

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