| Umsatzsteuer

Bei E-Commerce wird es komplizierter

Je nach Kunde und seiner Herkunft gelten andere Regeln bei der Umsatzsteuer.
Bild: Haufe Online Redaktion

Vertreiben Händler Waren über Ebay oder über einen eigenen Online-Shop, ist das aus umsatzsteuerlicher Sicht eigentlich identisch mit dem Verkauf im Laden oder über einen Bestellkatalog. Kompliziert wird es dagegen, wenn E-Commerce ins Spiel kommt.

Damit sind Leistungen gemeint, die in digitaler Form erbracht werden. Konkret: Unter E-Commerce versteht man auf elektronischem Weg erbrachte sonstige Leistungen, die über ein Online-Portal angeboten werden. Darunter fallen folgende typische Leistungen:

 

Elektronische Leistungen

Praxisfälle

Bereitstellen von Datenbanken

Nutzung von Suchverzeichnissen im Internet und Benutzung von Suchmaschinen.

Bereitstellung von Musik

Angebot von Downloads

Online-Seminare

Unterrichtsleistungen, die auf das Internet angewiesen sind

Bereitstellung von Websites, Fernwartung, Webhosting

Datenspeicherungen, Bereitstellung von Speicherplatz, Fernverwaltung von Systemen

Bereitstellung von Texten und Bildern

Bereitstellung von E-Books, Online-Zeitschriften, Downloadmöglichkeit von Bildern, etc.

 

Regeln für die Umsatzsteuer

Die Leistungen im Rahmen des E-Commerce stellen umsatzsteuerlich so genannte Katalogleistungen des § 3a Abs. 4 Satz 2 Umsatzsteuergesetz dar. Bei solchen Katalogleistungen müssen bei den Kunden folgende Unterscheidungen getroffen werden:

Leistungsempfänger ist Unternehmer: Nimmt ein Unternehmer oder eine einem Unternehmen gleichgestellte juristische Person eine elektronische Leistung ab, gilt die Leistung an dem Ort erbracht, an dem der Kunde seinen Sitz hat. Das gilt unabhängig davon, ob der Unternehmer seinen Sitz im EU-Ausland oder ein einem Drittland hat. Beispiel: Unternehmer aus Ungarn ruft Softwaredownload ab. Keine Steuerpflicht in Deutschland, sondern in Ungarn. Hier greift § 13b UStG. Das bedeutet im Klartext: Der Online-Händler stellt eine Nettorechnung und der ungarische Unternehmer führt in Ungarn die ungarische Umsatzsteuer ab.

Leistungsempfänger ist Privatperson im EU-Gebiet: Ist der Kunde ein Nichtunternehmer aus einem EU-Land, ist die Leistung dort erbracht, an dem der Betreiber des Internet-Portals seinen Geschäftssitz hat. Beispiel: Privatperson aus Österreich lädt sich Musik bei in Deutschland ansässigem Online-Shop-Betreiber herunter. In der Rechnung müssen 19% Umsatzsteuer ausgewiesen werden.

Leistungsempfänger ist Privatperson in Drittland: Ist der Empfänger der E-Commerce-Leistungen ein Nichtunternehmer mit Wohnsitz in einem Drittland, gilt die Leistung dort als ausgeführt, wo der Kunde seinen Wohnsitz hat.

Tipp: Als Betreiber eines Online-Shops sollte man der Kundenerfassung höchste Priorität zukommen lassen. Die Kunden müssen über aussagekräftige Masken im Portal zu ihrer Unternehmereigenschaft ausfüllen oder diese verneinen. Diese Angaben sollten Sie zu dem jeweiligen Geschäftsvorfall buchungstechnisch digital archivieren. Treten bei Jahre später stattfindenden Betriebsprüfungen Zweifelsfragen auf, kann so problemlos nachgewiesen werden, wie der jeweilige Sachverhalt umsatzsteuerlich behandelt wurde.

Schlagworte zum Thema:  Umsatzsteuer, E-Commerce, Online-Shop

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