02.05.2012 | Top-Thema Steuerberater: Das sollten Unternehmer wissen

So finden Sie den richtigen Steuerberater

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Bild: PhotoAlto

Viele Firmenchefs verlassen sich bei wichtigen Entscheidungen auf die Einschätzung ihres Steuerberaters. Das ist mitunter die falsche Strategie: Denn nicht jeder Steuerprofi ist als Allround-Genie einsetzbar.

Auf den ersten Blick ist es ein gutes Zeugnis für Steuerberater: 77 Prozent der Unternehmer und Selbstständigen äußern sich spontan positiv zu den Leistungen ihrer steuerlichen Dienstleister – so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts IRES in Düsseldorf. Im Auftrag des IT-Anbieters Datev in Nürnberg befragt das Institut regelmäßig Mittelständler zur Zusammenarbeit mit ihrem Steuerprofi. Die Unternehmer geben den Experten gute Noten – egal, ob der Berater für die Firmenchefs nur die Lohn- und Gehaltsabrechnung, die Finanzbuchhaltung und den Jahresabschluss erledigt oder darüber hinaus betriebswirtschaftliche Beratung bietet. 98 Prozent der Firmenchefs haben laut Umfrage eine enge Beziehung zu ihrem Fiskalspezialisten.

Der Steuerberater als Allround-Genie: So positiv sich das Bild darstellt, so wichtig ist es für Unternehmer dennoch, die Leistungen des Steuerberaters regelmäßig einem Qualitäts-Check zu unterziehen. Denn laut Studie erkennen auch nur 14 Prozent der Firmenchefs bei ihrem Steuerexperten hohes Wissen als besondere Stärke, und nur jeder fünfte Befragte bezeichnet dessen Beratungskompetenz als großes Plus.

Einer, der keine guten Erfahrungen mit seinem Steuerberater gemacht hat, ist Nico Höper, Geschäftsführer der auf Energiesparberatung spezialisierten SEMenergy GmbH in Jena mit fünf Mitarbeitern. Vor sieben Jahren ging er im Streit mit ihm auseinander, nachdem dieser ihn nicht korrekt informiert hatte. Der Unternehmer löste damals seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf. Dabei informierte der Steuerexperte ihn nicht darüber, dass stille Reserven aufgedeckt werden mussten. Die Sache versuchte Höper auf direktem Weg im Gespräch zu klären. Doch kam es zu keiner Einigung. „Ich wollte mich dann nicht zu lange damit belasten und suchte mir einen anderen Steuerberater“, erinnert sich Höper. Seine Entscheidung machte er sich nicht leicht. Die Wahl fiel damals auf Ralph Böttcher, Gesellschafter der Dan-Revision-Gruppe in Flensburg. Höpers Kriterien muten ein wenig unkonventionell an: „Aus meiner Sicht muss jeder Firmenchef zwei Freunde haben: Einen Steuerexperten und einen Rechtsanwalt.“ Bevor er Böttcher engagierte, wollte er ihn also erst besser kennenlernen. „Weil ich eine Freundschaft über das normale Geschäftsleben hinaus erwarte, bin ich mit Böttcher erst einmal ein Bier trinken und in die Sauna gegangen.“ Genau richtig: „Das Bauchgefühl und die Chemie müssen auf beiden Seiten stimmen“, rät Ralph Böttcher. Erst danach sollten rationale Kriterien bei der Auswahl ins Spiel kommen. Das gilt insbesondere, wenn der Unternehmer seinen Steuerexperten als Sparringspartner und erste Ansprechperson für alle seine betrieblichen Belange sieht.

Der Steuerberater als Pauschaldienstleister

Wie bei Unternehmer Stephan Dörsam, Geschäftsführer der Procom Deutschland GmbH im norddeutschen Handewitt. Die Firma baut Antennen und Filterprodukte für professionelle Funksysteme. Für Dörsam ist sein Steuerberater der Ansprechpartner für fast alle betrieblichen Probleme. So hat ihm der Experte auch dabei geholfen, eine Bank mit ins Boot zu holen, als er investieren wollte. Und er hat ihn beraten, ob er sein Firmenfahrzeug kaufen oder leasen sollte. „Dafür erhält er zwar ein vergleichsweise hohes Honorar. Doch weil wir uns mit unseren qualitativ hochwertigen Leistungen selbst am oberen Ende bewegen, akzeptieren wir das auch bei ihm“, sagt Dörsam. Die Vergütung spielt in der Tat eine wichtige Rolle für Firmenchefs. Als Grundlage dient stets die Gebührenverordnung für Steuerberater. Sie gibt für jede Tätigkeit je nach Schwierigkeitsgrad eine bestimmte Honorar-Bandbreite an. Der Experte kann dann mitunter bis zur oberen Grenze gehen. Für die Mandanten ist das ein Vabanquespiel, wenn sie nicht vorab eine Verabredung treffen. Dann wissen sie häufig nicht, wie hoch die Rechnung am Ende sein wird. „Das Thema sollte frühzeitig geklärt und gemeinsam besprochen werden“, empfiehlt deshalb Oliver Finsterwalder, Steuerberater und Niederlassungsleiter der Kanzlei Rödl & Partner in Stuttgart. So sind auch Böttcher und sein Mandant Dörsam vorgegangen. „Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Mandanten immer wissen, wie hoch unsere Rechnung ausfällt“, sagt Böttcher. Er vereinbart zum Beispiel vergleichsweise häufig gleich zu Jahresanfang eine Pauschale, mit der alles abgegolten ist. Diese überweisen seine Mandanten dann in monatlichen Raten. Das ist kein Einzelfall: „Beim Honorar können Unternehmer verhandeln“, weiß auch Finsterwalder. Abrechnung nach Pauschalen oder nach Stundensätzen, beides ist möglich und individuell zu vereinbaren. Die Stundensätze fallen höchst unterschiedlich aus. Im Schnitt liegen sie bei 185 Euro plus Umsatzsteuer, in der Spitze bei über 300 Euro. „In jedem Fall sollte in einem schriftlichen Vertrag eine Regelung getroffen werden“, rät Finsterwalder. Ebenso unabdingbar: „Genau festzuhalten, wie der Auftrag an den Berater lautet“, erklärt Böttcher. Wer über rein steuerliche Belange wie die Erstellung des Jahresabschlusses hinaus Anregungen zur Betriebsführung erwartet, sollte dies frühzeitig im Gespräch mit dem Experten klären. Auch Dörsam hat seine Vorstellungen mit dem Berater direkt formuliert. Die Rahmenbedingungen waren damit von vornherein vertraglich geklärt.

Schlagworte zum Thema:  Steuerberater, Finanzamt

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