02.05.2012 | Top-Thema Steuerberater: Das sollten Unternehmer wissen

Die Rolle des Steuerberaters in der Betriebsprüfung

Kapitel
Bild: MEV-Verlag, Germany

Der Ton macht die Musik – auch dann, wenn der Betriebsprüfer kommt. Überzieht der Steuerberater, ist der Unternehmer der Leidtragende. Hier finden Sie einige praktische Tipps im Umgang mit dem Prüfer des Finanzamts.

„Man begegnet sich immer zweimal im Leben. Daran hätte ich denken müssen, bevor ich meinen zugegebenermaßen selbstherrlichen Steuerberater auf den Betriebsprüfer losgelassen habe“, lautet das Resümee eines nachdenklichen Geschäftsführers. Was er damit sagen will: Viele Steuerberater sind gegenüber dem Prüfer des Finanzamts extrem aggressiv, streitlustig oder sogar überheblich, um die Steuernachzahlungen so gering wie möglich zu halten. Doch oft trifft das Gegenteil ein. Daher sollten der Unternehmer und sein Steuerberater vor allem folgende Fehler vermeiden:

  1. Einspruch gegen die Prüfungsanordnung. Legt ein Steuerberater wegen Kleinigkeiten Einspruch gegen die Prüfungsanordnung des Finanzamts ein, ist das ein Kardinalfehler. Denn das vergiftet schon im Vorfeld die Stimmung und dürfte zu einer kleinlicheren und strengeren Prüfung führen. ProFirma rät: Der Steuerberater sollte bei Unstimmigkeiten besser das offene Gespräch mit dem Prüfer oder dessen Vorgesetztem suchen. Das ist für beide Seiten unbürokratisch, und es dürfte ohne größere Misstöne ein Kompromiss gefunden werden.
  2. Viele Steuerberater setzen während der Betriebsprüfung auf die Einschüchterungstaktik. Sie stellen dem Prüfer konstruierte Fragen zu steuerlich komplizierten Sachverhalten, die er aus dem Stand meist nicht beantworten kann, und lassen ihn dann deutlich spüren, dass man ihn für inkompetent hält. Außerdem streut der Steuerberater nicht selten ein, dass Beamte aufgrund ihres geringen Salärs zum Sozialneid neigen und deshalb besonders kleinlich prüfen. ProFirma rät: Die Taktik ist grundsätzlich nicht schlecht. Doch der Berater sollte den Bogen nicht überspannen. Denn sonst könnte genau der umgekehrte Effekt eintreten. Statt die Prüfung so schnell wie möglich zu beenden, um den ständigen Spitzen des Beraters zu entgehen, könnte der Beamte auf stur schalten und noch intensiver nach Fehlern suchen.
  3. Belegvorlage verzögern. Ein Steuerberater will seinem Mandanten häufig zeigen, dass nicht der Prüfer der Herr des Verfahrens ist, sondern er selbst. Er beantwortet Fragen des Finanzamts nicht zeitnah und legt geforderte Unterlagen nur schleppend vor. Doch diese Zermürbungstaktik kann auch nach hinten losgehen. Denn so mancher Prüfer nutzt die Wartezeit und schaut sich Sachverhalte an, für die er sonst gar keine Zeit gehabt hätte. Mögliche Folge: Höhere Steuernachzahlungen. ProFirma rät: Werden dem Prüfer die Unterlagen zeitnah ausgehändigt, ist er meist schneller fertig und gibt sich mit geringeren Steuernachzahlungen zufrieden. Spielen die Firma und deren Steuerberater mit, wird sich der Prüfer bei kleineren Vergehen meist großzügiger zeigen und nicht für alle Fehler Nachzahlungen festsetzen.
  4. Beim „Prüferfutter“ nicht übertreiben. Viele Steuerberater empfehlen ihren Mandanten, absichtlich Fehler einzubauen, auf die der Prüfer auf jeden Fall stoßen wird. Damit soll erreicht werden, dass der Prüfer schneller zufrieden ist und somit auch schneller seine Prüfung stoppt. ProFirma rät: Der Steuerberater sollte es nicht übertreiben. Stößt er den Prüfer mehrmals offensichtlich auf solche Fehler, wird der Prüfer eher misstrauisch und dürfte sich die relevanten Sachverhalte noch genauer anschauen als ursprünglich geplant.
  5. Schon heute an morgen denken. Setzt der Steuerberater auf volle Konfrontation, kann das fatale Auswirkungen haben. Denn größere Unternehmen werden alle Jahre geprüft. Die Betriebsprüfung wird meist vier Prüfungsjahre umfassen, und jeder Prüfer darf dreimal in einem solchen Vierjahreszeitraum Unternehmen prüfen. Verscherzt es sich der Steuerberater also mit dem Prüfer, dürfte die späte Rache in der nächsten Prüfung wahrscheinlich sein. ProFirma rät: Der Steuerberater sollte den Prüfer des Finanzamts mit Respekt behandeln und nur bei den Sachverhalten sein Veto einlegen, bei denen es Verhandlungsspielraum gibt.

Schlagworte zum Thema:  Steuerberater, Finanzamt, Betriebsprüfung

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