02.05.2012 | Top-Thema Steuerberater: Das sollten Unternehmer wissen

Das Leistungsspektrum des Steuerberaters

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Bei der Wahl des passenden Steuerberaters spielt auch die Frage eine entscheidende Rolle, welche Aufgaben der Experte erledigen soll. In der Umfrage des Marktforschungsinstituts IRES geben 43 Prozent der Steuerberater an, die klassischen Leistungen abzudecken.

Konkret sind die Firmenchefs in Sachen Lohn-und Gehaltsabrechnung, Finanzbuchhaltung, Jahresabschluss und dem Erstellen der Steuererklärung mit dem Engagement ihres Experten sehr zufrieden, während sie die betriebswirtschaftliche Beratung deutlich schlechter bewerten.

Das liegt möglicherweise daran, dass dazu spezielle Kenntnisse erforderlich sind. Liegen die nicht vor, sollte der Steuerberater bei einem umfassenden Mandat eigentlich von sich aus einen kundigen Kollegen einschalten. Das gilt genauso für rechtliche Belange: „Wir werden von Beraterkollegen oft um Unterstützung gebeten“, erklärt Finsterwalder, Steuerberater und Niederlassungsleiter der Kanzlei Rödl & Partner in Stuttgart. So erscheint es auch ratsam, eine Nachfolgeregelung nur mit einem speziell dafür ausgebildeten Steuerberater und am besten noch gemeinsam mit einem kundigen Juristen abzuwickeln. Dr. Bernhard König, Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Gesellschaftsrecht der Kanzlei Brandi in Detmold, bringt das Problem auf den Punkt: „Eine vernünftige Beratung bei einem zweiten Experten ist immer eine bessere Investition, als hinterher den Schaden beseitigen zu müssen.“ Hans-Christoph Seewald, Präsident des Deutschen Steuerberaterverbands in Berlin, gibt den generellen Tipp: „Der Unternehmer sollte sich bei der Auswahl des richtigen Steuerberaters an seinem individuellen Beratungsbedarforientieren. Für kleine und mittlere Unternehmen sind häufig mittelständische Kanzleien der richtige Ansprechpartner.“ Sie haben die entsprechende Erfahrung, bringen mitunter Branchenkenntnisse durch vergleichbare Mandate mit und kooperieren gegebenenfalls mit Anwälten und Notaren, Sanierern oder Unternehmensberatern.

Die Absicherung im Streitfall

Mindestens genauso wichtig ist für den Unternehmer die Absicherung im Streitfall. Deswegen müssen die Aufgaben des Steuerberaters präzise formuliert sein. Denn er könnte sich bei Streitigkeiten möglicherweise darauf berufen, keinen Auftrag in der Sache erhalten zu haben und damit zur Information nicht verpflichtet zu sein. Prinzipiell hat der Steuerberater für Fehler und unterlassene Hinweise einzustehen. Information ist keine Holschuld des Unternehmers. Der Experte muss auf Gestaltungsmöglichkeiten hinweisen und die Chancen zum Steuern-Sparen offenlegen. „Der Steuerberater ist verpflichtet, den sichersten Weg aufzuzeigen, um für seinen Mandanten zum erstrebten Ziel zu gelangen. Und dazu zählt auch, ihn vor Schäden zu bewahren“, kommentiert Hans-Christoph Seewald. Hat er beispielsweise vom Unternehmen ein Buchführungsmandaterhalten, muss er frühzeitig auf Unstimmigkeiten in den Unterlagenhinweisen und dem Unternehmermitteilen, wie eine ordnungsgemäße Buchführung auszusehen hat.

Grundsätzlich ist der Berater für Fehler gesetzlich mit einer Deckungssumme von 250.000 Euro pro Jahr und Mandathaftpflichtversichert. „Unternehmer erkundigen sich am besten trotzdem, in welcher Höhe der Experte eine Police abgeschlossen hat“, rät Ralph Böttcher, Gesellschafter der Dan-Revision-Gruppe in Flensburg. So genügt die viertel Million Euro zwar in der Regel bei Selbstständigen und den meisten mittelständischen Unternehmen. Böttcher selbst ist aber mit vier Millionen Euro geschützt. Das zeigt die Spannbreite. Eine besonders hohe Absicherung erscheint insbesondere für Firmenchefs wichtig, von denen das Finanzamt viel kassieren will, bei denen also der Schaden etwa bei einer unterlassenen Auskunft über Fristen hoch ausfallen kann. „Ein unterversicherter Berater kostet im schlimmsten Fall den Unternehmer die Existenz“, warnt Böttcher.

Schlagworte zum Thema:  Steuerberater, Finanzamt

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