10.04.2014 | Top-Thema So bekommen Sie Ihre Gemeinkosten in den Griff

4. Mit Lieferanten gemeinsam Werte schaffen

Kapitel
Ein neuer Lieferant für Buntstifte lässt sich schnell finden. Bei der Logistik kann das ganz anders aussehen.
Bild: Haufe Online Redaktion

„Preisreduzierung gelungen – Lieferant tot“, bringt Professor Horst Wildemann, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der TU München und Geschäftsführer der TCW Unternehmensberatung, das Problem vieler Unternehmen auf den Punkt.

Zulieferer würden Preisdiktaten unterworfen, unter denen sie keine Qualitätsarbeit mehr leisten könnten oder in eine finanzielle Schieflage gerieten. Wildemann rät zu einer partnerschaftlichen Strategie, bei der gemeinsam mit dem Lieferanten nach Potenzialen gesucht wird, um die Kostensituation auf beiden Seiten zu verbessern. Dabei gelte es nicht nur, die Betriebsabläufe und Kostenstrukturen beim Lieferanten unter die Lupe zu nehmen, sondern auch im eigenen Unternehmen.

Gewachsene Prozesse überprüfen

Oft sind die Auftraggeber aufgrund gewachsener und selten überprüfter Prozesse selbst Verursacher unnötiger Kosten. Mangelhafte Verpackungskonzepte für Versandware zum Beispiel erhöhen den Logistikaufwand eines Unternehmens, weil Frachtraum nicht optimal ausgenutzt werden kann und mehr Touren als nötig anfallen. Beispiel: Rund 2,4 Millionen Euro zahlte zum Beispiel ein Nahrungsmittelhersteller pro Jahr an seine Vertriebsspedition. Verbesserungen in der Datenübermittlung beim Auftraggeber führen zu effizienteren Abläufen bei der Spedition, die diese wiederum mit Preisnachlässen in den einzelnen Tarifbereichen zwischen 2,5 und 4,5 Prozent honoriert. Zudem wird die Jahresversandmenge an eine Bonusstaffel gekoppelt.

"Erfolgsbeteiligung" für Lieferanten

In komplexen Beschaffungsfeldern eignen sich crossfunktionale Teams aus Abnehmer- und Lieferantenunternehmern, um Ansatzpunkte zur Realisierung von Kosteneinsparungen erarbeiten. Zur Manifestierung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit besteht laut Wildemann auch die Möglichkeit, eine Vereinbarung zur Erfolgsbeteiligung abzuschließen, die dem Lieferanten einen festen Prozentanteil von dem realisierten Einsparpotenzial einräumt.

Kooperation mit System - wie lässt sich die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten verbessern?

 

Die Situation kritisch hinterfragen:

  • Ist zu vermuten, dass die Kosten für Nicht-Produktionsmaterial und Dienstleistungen zu hoch sind?
  • Sind branchenbezogene Benchmarks zu Qualität und Kosten bekannt?
  • Wie ist hoch ist die Fehlerhäufigkeit der beschafften Dienstleistungen und Materialien?
  • Sind die Koordinierung und die Abstimmungsprozesse mit den Lieferanten sehr aufwendig beziehungsweise zw. langwierig?

 

Mit dem Lieferanten im Gespräch bleiben:

  • Sind für die Anforderungen des Auftrags auch andere Materialien denkbar?
  • Wie können die laufenden Prozesse verbessert werden?
  • Gibt es alternative Standards, die den gleichen Zweck erfüllen?
  • Gibt es Innovationen beziehungsweise bahnen sich solche an?
  • Welche Vorteile können Veränderungen für beide Seiten haben?

 

Win-Effekte für den Partner schaffen:

  • Weiterempfehlung
  • Weitere Aufträge
  • Übernahme von Entwicklungsaufwendungen
  • Prämien

Schlagworte zum Thema:  Kostensteuerung, Kostensenkung, Kostenanalyse, Kostenrechnung

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