18.09.2012 | Schwarzgeld

Schweizer Banken rechnen mit Aderlass

Viele Steuerflüchtlinge packen in der Schweiz wieder ihre Geldkoffer.
Bild: Haufe Online Redaktion

Reiche Europäer ziehen massiv ihr Geld aus der Schweiz ab. Wegen des Drucks auf Steuerflüchtlinge und der geplanten Abgeltungsteuer „gehen wir davon aus, dass insgesamt Hunderte Milliarden Franken aus der Schweiz abfließen werden», sagte UBS-Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner.

Allein bei der UBS werden bis zu 25 Milliarden Euro abfließen, erklärte er in einem am Montag veröffentlichten Interview des Magazins „Schweizer Bank“, über das die Schweizer Agentur sda berichtet. Mitte 2012 verwaltete die größte Schweizer Bank 640 Milliarden Euro für reiche Kunden. Bei der Credit Suisse wurden den Informationen zufolge seit dem Jahr 2009 rund 26 Milliarden Euro abgezogen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte unterdessen, sie habe die Hoffnung auf eine Umsetzung des umstrittenen Steuerabkommens mit der Schweiz trotz Blockade durch die SPD nicht aufgegeben. „Ich glaube, dass es ein richtiges und gutes Steuerabkommen ist“, sagte Merkel am Montag in Berlin. Sie wolle alles tun, um die Sozialdemokraten zu überzeugen. Sonst würde eine wirkliche Chance verpasst.

Im Schutz des Bankgeheimnisses hat sich die Schweiz zum weltweit wichtigsten Hort von ausländischem Geld entwickelt. Die USA und Deutschland üben Druck aus, reichen Steuerflüchtlingen bei Nachforschungen der Finanzämter keinen Schutz mehr zu gewähren.

Einer Studie der Unternehmensberater von ZEB zufolge verwalten Schweizer Banken rund 2,3 Billionen Euro von ausländischen Kunden. Davon stammen 345 Milliarden Euro laut ZEB-Schätzung aus Deutschland, Italien und Großbritannien. Insgesamt dürften den Experten zufolge fast 660 Milliarden Euro auf nicht versteuerte Gelder aus Westeuropa entfallen. Bis 2016 werden laut Prognose allein Kunden aus Deutschland, Italien und Großbritannien mehr als 100 Milliarden Euro abziehen.

Schlagworte zum Thema:  Schwarzgeld, Abgeltungsteuer, Offshore-Steuerabkommen

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