20.04.2011 | Steuern & Finanzen

Rückstellungen: Fette Beute für den Prüfer

Stößt der Betriebsprüfer des Finanzamts auf Rückstellungen in der Bilanz, wittert er fette Beute. Denn kaum ein Bilanzposten bietet mehr Angriffsfläche und Streitpotenzial. Was bei Rückstellungen geht und was nicht, lesen Sie hier.

Gewerbesteuer: Obwohl die Gewerbesteuer seit dem Jahr 2008 nicht mehr als Betriebsausgabe abziehbar ist, können Unternehmer in der Bilanz eine Rückstellung bilden (OFD Hannover, Verfügung v. 23. November 2009). Diese Gewinnminderung ist in einem zweiten Schritt über eine außerbilanzmäßige Zurechnung wieder zu neutralisieren. Vorteil: Aufgrund der Rückstellung mindert sich der Wert des Betriebsvermögens. Das rettet womöglich die Sonderabschreibung oder den Investitionsabzugsbetrag, wenn die Höchstgrenze von 335.000 Euro (2011: 235.000 Euro) unterschritten wird.

Gutscheine: Hat ein Unternehmer im Weihnachtsgeschäft Gutscheine verschenkt, die im Jahr 2011 nach und nach eingelöst werden, könnte er auf die Idee kommen, eine Rückstellung zu bilden. Schließlich werden einige Kunden diesen Gutschein einlösen. Doch das Finanzgericht Niedersachsen urteilt, dass bei kostenlos ausgegebenen Gutscheinen weder Rückstellungen noch Verbindlichkeiten erlaubt sind (Az. 9 K 547/05).

Kosten der Betriebsprüfung: Das Finanzgericht Baden-Württemberg erlaubt die Bildung einer Rückstellung für eine bevorstehende Betriebsprüfung, auch wenn noch keine Prüfungsanordnung vom Finanzamt vorliegt (Az. 3 K 2555/09). Von diesem Richterspruch profitieren Unternehmen, die das Finanzamt als Großbetrieb einstuft. Denn bei diesen Firmen findet eine lückenlose Prüfung aller Jahre statt. Für die Rückstellung dürfen die Kosten der Büroanmietung für den Prüfer, Steuerberaterhonorare oder Büromaterial berücksichtigt werden, aber selbstverständlich nicht die möglichen Steuernachzahlungen.

Steuernachzahlungen: Steuernachzahlungen wegen einer Betriebsprüfung sind erst im Jahr der Verursachung in der Bilanz zu passivieren. Beispiel: Führt eine Betriebsprüfung für die Jahre 2005 bis 2008 zu einer Umsatzsteuernachzahlung für 2007, kann in diesem Jahr eine entsprechende Rückstellung gebildet werden. Bei einer Fahndungsprüfung ticken die Uhren anders. Hier darf erstmals im Jahr der Beanstandung eine Rückstellung gebildet werden. Beispiel: Findet eine Fahndungsprüfung für die Jahre 2005 bis 2008 im Jahr 2010 statt, kann für eine festgesetzte Umsatzsteuernachzahlung für 2005 erstmals 2010 eine Rückstellung gebildet werden. (OFD Koblenz, Az. S-2137 A – St 314).

Digitaler Datenzugriff:Erstmals seit dem Jahr 2009 dürfen Rückstellungen für die Vorhaltung der EDV-Buchhaltung gebildet werden (OFD Münster, Kurz-Info 6/2010 v. 15.4.2010).

Grundstück: Bei schadstoffbelasteten Grundstücken ist eine Rückstellung für die Beseitigung der Schäden erst möglich, wenn eine Behörde mit einem Verwaltungsakt die Beseitigung der Verunreinigung angeordnet hat (BMF, Az. IV C 6 – S 2137/07/10004).

Vorteile: Die Rückstellung ist um spätere Vorteile zu kürzen. Müssen Sie ein ausgebeutetes Grundstück später wieder rekultivieren, müssen Sie die Einnahmen aus Kippgebühren abziehen.

Aufbewahrung: Für die sechs- bis zehnjährige Aufbewahrungspflicht bei Steuerunterlagen ist eine Rückstellung zulässig. Die jährlichen Kosten dürfen mit 5,5 multipliziert werden. Vom errechneten Betrag sind 20 Prozent abzuziehen.

Garantie: Haben Unternehmen Garantierisiken, darf für die entsprechenden Umsätze eine Rückstellung von einem Prozent des Betrags gebildet werden. Bei mehr als einem Prozent muss dem Finanzamt anhand von Erfahrungswerten aus der Vergangenheit die Inanspruchnahme der Garantien plausibel nachgewiesen werden.

BilMoG: Die Änderungen durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz haben keine Auswirkungen auf die Steuerbilanz. Sie betreffen nur die Darstellung der Handelsbilanz.

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