17.12.2015 | Top-Thema Risikomanagement: Schutz vor Stillstand und Chaos

Teil 4: Risikomanagement als Ratingfaktor

Kapitel
Eine stabile Lieferkette bedeutet gute Ratingnoten.
Bild: Gerd Altmann ⁄

Früher waren in erster Linie die Finanzrisiken Gegenstand eines Ratings. Heute wird Wert auf die ganzheitliche Risikokultur eines Unternehmens, das so genannte „Enterprise Risk Management“ (ERM) gelegt.

„Nur fünfzehn Prozent der Unternehmen sind auf Notfälle wirklich vorbereitet“, kritisiert Matthias Rosenberg, Leiter des Business-Continuity-Institute (BCI) in Hamburg, das sich mit der Identifizierung von Geschäftsrisiken sowie mit Präventiv- und Notfallmaßnahmen beschäftigt. Es gebe keine Konzepte, geschweige denn Handlungsanweisungen für die Mitarbeiter. Dem Experten zufolge hat Risikomanagement hierzulande eine zutiefst menschliche Attitüde: Wenn einmal etwas passiert, steigt das Interesse kurzfristig an, erlischt dann aber wieder sehr schnell.

Ganzheitliche Risikokultur notwendig

Auf ihre unzureichende Bereitschaft zur Vorsorge angesprochenen Unternehmen höre man Ausreden wie „Bei uns kann das nicht vorkommen“, „Wir können mit so etwas klarkommen - das ist uns bisher immer gelungen“, „Bei unserer Unternehmensgröße kann nicht viel passieren“. Die meisten glauben, es stehe nicht die notwendige Zeit zur Verfügung, sich auf etwas vorzubereiten, das ohnehin nie passieren werde. Allerdings bestrafen Analysten inzwischen "leichtsinnige" Unternehmen mit schlechten Noten. Traditionell waren in erster Linie die Finanzrisiken Gegenstand eines Ratings. Heute wird Wert auf die ganzheitliche Risikokultur eines Unternehmens, das so genannte „Enterprise Risk Management“ (ERM), das auch so genannte „Extremereignisse“ beinhaltet.

Stabile Lieferkette, gute Noten

Zum Thema Lieferkette heißt es zum Beispiel von der Ratingagentur Fitch: „Je besser das Risikomanagement und je stabiler und zugleich flexibler eine Lieferkette ist, umso widerstandsfähiger ist ein Unternehmen bei unvorhergesehenen Ereignissen und Marktschwankungen. Als Teil der Wertschöpfungskette ist ein gutes Beschaffungsmanagement eine wichtige Voraussetzung für ein solides Rating, Lieferkette und Beschaffungsmanagement werden implizit in der Ratingmethodik für Unternehmen berücksichtigt.“

Auch gesetzliche Vorgaben

Auch die GBB-Rating Gesellschaft für Bonitätsbeurteilung mbH, Köln, zu deren Portfolio sowohl zahlreiche mittelständische Unternehmen als auch die meisten die meisten deutschen Kreditinstitute gehören, bewertet längst nicht mehr nur bilanzielle und finanziellen Risiken. „Wir bewerten auch die Risikovorsoge, die ein Unternehmen gegen den Ausfall etwa eines Kraftwerks oder eines Lieferanten betreibt. Ohne Strom kann man schließlich nicht produzieren“, so Geschäftsführer Dr. Dirk Thiel. Risikovorsorge ist zudem keine freiwillige Maßnahme. Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) verpflichtet Unternehmen zu umfassenden Vorsorgemaßnahmen. Laut KPMG gehören zum Beispiel auch Katastrophen oder Epidemien zu den relevanten Risiken.

Schlagworte zum Thema:  Risikomanagement

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