17.12.2015 | Top-Thema Risikomanagement: Schutz vor Stillstand und Chaos

Teil 3: Risiko Lieferkette

Kapitel
Oft ist die Logistik ein Schwachpunkt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Um sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, reduzieren Unternehmen ihre Wertschöpfungstiefe – und werden damit anfälliger für Störungen. Gefragt ist aktives Risikomanagement in der Beschaffung.

Rund 75 bis 85 Prozent der Produkte und Dienstleistungen werden von anderen Unternehmen bezogen. Allerdings werden die Lieferketten immer komplexer – und damit anfälliger für Störungen. Gefragt ist aktives Risikomanagement in der Beschaffung. Natürlich beobachten Unternehmen ihre Lieferanten. Im Fokus stehen allerdings traditionell die unmittelbaren Zulieferer. Die Sub-Lieferanten oder wiederum deren Lieferanten finden weniger Aufmerksamkeit. Dabei kann der Ausfall auch nur eines Teilnehmers an der Lieferkette die Produktionen zum Erliegen bringen.

Zugang zu Fremdkapital wird teurer

Das Risikoumfeld hat sich in den letzten Jahren erweitert. Zu den klassischen Risiken wie Qualitätsrisiko kommen mehr heute Risiken im wirtschaftlichen Bereich. Dazu gehören Währungsschwankungen; zwar nicht im EU-Raum, aus dem die Industrie rund zwei Drittel ihrer Zulieferteile bezieht. Hier sind es vor allem die Eigenkapitalrichtlinien der Bankenregulierung, die Probleme bereiten. Der Zugang zu Fremdkapital wird teurer und damit zwangsläufig auch die Produktion und die Logistik. Zudem steigt die Insolvenzwahrscheinlichkeit von Lieferanten. Ein weiterer Risikofaktor ist die Auslagerung von Produktionen in Billiglohnländer mit zum Teil instabilen Verhältnissen.

Standardisierte IT-Tools

Deshalb gilt es zur Früherkennung von Problemen die gesamte Geschäftsbeziehung fortwährend zu „scannen“ und Veränderungen, etwa in der Termintreue oder im kaufmännischen Verhalten, nach Risikoausprägungen zu untersuchen. Dafür gibt es standardisierte IT-Tools. In Verbindung mit dem Grad der Abhängigkeit vom Lieferanten lassen sich Handlungsalternativen ableiten. Es ist unter Umständen besser, einen strategisch wichtigen Lieferpartner bei der Lösung seiner Probleme zu helfen, statt sich mit hohem Aufwand einen neuen zu suchen.

Gesamte Lieferkette scannen

Experten plädieren für das so genannte "Single Sourcing", bei dem man sich auf einen Partner konzentriert. Andere warnen vor der dadurch entstehenden Abhängigkeit – nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Ein IT-Ausfall kann das Unternehmen abrupter treffen als eine Insolvenz, die sich für Insider zumindest über einige Tage oder Wochen abzeichnet. Umso wichtiger ist es, die Bedeutung eines jedes Gliedes der Lieferkette und mögliche Gefahren genau zu analysieren.

Zentrales Supply-Management nötig

Voraussetzung ist, dass die Einkaufsorganisation entsprechend gut organisiert ist. Oft sind zugleich mehrere Abteilungen unkoordiniert mit der Beschaffung befasst. Ein zentrales ‚Supply-Management‘ kann dagegen nicht nur die Risiken besser steuern, sondern auch die Kosten-Vorteile einer Einkaufsbündelung nutzen. Lieferkettenstörungen lassen sich nur begrenzt und mit Koppelung an Sachschäden oder nur mit sehr hohen Prämien, substanziellen Ausschlüssen und niedrigen Deckungslimits versichern. Auf dem Spiel steht ohnehin deutlich mehr als der direkte finanzielle Schaden. Es können dauerhaften Reputationsschäden entstehen. Und diese sind nicht gar nicht versicherbar.

Schlagworte zum Thema:  Risikomanagement

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