17.12.2015 | Top-Thema Risikomanagement: Schutz vor Stillstand und Chaos

Teil 2: Nicht alles kommt aus heiterem Himmel

Kapitel
Neben unwägbaren Wetterextremen gibt es auch erwartbare Risiken.
Bild: Haufe Online Redaktion

Es gibt "klassische" Risiken und solche, die aus zunehmender Vernetzung und Komplexität erwachsen. Sie sind absehbar und können in einigen Fällen sogar beziffert werden.

Tornados kannte man früher nur aus den Auslandsnachrichten. Inzwischen gehören sie auch Deutschland zu den "landläufigen" Wetterereignissen. Die Risiken durch Naturkatastrophen nehmen drastisch zu. Laut Münchener Rück haben sich zum Beispiel in den letzten zehn Jahren etwa dreimal so viele wetterbedingte Extreme ereignet wie in den 60er-Jahren. Die volkswirtschaftlichen Schäden verdreifachten sich um den Faktor 5,3, die versicherten sogar um den Faktor 9,6. Bis zum Jahr 2085 werden die Schäden durch Winterstürme auf dem europäischen Kontinent um nahezu zwei Drittel höher liegen als 1975, errechneten Forscher der Technischen Hochschule Zürich und Experten der Swiss Re anhand von Verlaufssimulationen.

Unwägbare Wetterereignisse

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Tage, an denen während des Sommerhalbjahres mit Hagelunwettern gerechnet werden muss, in den letzten 30 Jahren um das 16-fache gestiegen. Diese vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe veröffentlichte Zahl hat weit mehr als nur statistische Bedeutung. Versicherungsunternehmen identifizieren inzwischen "lokale Hagelregionen", in denen Autohäuser nur unter der Auflage, feste Überdachungen einzurichten, eine Deckungszusage erhalten. Schadenshistorien haben eines gemeinsam. Das tatsächliche Ausmaß übersteigt die Elementarschäden an Gebäuden und Sachen bei weitem. Bei einem Ausfall der EDV können sich in Handels- und Distributionsunternehmen die Ausfallkosten schnell auf über fünf Millionen Euro stündlich belaufen, haben Risikoexperten hochgerechnet. Aber selbst eine – teure - Betriebsunterbrechungsversicherung kann nicht verhindern, dass Kunden wegbleiben und – je nach Branche und Dauer des Betriebsstilltands – eine Firma den Anschluss verliert.

Risikofaktor "Vernetzung"

Neben den "klassischen" Bedrohungen wird eine der Errungenschaften der arbeitsteiligen Wirtschaft zusehends zum Risikofaktor: die Vernetzung. Zum Beispiel verlagern immer mehr Unternehmen einen Teil der Entwicklung auf ihre Lieferanten aus. Daraus resultiert eine ganze Reihe an Unwägbarkeiten, von der Geheimhaltung über die Qualifikation der Mitarbeiter in Entwicklungsabteilung bis hin zu dessen Besitzverhältnissen. Die plötzliche Mehrheitsbeteiligung eines Wettbewerbers kann enorme Risiken für die Geheimhaltung von Marktstrategien oder Plänen bedeuten. Dies sollte man im Auge behalten.

Mögliche Extremereignisse:

  • Feuer, Explosionen
  • Sturm, Hochwasser, Flut, Erdrutsch
  • Technische Störfälle
  • Verkehrsunglücke (Luft, Schiene, Straße, Wasser)
  • Eis, Schneeverwehungen
  • Smog
  • Erdbeben
  • Epidemien und Seuchen
  • Terroranschläge

 

Folgen: u.a. Unterbrechung der Lieferkette, Unterbrechung von Betrieb und Logistik, Personalausfälle.

 

 

Mögliche Komplexitätsrisiken:

  • Planungs- und Konstruktionsfehler
  • Loyalitätsprobleme
  • Finanzierungssituation des Partners
  • Know-how-Diebstahl

 

Folgen: u.a. Beschädigung der Ressourcen, Gefährdung der Geschäftsgrundlage, Wettbewerbsnachteile.

 

Schlagworte zum Thema:  Risikomanagement

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