17.12.2015 | Top-Thema Risikomanagement: Schutz vor Stillstand und Chaos

Teil 1: Die Gefahren lauern vor der eigenen Tür

Kapitel
Der Brandschaden ist versichert, die Betriebsunterbrechung oft allerdings nicht.
Bild: Haufe Online Redaktion

Globale Krisen wie die Finanzkrise oder politische Unruhen werden mit großer Sorge verfolgt. Die meisten Gefahren lauern jedoch unmittelbar vor der eigenen Haustür.

Im Jahr 2011 war es der Tsunami in Japan, in dessen Folge die Hersteller elektronischer Bauteile ausfielen. Es kam weltweit zu Produktionsausfällen in der Computer- und Automobilindustrie. Globale Krisen finden regelmäßig eine hohe Aufmerksamkeit. Die meisten Gefahren lauern jedoch unmittelbar vor der Haustür. Oder – wie in saarländischen St. Ingbert – sogar auf dem eigenen Dach.

Kleine Ursache, große Wirkung

Geschehen bei einer Verwertungsgesellschaft für Elektronikbauteile: Tauben verrichteten dort ihr Lieblingsgeschäft – unmittelbar über einer Batterieanlage. Der herab fallende Kot verursachte einen Kurzschluss. Dadurch entstand zunächst ein Schwelbrand, aus dem sich ein Großfeuer entwickelte. Eine Demontage- und eine Lagerhalle wurden zerstört. Zwar bezahlte die Versicherung den Brandschaden. Auf dem Umsatzverlust von rund 400.00 Euro durch die viermonatige Betriebsunterbrechung blieb das Unternehmen allerdings sitzen. Dumm gelaufen? Sehr häufig sind es solche Verkettungen unglücklicher Umstände, die große Schäden anrichten und Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten stürzen. Womöglich muss der Betrieb vorübergehend still gelegt werden. Bis Anlagen, Maschinen und Geräte wieder einsatzbereit sind, vergeht unter Umständen viel Zeit. Vereinbarte Termine oder Lieferzeiten können nicht eingehalten werden; es drohen Konventionalstrafen. Selbst langjährige Auftraggeber wechseln zur Konkurrenz. Wenn der Rechner zerstört wurde, sind Kunden-, Lieferanten und Kalkulationsdaten womöglich unwiederbringlich verloren.

Die Betriebsunterbrechungsversicherung

Viele verlassen sich allein auf ihren Versicherungsschutz. Eine Police gegen Feuer-, Sturm- und Wasserschäden deckt aber nicht die laufenden Gehälter und Mieten. Auch auf den Kosten für die Anmietung von Ersatzmaschinen bleibt das Unternehmen sitzen – vom entgangenen Umsatz ganz zu schweigen. Solche Risiken übernimmt nur eine Betriebsunterbrechungsversicherung. Diese tritt allerdings nur ein, wenn auch das Ursprungsrisiko – etwa Hochwasser – versichert war. Keine Police gibt es dagegen für Langzeitfolgen wie die Verschlechterung des Geschäfts. Längst Routine ist für viele Firmenchefs die "übliche" Grippesaison‘ von Oktober bis Mai. Wer jedoch das Szenario einmal genau durchkalkuliert, stellt schnell fest: Die Krankschreibungen sind nicht nur lästig; sie verursachen auch einen immensen wirtschaftlichen Schaden. Etwa 200 bis 400 Euro kostet der Ausfall eines Mitarbeiters pro Tag.

Risiko "lange Werkbank"

Gefahren drohen nicht nur durch Elementarereignisse oder Viren. Die Wirtschaft ist inzwischen eng vernetzt, zum Beispiel durch die "lange Werkbank" Lieferkette. Ein Ausfall an nur einer Stelle der Vorstufe kann den Nachschub und damit die eigene Produktion zum Erliegen bringen. Unternehmen müssen solchen Risiken systematisch begegnen, fordern Experten.

Schlagworte zum Thema:  Risikomanagement

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