| Prognose der Inkasso-Unternehmen

Trotz guter Wirtschaftslage mehr Insolvenzen

Bild: Haufe Online Redaktion

Trotz guter Wirtschaftslage in Deutschland wächst wieder die Zahl der Bürger, die Privatinsolvenz anmelden. In diesem Jahr werden es voraussichtlich 105.000 sein, erwartet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU).

Der bisherige Höchststand war 2010 mit 108.798 Fällen erreicht worden, 2011 waren es 103.289. Jeder zehnte Erwachsene sei überschuldet, könne also von seinem Einkommen nicht dauerhaft Lebenshaltungskosten und Schuldentilgung bezahlen. Das Verbraucherinsolvenzverfahren ermöglicht, die Restschuld innerhalb von sechs Jahren loszuwerden. 

Bei den Unternehmen rechnet der Verband für 2012 mit 32.000 Insolvenzen nach 30.100 Pleiten im Jahr zuvor. Das Forderungsvolumen der Inkasso-Unternehmen belaufe sich zurzeit auf mehr als 50 Milliarden Euro, sagte BDIU-Präsident Wolfgang Spitz in Berlin. Die Zahlungsmoral von Privatleuten und Unternehmen sei noch immer gut, aber etwas schlechter als im vergangenen Herbst. Bei einer Umfrage unter den 560 Inkassofirmen berichteten 22 Prozent von einem insgesamt schlechteren Zahlungsverhalten, 12 Prozent sehen eine Verbesserung und 66 Prozent keine Änderung.

Schlechte Zahlungsmoral bei jungen Verbrauchern 

Auffällig sei eine schlechtere Zahlungsmoral bei jungen Verbrauchern (bis 24 Jahre) im Vergleich zu den älteren, sagte BDIU-Vizepräsidentin Marion Kremer. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der befragten BDIU-Mitgliedsunternehmen stellten dies fest. Als häufigste Gründe wurden schlechte Vorbilder im Elternhaus, zu hohe Konsumausgaben und mangelnde Eigenverantwortung genannt. Junge Kunden verschulden sich nach Erkenntnis der Inkassofirmen vor allem bei Online-Händlern und Telekommunikationsanbietern. Ältere Verbraucher stehen zumeist bei Banken und Versandhändlern in der Kreide.

Spitz kritisierte das geplante Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken, das auch die Arbeit von Inkasso-Unternehmen regeln soll. Der vorliegende Entwurf verfehle dieses Ziel. So seien etwa die geplanten höheren Bußgelder oder eine staatliche Gebührenordnung nicht geeignet, schwarzen Schafen das Handwerk zu legen, die unberechtigte Forderungen eintrieben. Der Präsident schlug stattdessen vor, eine behördliche Inkassoaufsicht mit wirksamen Instrumenten einzurichten. Spitz warnte, ohne eine funktionierende Inkassobranche werde auf die Gerichte eine Flut von Mahnverfahren zurollen.

 

Schlagworte zum Thema:  Inkasso, Inkassodienstleistung, Inkassobüro, Inkassounternehmen, Controlling, Finanzierung

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