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Privatanleger fliehen in der Krise aus Fonds

Verunsicherte Privatanleger haben im vergangenen Jahr Milliarden aus Fonds abgezogen. Aus Publikumsfonds - unter anderem Renten- und Aktienfonds - flossen unter dem Strich 16,6 Milliarden Euro ab, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI in Frankfurt mitteilte.

Mit einer schnellen Trendwende rechnet die Branche nicht: «Der Januar war insgesamt wieder negativ», sagte BVI-Präsident Thomas Neiße. "Die Verkäufe der Privatanleger sind der Suche nach Sicherheit geschuldet", erklärte Neiße. "Viele Bürger haben mittlerweile das Vertrauen verloren. Dies gilt sowohl für das Vertrauen in die Stabilität unserer Währung als auch für das Vertrauen in das Finanzsystem. Und das gilt insbesondere für das Vertrauen in die Fähigkeit der europäischen Politik, die Verschuldungskrise zu lösen."

 

Geschlossene Fonds gingen zurück

Mit Absatzproblemen kämpfen auch Anbieter geschlossener Fonds: 4,8 Milliarden Euro investierten Privatanleger 2011 in geschlossene Fonds, wie aus der Jahresstatistik des Branchenverbandes VGF hervorgeht. Gegenüber dem ohnehin schon mageren Vorjahr gingen die Platzierungszahlen um acht Prozent zurück. Zum Vergleich: 2007, bevor sich die weltweite Finanzkrise am Anlagemarkt niederschlug, flossen den Initiatoren geschlossener Fonds noch fast 20 Milliarden Euro zu.

 

Negativschlagzeilen sorgten für Misstrauen

"Dennoch sind die aktuellen Zahlen besser, als die Marktstimmung erwarten ließ", befand Eric Romba, Geschäftsführer des Verbandes Geschlossene Fonds (VGF). Negativschlagzeilen etwa über Medienfonds und Vertriebsskandale einzelner Anbieter sorgen für Misstrauen. Geschlossene Fonds sind in der Regel Unternehmensbeteiligungen mit fester Laufzeit, die oftmals mehr als zehn oder zwanzig Jahre beträgt. Ist ein Zeichnungsschein einmal ausgefüllt, kann der Fonds bis zum Laufzeitende im Normalfall nicht wieder veräußert werden.

 

Finanzprofis investieren weiter

Nach den BVI-Zahlen investierten dagegen institutionelle Investoren - also Finanzprofis wie Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter - mitten in der Euro-Schuldenkrise weitere 45 Milliarden Euro in Spezialfonds. Insgesamt verwaltete die Fondsbranche in Deutschland Ende des Jahres 2011 demnach ein Vermögen von 1,783 (Vorjahr: 1,832) Billionen Euro - direkt und indirekt für etwa 50 Millionen Anleger.

 

Vertrauenskrise in den Kapitalmarkt

BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter betonte, er sehe bei Privatanlegern kein generelles Misstrauen gegenüber Aktienfonds. "Es liegt vielmehr eine Vertrauenskrise in den Kapitalmarkt vor." Publikumsfonds hätten in den vergangenen 20 Jahren ganz erheblich zum Vermögensaufbau beigetragen, bilanzierte Richter: "Dieser Trend ist weiterhin intakt."

Wachstumspotenzial sehen die Kapitalanlagegesellschaften auf dem Feld der privaten Altersvorsorge. Angesichts niedriger Zinsen und wachsender Inflationsgefahren könne beispielsweise mit Bundesanleihen kaum erfolgreich vorgesorgt werden, erklärte der BVI.

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