17.09.2013 | Kreditvergabe

Basel III zwingt Mittelstand zum Umdenken

Mit Basel III wird die Kreditvergabe restriktiver.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Strengere Richtlinien sollen Banken dazu zwingen, bei der Vergabe von Krediten mehr Vorsicht walten zu lassen. Gerade für kleine und mittelständische Firmen wird es wohl schwerer, an langfristige Darlehen zu kommen - vor allem für die, die dringend Geld brauchen.

Die Zinsen sind derzeit so niedrig wie nie, Kredite sind günstig zu bekommen. Doch die Banken trennen sich angesichts strengerer Regeln für die Kreditvergabe inzwischen nicht mehr so leichten Herzens für längere Zeit von großen Summen. Denn ein Ergebnis der jüngsten Krisen sind strengere Regeln für die Institute, bekannt unter dem Namen Basel III. Die treten zwar erst im kommenden Jahr mit Verspätung in Kraft, doch schon jetzt werfen die Regeln ihre Schatten voraus. Ihre Geschäfte müssen die Institute künftig mit mehr Eigenkapital unterlegen und Reserven für Krisenzeiten aufbauen.

Weniger langfristige Kredite 

Je risikoreicher ein Kredit, desto teuerer wird er für den Kunden - im Zweifel verzichten die Banken möglicherweise. Das Risiko können die Banken über sogenannte Ratings bestimmen. "Die Banken schauen ganz klar hin und achten noch viel stärker auf das Rating", sagt Finanzexperte Björn Stübiger von der Beratungsfirma Rödl & Partner. Wer da schlecht abschneidet, könnte in die Röhre schauen. "Die Banken werden zweierlei machen. Sie werden weniger Kredite vergeben an solche Unternehmen und sie werden weniger langfristige Kredite vergeben." Manche Firmen könnte das sogar in Existenznot bringen.

Stabile Firmen haben nichts zu befürchten 

"Die neuen Basel III-Richtlinien zur Kreditvergabe wirken sich negativ auf die Unternehmensfinanzierung aus", heißt es auch in einer Studie von Roland Berger. Wenig zu befürchten haben Firmen, die finanziell stabil da stehen und ein gutes Rating haben. "Die brauchen aber oft auch nicht so viel Kredit. Es trifft die, die nur ein mittelgutes Rating haben", sagt Stübiger. "Es sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die das treffen wird." Sorgen machen sich die meisten Firmen derzeit aber nicht, heißt es in einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Bilanzen gründlicher gestalten 

"Die Unternehmen stufen ihre Finanzierungssituation erneut als weitgehend unproblematisch ein." Gerade 14 Prozent der Unternehmen sähen in der Finanzierung ein Risiko für ihre Geschäftstätigkeit. "Bedenken hegen die Betriebe allerdings im Hinblick auf die Auswirkungen des Regulierungspakets Basel III auf die Unternehmensfinanzierung", heißt es in der Studie weiter. Es sei noch unklar welche "Lasten dabei auf die kreditnehmende Wirtschaft überwälzt werden." Auch Stübinger warnt, dass sich die Bedingungen verschlechtern werden - und vor allem Mittelständler das spüren. Muss etwa ein Maschinenbauer für einen großen Auftrag auf einmal in Vorleistung gehen, könnte das Geld knapp werden. Wenn es dann keinen oder nur teure Kredite gibt, sei es nicht selten zu spät. Doch es gebe auch andere Wege. Vor allem müssten viele Firmen ihre Bilanzen gründlicher gestalten - und langfristiger planen.

Die Sprache der Banken sprechen 

"Sie müssen sich also überlegen, wo will ich in fünf Jahren sein, abgestimmt auf Wachstum, Finanzbedarf und Verschuldung. Das wird oft nicht gemacht", sagt Stübiger. Oft versuchten Unternehmen auch, ihre ausgewiesenen Gewinne möglichst gering zu halten, um Steuern zu sparen. "Solche Firmen müssen zwei Dinge tun: Sie müssen die Sprache der Banken sprechen und die Informationen und Bilanzen liefern, die nicht Gewinne reduzieren und das Eigenkapital verbessern. Dafür müssen die Firmen ihre Hausaufgaben machen und vielleicht das private Segelboot des Chefs aus der Bilanz nehmen", sagte der Bilanzfachmann.

Alternativen zum Bankkredit 

Zudem gebe es durchaus auch Finanzierungsmöglichkeiten jenseits des klassischen Bankkredits. "Neben dem klassischen Bankkredit gibt es viele Möglichkeiten, sich frisches Kapital zu beschaffen. Etwa Schuldscheinanleihen privater Anleger, Anleihen oder Kapital von Beteiligungsgesellschaften." Doch der Aufwand ist groß, etliche Firmen scheuen den Aufwand und fürchten die Folgen, denn billiger sind solche Modelle nicht; aber leichter zu bekommen. "Die Geldgeber bei solchen Anleihe-Modellen sind langmütiger als Banken, gerade bei Firmen, die schon einige Schulden haben", sagt Stübiger. Für kleine Betriebe dürften solche Modelle aber kaum in Frage kommen.

 

Schlagworte zum Thema:  Basel III, Kreditvergabe, Mittelstand, Finanzierung, Bilanzgestaltung, Risikomanagement

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