| Kreditnehmerstatistik der Bundesbank

Geld kommt zu Geld

Die Kreditvergabe an das verarbeitende Gewerbe ist rückläufig.
Bild: Tony Hegewald ⁄

Brisante Zahlen enthält der jüngste Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Er verstärkt die Zweifel an der Aussage, Unternehmen kämen zurzeit leichter an Kredite. Es sind vor allem Finanzdienstleister und Versicherer, die mit frischem Geld zu niedrigen Zinsen versorgt werden. Die Kreditvergabe an das verarbeitende Gewerbe ist dagegen rückläufig.

Das Kreditvolumen der deutschen Banken an Unternehmen und Selbständige lag zwar Ende des 1. Quartals 2015 mit 1.305,9 Mrd. EUR Euro um 1,8 % über dem Vorjahreszeitraum. Allerdings ging dieses Plus vor allem auf die Konten von Investmentfonds, Versicherern, Kapitalanlage- und Factoringgesellschaften. Diese steigerten ihre Ausleihungen um insgesamt 20,6 % und bei den langfristigen Krediten sogar um 35,2 %. Dagegen gab es bei wichtigen Schlüsselbranchen nur leichte Veränderungen: Handel sowie Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen +0,7 % (langfristige Kredite +0,3 %), Logistik und Nachrichtenübermittlung +1,7 % bzw. 2,0 %. Schlusslicht ist das verarbeitende Gewerbe, dessen Kreditvolumen mit -1,3 % bzw. -0,4 % erneut rückläufig war.

Weit verbreitete Abhängigkeit von einem Institut

Die weiter andauernde Tiefzinsphase erweist sich als „süßes Gift“ für die Realwirtschaft. Die Bankerträge geraten unter Druck. Den Instituten drohen rückläufige Überschüsse aus dem Kredit- und Einlagengeschäft. Diese machen bei den regionalen Instituten in der Regel etwa 75% aller Erträge aus. Folglich werden die Banken und Sparkassen bei der Kreditvergabe noch vorsichtiger. Vor allem Mittelständler mit mittlerer Bonität sind davon betroffen. Verschärft wird das Problem durch die Basel-III-Regelungen. Unter anderem darf die so genannte Leverage-Ratio – das Verhältnis des Kernkapitals zur Bilanzsumme – nicht unter 3 % sinken. Als Stellschraube steht die Reduzierung der Bilanzsumme, also unter anderem des Kreditvolumens, zur Verfügung. Diese Regelungen sollten eigentlich das Finanzsystem stabilisieren. Doch gleichzeitig schwächten sie die Banken als Finanzierer, heißt es vonseiten der Instituts der deutschen Wirtschaft. Die KMU-Berater warnen: Eine Veränderung der Geschäfts- und Risikopolitik seiner Hausbank kann ein Unternehmen von heute auf morgen treffen. Es sei ratsam, sich von der immer noch weit verbreiteten Abhängigkeit von einem Institut zu lösen und sich zudem nach Alternativen zum Bankkredit umzusehen.

Factoring als Ausweg

Mit einem Factoring - dem Forderungsverkauf – können Unternehmen indirekt an den niedrigen sinken Zinsen partizipieren. „Factoringanbieter geben ihre günstige Refinanzierung in der Regel nahezu 1:1 an den Markt weiter und senken kongruent den Zinsanteil an ihren Gebühren“, so Boris Cech von der Close Brothers Factoring GmbH, eines auf mittelständische Unternehmen spezialisierten Factoringunternehmens. Zurzeit liegen die Zinsen, die auf die tatsächliche Bevorschussung von Debitoren zu zahlen sind, deutlich unter 5% und damit rund ein Drittel unter dem durchschnittlichen Zinsniveau eines Kontokorrents beziehungsweise bei weniger als der Hälfte einer Überziehungsprovision. Cech: „Das Factoring nutzt die Gunst der Stunde, um sich nachhaltig als Alternative zur Kontobeziehung zu positionieren.“ Hinzu komme der Schutz vor Forderungsausfällen.

 

Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand ist inzwischen jedes zweite KMU ist offen für Instrumente, die den Bankkredit ergänzen oder ersetzen können. Man finde Factoring vor allem deshalb interessant, weil das Finanzierungsvolumen mit dem Umsatz ansteige und nicht wie eine Kreditlinie ende.

 

 

Kredite der Banken an Unternehmen und Selbständige

 

Zusammen

Verarbeitendes Gewerbe

Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen

Verkehr und Lagerei; Nachrichtenübermitt-lung

Finanzierungsinstitutionen (ohne Banken) und Versicherungsunternehmen

März 2014

1.283,4 Mrd.

129,1 Mrd.

124,2 Mrd.

68,9 Mrd.

107,1 Mrd.

März 2015

1.305,9 Mrd.

127,4 Mrd.

125,1 Mrd.

70,4 Mrd.

129,2 Mrd.

Veränderung im Jahresvergleich/Kredite insgesamt/

 

+ 1,8 %

- 1,3 %

+ 0,7 %

+ 1,7 %

+ 20,6 %

Kurzfristige Kredite

 

+ 2,4 %

- 2,0 %

+ 3,7 %

- 1,6 %

+ 7,6 %

Mittelfristige Kredite

 

+ 2,3 %

- 2,8 %

- 0,6 %

+ 2,6 %

+ 10,1 %

Langfristige Kredite

 

+ 1,9 %

- 0,4 %

+ 0,3 %

+ 2,0 %

+ 35,2 %

 

 

 

 

 

 

Quelle: Kreditnehmerstatistik der Deutschen Bundesbank, Stand 18.05.2015

 

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