Im vergangenen Jahr mussten erneut weniger Firmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Bild: Marco2811/Fotolia.com

Nach dem siebten Rückgang in Folge ist die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 1999 gesunken. Im vergangenen Jahr mussten knapp 21.800 Firmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten.

Das teilte die Wirtschaftsauskunftei Bürgel in Hamburg mit. Das sei ein Rückgang von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als Bürgel noch mehr als 23.200 Insolvenzen zählte. Im Krisenjahr 2009 gab es noch fast 33.800 Insolvenzen. Nicht annähernd so deutlich wie bei den Unternehmen fällt der Rückgang bei den Verbraucherinsolvenzen aus. Deren Zahl sank 2016 nur um zwei Prozent auf 78.200. Bürgel führt die positive Entwicklung im Unternehmensbereich auf eine stabile Binnenkonjunktur und günstige Finanzierungsbedingungen zurück. Zudem hätten viele Firmen ihr Eigenkapital erhöht und damit ein Krisenpolster zur Risikoabsicherung aufgebaut.

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Wirtschaftlicher Schaden durch Großinsolvenzen gestiegen

Trotz der positiven Entwicklung bei den Fallzahlen sei der wirtschaftliche Schaden durch Insolvenzen im vergangenen Jahr um knapp 54 Prozent auf 27 Milliarden Euro gestiegen. "Verantwortlich für diesen sprunghaften Anstieg sind mehrere Zusammenbrüche von wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen", sagte Bürgel-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum. Prominente Beispiele seien Steilmann, Sinn-Leffers oder German Pellets. Im Durchschnitt richtete jede Insolvenz einen Schaden von rund 1,2 Millionen Euro an. Generell sind jedoch vor allem kleine und junge Unternehmen pleitegefährdet. 81,5 Prozent der insolventen Unternehmen hatten nicht mehr als fünf Mitarbeiter.

NRW liegt bei den Pleiten vorn

Unter den Bundesländern sind Nordrhein-Westfalen und Bremen mit 100 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen am anfälligsten für Pleiten. Auch unter den gesondert untersuchten Großstädten liegen mit Dortmund, Essen, Duisburg und Gelsenkirchen vier Städte aus NRW vorn. Das heißt aber nicht, dass dort die Insolvenzen anstiegen; vielmehr waren sie um 8,8 Prozent rückläufig. Gegen den Trend mit zunehmenden Insolvenzen zu kämpfen hatten dagegen das Saarland (plus 10,3 Prozent), Brandenburg (plus 7,4 Prozent, Sachsen (plus 6,7 Prozent) und Hamburg (plus 1,5 Prozent).

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Kaum Bewegung bei Verbraucherinsolvenzen

Auch für das laufende Jahr sieht Bürgel keine Umkehr des Trends und rechnet mit einem weiteren Rückgang um 3,5 Prozent auf 21.000 Insolvenzen. Diese Vorhersage sei allerdings wegen Unsicherheiten wie dem Brexit, dem Regierungswechsel in den USA und den Wahlen in Deutschland und Frankreich mit Risiken behaftet. Trotz guter Wirtschaftslage gibt es bei den Verbraucherinsolvenzen keine große Bewegung. "Es scheint, als gäbe es hier einen Sockel an harter Überschuldung, der sich auch durch eine optimal laufende Konjunktur nicht abbauen lässt", sagte die Vizepräsidentin des des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU), Marion Kremer, in Berlin. Für 2017 erwartet die Branche nur einen moderaten Rückgang der Privatpleiten, wenn überhaupt.

Unkontrolliertes Konsumverhalten

Der Hauptgrund, warum private Schuldner Rechnungen nicht bezahlen, ist Überschuldung. Viele Inkassounternehmen beobachten auch ein unkontrolliertes Konsumverhalten. "Das betrifft vor allem jüngere Schuldner." Kremer glaubt, dass eine bessere finanzielle Bildung von Schülern und Verbrauchern vorbeugend helfen könnte.

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Schlagworte zum Thema:  Insolvenz, Konjunktur

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