19.09.2012 | Global Wealth Report

Trotz Schuldenkrise wächst das private Vermögen weiter

Die Vermögen sind im vergangenen Jahr wieder gewachsen, aber die Inflationsrate frisst die Zuwächse auf.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Das private Geldvermögen der Deutschen wächst trotz Schuldenkrise unaufhörlich weiter. Während die Menschen in Westeuropa im vergangenen Jahr insgesamt Geld verloren, stieg das Bruttovermögen der Privathaushalte in Deutschland um 1,3 Prozent auf 4.715 Milliarden Euro.

Das teilte der Versicherungskonzern Allianz bei der Vorstellung des "Global Wealth Reports" mit. Damit sind die Deutschen ungeachtet der Schuldenkrise und der Kursverluste an den Börsen so reich wie nie zuvor. Immobilienbesitz und Ansprüche auf die gesetzliche Rente noch gar nicht eingerechnet. Allerdings verlor das Vermögen an Wert, weil die Verbraucherpreise gleichzeitig um 2,3 Prozent anzogen.
Auch weltweit häufen die Menschen immer mehr Bargeld, Sichteinlagen, Versicherungen oder Wertpapiere an. Erstmals sei die Marke von 100 Billionen Euro durchbrochen worden, berichtete Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: "Das globale Geldvermögen der privaten Haushalte kletterte auf insgesamt 103,3 Billionen Euro." Zum Jubeln sieht Heise aber keinen Anlass, weil das Wachstum nach zwei dynamischen Jahren enttäuschend ausgefallen sei: Der Zuwachs lag bei 1,6 Prozent, in der Pro-Kopf-Rechnung sogar nur bei 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Es ist unübersehbar, dass Unsicherheit, niedrige Zinsen und Euro-Krise ihre Spuren in der Vermögensentwicklung hinterlassen", sagte Heise.
Zumal verunsicherte Privatanleger nach den Angaben weltweit in vermeintlich risikoarme Anlageformen flüchten - die aber weniger Zinsen abwerfen. Für Heise sind Sparer deshalb die Leidtragenden der ungelösten Krise im Euroraum und der zögerlichen Neuordnung der Finanzmärkte. Immerhin: Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank stieg das private Geldvermögen in Deutschland im Auftaktquartal 2012 weiter auf 4.805 Milliarden Euro - ein Plus von 2,6 zum Vorjahr.
Sparer hätten schon seit längerem mit einem widrigen Sparumfeld zu kämpfen, betonte Heise. Zwar sei das Brutto-Geldvermögen pro Kopf seit 2000 im Durchschnitt um 3,1 Prozent pro Jahr gewachsen. Dies entspreche aber ziemlich genau der durchschnittlichen Inflation in diesem Zeitraum: "In den letzten elf Jahren konnten die Sparer weltweit keinen realen Vermögenszuwachs erzielen. Eine ernüchternde Bilanz."

Schlagworte zum Thema:  Schuldenkrise, Finanzmärkte

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