24.07.2015 | Geldpolitik

EZB-Geldflut bringt Konjunktur in Fahrt

Die EZB flutet die Märkte mit billigem Geld.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die EZB ist für ihre Geldpolitik schon oft scharf angegriffen worden. Doch die umstrittenen Maßnahmen scheinen zu fruchten. Für den erhofften Aufschwung halten manche Experten sie mittlerweile sogar für einen Schlüsselfaktor.

Seit Monaten flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Eurozone mit billigem Geld. Das Öffnen der Schleusen hat vor allem ein Ziel: Die Währungshüter wollen die Kreditvergabe ankurbeln und auf diese Weise gegen die Konjunkturflaute ankämpfen. Das in Europa beispiellose Vorgehen, das vor allem in Deutschland viele Kritiker auf den Plan rief, scheint mittlerweile aufzugehen. In der Eurozone springt die Kreditvergabe wieder an. Schon sprechen Experten von einem "Schlüsselfaktor" für den Wirtschaftsaufschwung in der zweiten Jahreshälfte. In der Hochphase der Euro-Schuldenkrise war der sogenannte geldpolitische Transmissionskanal, der Weg des Geldes von der Notenbank über die Geschäftsbanken zu den Unternehmen und Verbrauchern, plötzlich verstopft. Die Folge war, dass die Konjunktur in vielen Regionen der Eurozone zusätzlich abwürgt wurde. Während die Leitzinsen von einem Rekordtief zum nächsten fielen, kam das billige Geld oft gar nicht bei Firmen an, die es dringend für laufende Geschäfte oder neue Investitionen brauchten.

Deutliche Lebenszeichen bei der Kreditvergabe

Die Währungshüter erkannten die Gefahr und entschlossen sich zu umstrittenen Radikal-Maßnahmen. Sie versuchen seither, mit einer Reihe von milliardenschweren Kreditprogrammen zu extrem günstigen Bedingen und seit März auch mit dem Kauf von Staatsanleihen die verstopften Kanäle wieder frei zu bekommen. Nach Einschätzung von Experten des Bankhauses Metzler hat sich die Lage mittlerweile deutlich gebessert. Es sei geglückt, "die Eurozone in einen Aufschwung mit einem funktionierenden geldpolitischen Transmissionsmechanismus zu überführen", hieß es in einer Analyse. Jüngste Statistiken zeigen wieder deutliche Lebenszeichen bei der Kreditvergabe. Laut EZB war sie in der Eurozone im Mai um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Zuvor hatte es April nur einen minimalen Zuwachs um 0,1 Prozent gegeben, allerdings war es der erste seit April 2012. Umfragen der EZB belegen außerdem, dass die Banken die Hürden bei der Kreditvergabe senken. Die Folge: Unternehmen und private Haushalte kommen leichter an Bankkredite. Für den Chefvolkswirt für Deutschland des Bankhauses Julius Bär, David Kohl, ist die Entwicklung der Kreditvergabe von entscheidender Bedeutung für die weitere konjunkturelle Entwicklung im gemeinsamen Währungsraum. «Die Kreditdynamik ist der Schlüsselfaktor für den Aufschwung in der Eurozone», sagt Kohl. Er rechnet mit einer vergleichsweise starken Aufwärtsbewegung in der zweiten Jahreshälfte.

Viele Geldhäuser haben Bilanzprobleme

Auch wenn Fortschritte erkennbar werden: Es ist noch ein weiter Weg, bis der geldpolitische Transmissionskanal in der Eurozone wieder völlig reibungslos funktioniert und der Konjunkturmotor auf Hochtouren läuft. Noch kann das Geld nämlich vor allem in den Südstaaten der Eurozone nicht ungehindert in die Wirtschaft fließen. Dafür haben einfach zu viele Geldhäuser mit Bilanzproblemen zu kämpfen. So sitzen beispielsweise die Finanzinstitute in Spanien nach dem Platzen der Immobilienblase in der Wirtschaftskrise nach wie vor auf einem Berg fauler Kredite. Nach jüngsten Angaben der spanischen Notenbank waren es im Mai rund 154,2 Milliarden Euro, die unter der Bezeichnung "zweifelhafte Schuldner" auf den Bilanzen der spanischen Geldhäuser lasten und somit die Kreditvergabe an spanische Unternehmen spürbar einschränken. Die Summe ist zwar seit Anfang 2014 rückläufig, verharrt aber weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Während die EZB ihre Geldflut noch bis weit ins nächste Jahr hinein fortsetzen will, ist von den Kritikern der extrem expansiven Geldpolitik derzeit nur wenig zu hören. Ohne Zweifel zeigen die Maßnahmen der Notenbank positive Wirkungen. Gleichzeitig ist von der gefürchteten Inflation in Folge der Geldflut weiterhin keine Spur. Im Gegenteil: Die Inflation ist seit vielen Monaten ungewöhnlich gering und es gibt keine Hinweise, dass sich das in den kommenden Monaten ändern könnte. Die Währungshüter dürften daher bis auf weiteres keinen Anlass sehen, die Geldschleusen auch nur einen Spalt breit zu schließen.

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Schlagworte zum Thema:  Europäische Zentralbank, Konjunktur

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