10.02.2014 | Geldanlage

Grüne Fonds bergen oft auch Risiken

Grüne Fonds bergen oft auch Risiken.
Bild: Haufe Online Redaktion

Das klingt einfach gut: Man tut etwas für die Umwelt und verdient dabei. Nachhaltige Geldanlagen versprechen gute Rendite, bergen aber auch Risiken.

Geschlossene Fonds stecken das Geld ihrer Anleger in Wind- und Solarparks, in Wasserkraftwerke, Biogasanlagen, nachwachsende Rohstoffe wie Holz und Mais oder neuerdings in nach nachhaltigen Kriterien gebaute Immobilien. Zusätzlich zur üblichen Rendite unterstützen Kapitalgeber also nachhaltige Projekte. "Die doppelte Dividende ist die Triebfeder, die private und institutionelle Anleger motiviert", glaubt Robert Haßler, Vorstand der auf Nachhaltigkeitsratings spezialisierten Agentur Oekom-Research in München. Vor dem Engagement ist aber ein genauer Blick auf die Einzelheiten angebracht.

Der Anleger ist quasi gefesselt

Die Anlagesummen liegen meist bei 10.000 Euro an aufwärts. Dazu kommt ein Ausgabeaufschlag um die fünf Prozent. Im deutschsprachigen Raum gibt es fast 400 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Gesamtkapital von rund 38 Milliarden Euro. Geschlossene Fonds haben in Deutschland einen Anteil von etwa 720 Millionen Euro. Technisch funktionieren die geschlossenen Ökofonds wie ihre klassischen Pendants. Sie sammeln so viel Geld von Anlegern ein, bis eine bestimmte Eigenkapitalquote erreicht ist. Danach machen sie dicht. Der Nachteil: Wer einmal drin ist, hat - im Unterschied zur offenen Variante - kaum Chancen wieder rauszukommen. Das wird problematisch, falls der Fonds schlecht läuft oder der Investor sein eingezahltes Kapital plötzlich braucht. "Der Anleger ist quasi gefesselt", sagt Ulf Moslener, wissenschaftlicher Leiter des UN-Forschungszentrums nachhaltige Finanzierung (UNEP) an der Frankfurt School of Finance.

Existierende Projekte haben niedrigere Profite

Ein weiteres Risiko resultiert aus der teilweisen Finanzierung über Bankkredite. Die Ansprüche der Institute werden zuerst bedient, der direkt am Projekt beteiligte Anleger kommt erst an zweiter Stelle. "Ich bin als Eigenkapitalgeber einfach höher im Risiko. Dafür winkt mir eine höhere Rendite", erläutert Moslener. Seit Juli 2013 darf die Fremdkapitalquote nur noch 60 Prozent betragen. Fonds nach diesem Modell kommen nach Angaben von Jens Kellermann, Geschäftsführer der in Nürnberg ansässigen Info- und Beratungsgesellschaft Green Value, derzeit auf den Markt. Kellermann sieht beim versprochenen Gewinn sehr genau hin. Für ihn sind zum Beispiel für Solarinvestments "in hiesigen Breiten mehr als zehn Prozent nicht darstellbar." Außerdem bieten existierende Projekte meist niedrigere Profite als solche in der Entwicklungsphase - hier ist die Gefahr des Scheiterns größer: Die eine Fondsgesellschaft sucht noch den geeigneten Standort für ihre Windkraftanlage, die Mühlen der anderen Fondgesellschaft machen schon kräftig Strom.

Warentester warnen vor "Blind Pools"

Ulf Moslener analysiert zudem die Wertschöpfungskette. "Wer produziert die Technologie, wer nutzt sie? Investiere ich in Firmen, die herstellen oder anwenden?" Beispiel Sonnenergie: Hier brachte Konkurrenz aus China Solaranlagen-Hersteller in Schwierigkeiten - schlecht für Anleger. Wer dagegen in Anwendungen investiert, den freuen sinkende Kosten und Einspeisungsgarantie. Der Stiftung Warentest zufolge ist das Risiko für Ökofondsanbieter bei Solarenergie gut planbar, problematisch wird es in der Geothermie. Die Warentester warnten jüngst vor Fonds, die Geld einsammeln, obwohl zehn Prozent des lnvestments noch nicht feststehen. Die Anleger wüssten nicht genau, wo ihr Geld lande, kritisierten die Experten der Zeitschrift "Finanztest". Solche "Blind Pools" sind nach Einschätzung von Ulf Moslener für private Investoren undurchschaubar und damit hochriskant. Die Finanztester ließen auch solche Fonds durchfallen, die Kleinanleger Ratensparverträge anbieten oder Kredite in Fremdwährungen aufnehmen.

Alternative Bürgeranlagen

Dem eigenen guten Gewissen zuliebe sollten sich Anleger ohnehin grundsätzlich vor jedem Einstieg intensiv mit der grünen Materie beschäftigen. Robert Haßler rät zu eigenen Recherchen, Ulf Moslener plädiert dafür, "genau zu verstehen was passiert, sonst wird es schwierig." Alternativen zu geschlossenen Ökofonds finden sich oft vor der eigenen Haustür in Gestalt von Bürgersolaranlagen, Bürgerwindparks oder Biogasanlagen. Die Anlagen werden in manchen Kommunen unter Beteiligung der öffentlichen Hand und ortsnaher Geldinstitute finanziert. In anderen Gemeinden schließen sich Bürger zusammen. Meist können Interessenten Anleihen kaufen oder bestimmte Summen investieren und so ihr Geld umweltfreundlich anlegen.

Grüne Sparangebote und Aktienfonds 

Auf diese Weise kam zum Beispiel das Deutsche Ledermuseum in Offenbach an Kapital für die hauseigene Solaranlage. Vom Engagement der Bürger profitieren häufig auch Schulen oder Kindergärten. Aus Sicht der Finanzexperten spricht die örtliche Nähe sowohl für ein besseres Verständnis des Investments als auch für ein Plus an Sicherheit und Kontrolle. Außerdem fallen in der Regel keine hohen Vertriebskosten an. Eine andere Anlageform sind grüne Sparangebote oder Aktienfonds ökologisch orientierter Banken.

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Schlagworte zum Thema:  Sichere Geldanlage, Fonds, Geschlossene Fonds, Öko-Fonds, Geldanlage

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