22.08.2012 | Finanzkrise

Unternehmer gründen eigene Bank

Die Unzufriedenheit mit den Großbanken wächst, Mittelständler wollen daher ein eigenes Genossenschaftsinstitut gründen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Mit der ungewöhnlichen Idee, eine bundesweite Genossenschaftsbank für Mittelstand und Landwirtschaft zu gründen, hat sich eine Handvoll Unternehmer zusammengeschlossen. Die konservative Bank DikoBa eG i. G. soll später für mehr als 2.500 Genossen als echtes Geldinstitut arbeiten.

„Wir nehmen als Unternehmer selbst die Zügel in die Hand und gründen eine auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Bank“, sagt Johannes Hillmann, Vorstand der DikoBa eG i.G. im nordrhein-westfälischen Schöppingen (Landkreis Borken). Die konservative Bank DikoBa soll Hillmann zufolge eine aus der Mitte der Gesellschaft heraus gegründete konservative moderne Genossenschaftsbank sein. Die DikoBa nimmt die seit mehr als 140 Jahren unverändert bestehende genossenschaftliche Mitgliederförderung ernst und handelt mitgliederbestimmt nach den bewährten Prinzipien von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch. 

„Grundlage unserer Arbeit ist die Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstbestimmung“, sagt der 48-jährige Unternehmensberater und Landwirt. Die DikoBa soll nach dem Willen der Gründer auf das traditionelle Bankgeschäft beschränkt sein. Deshalb sind die Kunden der DikoBa ausweislich der Satzung zugleich auch deren Mitglieder.

Mittelstand und Landwirtschaft können sich unter dem Dach der DikoBa zusammenschließen und eine Bank für ihre Zukunft aufbauen. „Nicht jammern und auf Banken schimpfen, sondern eine Alternative bieten“, ist der Ansatz für Co-Vorstand Norbert Schenzle, 62. Der ehemalige Vorstand einer Volksbank aus dem baden-württembergischen Waldenbuch will durch gutes Beispiel vorangehen und Unternehmern eine Unternehmerbank an die Seite geben.

Suche nach Startkapital im Unternehmerlager

Bis Ende des Jahres 2013 soll das Anfangskapital von mindestens fünf Millionen Euro eingesammelt werden, um gemäß Kreditwesengesetz als Einlagenkreditinstitut zu starten. Rund 2.500 Genossen werden bis dahin gesucht, die sich mit einer Einlage von jeweils 2.200 Euro beteiligen.

Nach der Erteilung der Bankbetriebserlaubnis durch die zuständige Aufsichtsbehörde (BaFin) steht den Mitgliedern eine eigene Bank zur Verfügung, welche die genossenschaftlichen Prinzipien tatsächlich lebt und pflegt. Die neue Genossenschaftsbank will auf klassische Filialen verzichten. In jedem Bundesland mit Mitgliedern soll Hillmann zufolge ein Kompetenzzentrum als Anlaufstelle für die Kunden entstehen.

Die Banktätigkeiten sollen sich auf das Einlagen- und Kreditgeschäft beschränken. „Wir wollen keine Finanzprodukte vermitteln, die weder die Berater noch die Kunden verstehen“, erklärt Hillmann. Die Mitglieder sollen der DikoBa als ihrer „eigenen Bank“ vertrauen können. „Wir stellen die wirtschaftlichen Belange unserer Mitglieder in den Mittelpunkt des Handelns.“ Die DikoBa bietet satzungsgemäß nach Gründung nur das Kredit-Einlagen- und Konto-Geschäft an. Von günstigen Kostenstrukturen sollen Mitglieder und Kunden profitieren: Das Handeln dient ausschließlich dem Wohl der Mitglieder und Kunden. „Wir verfolgen mit der DikoBa keine Gewinnmaximierung“, sagt Vorstand Hillmann.

Schlagworte zum Thema:  Finanzkrise, Finanzierung, Mittelstand

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