03.08.2011 | Steuern & Finanzen

Finanzierung: Diese Möglichkeiten haben Sie

Wenn größere Investitionen anstehen, denken viele Unternehmer reflexartig an ihren Bankberater. Doch es gibt auch interessante Alternativen zum klassischen Bankkredit, die häufig sogar günstiger sind. Spätestens seit Basel III kann es sich für Unternehmer lohnen, einmal genauer hinzusehen.

Die meisten Experten sind sich einig, dass die Eigenfinanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen gestärkt werden muss. Diese Erkenntnis ist nicht zuletzt eine Folge der Finanzkrise. Welche Finanzierungsmöglichkeiten Unternehmen grundsätzlich zur Verfügung stehen, lesen Sie in diesem Beitrag.

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Die wichtigsten Alternativen zum Bankkredit sind:

- Selbstfinanzierung
- Beteiligungsfinanzierung
- Kapitalbeteiligungsgesellschaften
- Wechsel
- Kundenanzahlung
- Lieferantenkredit
- Factoring
- Leasing

 

1. Selbstfinanzierung

Unter Selbstfinanzierung versteht man die Finanzierung aus Gewinnen, die ein Unternehmen selbst erwirtschaftet. Bei der Selbstfinanzierung treten keine zusätzlichen Kreditgeber oder Eigentümer auf, die im Unternehmen ein Mitspracherecht haben wollen. Die Unabhängigkeit des Unternehmens bleibt erhalten. Außerdem entsteht keine Zins- und Tilgungsbelastung. Ein weiterer positiver Effekt der Selbstfinanzierung ist die Stärkung der Eigenkapitalbasis, die sich bei einer eventuell ergänzenden Kreditfinanzierung positiv auf das Rating und die Kreditkonditionen auswirkt.

2. Beteiligungsfinanzierung

Einzelunternehmen, Personengesellschaften, aber auch GmbHs haben keine Möglichkeit, sich Eigenkapital über die Börse zu besorgen. Sie sind daher gezwungen, ihr Beteiligungskapital aus anderen Quellen zu schöpfen. Bei Einzelunternehmen bereitet die Beschaffung von Eigenkapital oft die größten Schwierigkeiten. Häufig kommt nur das Privatvermögen des Unternehmers als Geldquelle in Frage. Allerdings wird durch seine Einlagen auch die Eigenkapitalbasis gestärkt, was sonst nur noch über die Einbehaltung von Gewinnen möglich ist. Als weitere Möglichkeit der Beteiligungsfinanzierung bietet sich die Aufnahme eines stillen Gesellschafters an, denn bei einer stillen Teilhaberschaft muss die Rechtsform des Unternehmens nicht geändert werden. Die Einlage des stillen Gesellschafters geht direkt in das Vermögen des Einzelunternehmens ein. Als Gegenleistung erhält er eine angemessene Beteiligung am Gewinn. Am Verlust nimmt er nur bis zur Höhe seiner Einlage teil. Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) kann die Eigenkapitalbasis durch zusätzliche Einlagen der bestehenden oder die Aufnahme neuer Gesellschafter gestärkt werden.

3. Kapitalbeteiligungsgesellschaften

Kapitalbeteiligungsgesellschaften stellen Erfolg versprechenden Unternehmen Eigenkapital gegen entsprechende Anteile und Mitsprachemöglichkeiten zur Verfügung. Venture-Capital-Gesellschaften, abgekürzt VCs, finanzieren vor allem das Wachstum kleinerer und mittelständischer renditestarker Unternehmen. Vor einem Engagement in die einzelnen Unternehmen prüfen die Kapitalbeteiligungsgesellschaften vor allem folgende Punkte:

- Ist das Unternehmen zukunftsorientiert und entwicklungsfähig?
- Zeichnet sich das Management durch Zuverlässigkeit aus?
- Sind das Finanz- und Rechnungswesen aussagefähig?
- Sind die geplanten Investitionen sinnvoll und stärken sie die Marktstellung sowie die Ertragskraft?
- Werden relativ sichere, stabile und vor allem hohe Erträge in der Zukunft generiert?

Neben der reinen Finanzierung übernimmt die Beteiligungsgesellschaft oft auch eine Beraterfunktion in den Unternehmen. Das Engagement der Gesellschaft ist zumeist in der Höhe und in der Zeit begrenzt. Als Gegenleistung erwarten die Beteiligungs- und Venture-Capital-Gesellschaften einen Anteil aus dem laufenden Gewinn, in anderen Worten ausgedrückt: eine hohe Rendite für ihr eingesetztes Kapital.

4. Wechsel

Der Wechsel stellt ein Zahlungsversprechen dar. Als Wechselberechtigter gilt derjenige, der den Wechsel in Händen hält und durch einen schriftlichen Übertragungsvermerk ausgewiesen ist. Die Ausstellung von Wechseln erfolgt heute nahezu ausschließlich auf vorgedruckten Wechselformularen nach DIN 5004, die alle gesetzlichen Bestandteile im Sinne des Wechselgesetzes beinhalten. Bei einem Handelswechsel liegt dem Wechsel ein Waren- oder Dienstleistungsgeschäft zugrunde, das über den Wechsel finanziert wird. Dieser Wechsel ist wie ein Kreditkauf, wobei der Lieferant als Aussteller einen Wechsel auf das Unternehmen als Abnehmer zieht.

5. Kundenanzahlung

Bei dieser Art der Finanzierung tritt der Abnehmer als Kreditgeber auf: Bereits im Voraus, d. h. vor Lieferung der Ware, zahlt er einen Teil- oder sogar den Gesamtbetrag. Kundenanzahlungen sind vor allem in der Auftragsfertigung, wie sie im Handwerk vorkommt, üblich. Die Anzahlungen stellen für das produzierende Unternehmen eine Finanzierungshilfe dar. Mit diesem Geld kann es die für die Produktion benötigten Waren und Dienstleistungen bezahlen. Außerdem besteht hier der Vorteil, dass eine Nichtabnahme der bestellten Ware praktisch nicht vorkommt. Darüber hinaus stellt der Auftraggeber dem Unternehmen das Geld meist zinslos zur Verfügung.

6. Lieferantenkredit

Ein Lieferantenkredit im engeren Sinn ist ein Kredit, der dem Käufer einer Ware vom Verkäufer im Zusammenhang mit dem Warenabsatz gewährt wird. Man spricht dabei auch von Buch- oder Wechselkredit. Daneben existieren auch so genannte Einrichtungs- und Ausstattungskredite, die der Lieferant seinem Abnehmer gewährt. In der Praxis findet man solche Einrichtungs- und Ausstattungskredite beispielsweise in der Gastronomie. Da für Lieferantenkredite zumeist keine zusätzlichen Sicherheiten benötigt werden, besitzen sie vor allem in kleinen und mittleren Betrieben große Bedeutung. Die wesentliche Eigenschaft des Lieferantenkredits ist die enge Verbundenheit mit dem Warengeschäft: In der Regel wird durch ihn der Zeitraum zwischen der Beschaffung der Ware und der Einnahme des Umsatzes aus ihrem Wiederverkauf überbrückt. Der Nachteil des Lieferantenkredits liegt darin, dass er meist sehr teuer ist. Die Hauptursache, warum er dennoch so oft genutzt wird, ist eine schnelle Finanzierung, da auf Kreditwürdigkeitsprüfungen meist verzichtet wird.

7. Factoring

Bei Factoring handelt es sich um den vertraglich geregelten Ankauf von Kundenforderungen durch ein Finanzierungs- oder Kreditinstitut, Factor genannt. Mit dem Ankauf der Forderungen übernimmt der Factor bestimmte Servicefunktionen und zugleich das Ausfallrisiko der Forderungen. In bestimmten Fällen kann der Verkäufer der Forderungen dem Factor sogar die gesamte Debitorenbuchhaltung, das Inkasso- und Mahnwesen übertragen. Für die Übernahme dieser Dienstleistungs- und Finanzierungsfunktion, d. h. für die Kreditierung der Forderungen, berechnet der Factor neben den banküblichen Sollzinsen auch Dienstleistungsgebühren (zirka 1 bis 2,5 Prozent der Rechnungsbeträge). Trägt der Factor vertragsgemäß auch das Risiko des Ausfalls, so werden zusätzliche Gebühren von 0,2 bis 0,5 Prozent erhoben. In der Praxis werden die einzelnen Positionen zu einer Gesamtgebühr zusammengefasst. Die Höhe der Gebühr ist unter anderem abhängig von der Bonität der Schuldner, der Beurteilung des Kunden und dessen Gesamtgeschäftsumfang. Mit Factoring gewinnt Ihr Unternehmen außerdem an Liquidität. Gerade im Hinblick auf Basel III und Rating können Sie durch Factoring Ihre Bonitätskennzahlen verbessern und gleichzeitig Ihren Bedarf an Bankkrediten reduzieren. Für kleine Unternehmen kann das Factoring auch unter Kostengesichtspunkten - insbesondere mit Blick auf die kostenintensive Debitorenbuchhaltung - zweckmäßig sein. Für Unternehmen, die weitgehend bar und mit sehr kurzen Zahlungszielen verkaufen, eignet sich Factoring allerdings kaum.

8. Leasing

Unter Leasing versteht man die Vermietung von Anlagegegenständen. In der Praxis werden darunter alle möglichen Arten der Vertragsgestaltung subsumiert, die vom normalen Miet- bis hin zum verdeckten Ratenkaufvertrag reichen. Im Gegensatz zum normalen Mietvertrag zeichnet sich Leasing dadurch aus, dass zwischen dem Hersteller und dem Nutzer einer Ware eine Leasinggesellschaft als Käufer und Vermieter zwischengeschaltet ist. Als Leasingobjekte kommen alle Formen mobiler Gegenstände und Maschinen sowie Immobilien in Betracht, die für den längeren Verbleib im Unternehmen vorgesehen sind. Wirtschaftsgüter die zum kurzfristigen Verbrauch oder Verkauf bestimmt sind, eignen sind hingegen nicht als Leasinggüter. Die Beschaffung von Wirtschaftsgütern hat unmittelbare Bedeutung für die Liquiditätssituation eines Unternehmens: Bei einem Kauf verschlechtert sich die Liquidität. Erfolgt die Investition hingegen durch Leasing, bleiben Liquiditätsstatus und Kreditrahmen der Banken unverändert. Leasing stellt damit oftmals eine interessante objektbezogene Finanzierungsalternative dar.

Schlagworte zum Thema:  Steuern, Finanzen, Finanzierung

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