| Finanzierung

Crowdinvesting - Geldanlage mit Risiko

Crowdinvesting: Viele investieren für einen gemeinsamen Zweck.
Bild: Haufe Online Redaktion

War Spendensammeln früher ein mühevoller Akt, läuft dies heute viel schneller über das Internet. Plattformen bieten sich nicht nur hierzu an, sondern auch zur Geldanlage in Projekte. Bei Renditeversprechen sollten Anleger aber wachsam sein, mahnen Verbraucherschützer.

Crowdfunding? Spätestens seit der aufsehenerregenden Spendenaktion für den Eishockey-Klub Hamburg Freezers hat dieser Begriff an Bekanntheit gewonnen. Im digitalen Zeitalter ist für solche Sammelprojekte die Spendenbüchse ein Museumsrelikt. Über Plattformen im Internet wird unter den Menschen - in der "Crowd" - um Unterstützung für einen guten Zweck geworben. Während sich die einen wie Fairplaid auf das Crowdfunding für Vereine und Sportler spezialisieren, bieten andere das Crowdinvesting und wollen Start-Up-Unternehmern unter die Arme greifen. Da hierbei - im Gegensatz zum spendenbasierten Crowdfunding - Renditen für die Geldgeber in Aussicht gestellt werden, bergen solche Kapitalanlagen auch Risiken, wie Verbraucherschützer und Finanzaufsicht mahnen.

Bundesverband mit 16 Gründungsmitgliedern

Für den erst im November 2015 gegründeten Bundesverband Crowdfunding zählt jedoch zunächst: "Jedes positive Beispiel über Crowdfunding oder Crowdinvesting ist eine gute Nachricht für die Branche. Sie wird dadurch bekannter", sagt Vorstandsmitglied Dirk Littig der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Er erwartet beim Crowdinvesting ein deutliches Wachstum, nachdem es den Verbandsangaben zufolge von 2011 bis 2015 in Deutschland rund 90 Millionen Euro generierte. Dem Bundesverband gehören 16 Firmen als Gründungsmitglieder an, die auf ihren Plattformen Finanzmittel für Projekte im Energiesektor über den Gesundheitsmarkt bis hin zur Raumfahrtechnologie suchen.

Keine Bilanzkontrolle, keine Einlagensicherung

Was sich für Ideengeber, Produktentwickler und Firmengründer als mögliche Geldquelle abseits von Familie und Banken anpreist, hat längst auch die Finanzwächter auf den Plan gerufen. Schließlich sind in Niedrigzinsphasen Rendite-Versprechen auch für Kleinanleger verlockend, die schon mit Geldanlagen im niedrigen Euro-Bereich beim Crowdinvesting dabei sein können. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) informiert über die Risiken: "Für die Geschäfte, die hier abgeschlossen werden, gibt es keine ständige Aufsicht, keine Bilanzkontrolle und keine Einlagensicherung", schreibt die BaFin in ihrem Internetauftritt. "Scheitert das Unternehmen oder Projekt, ist im schlimmsten Fall Ihr gesamtes eingezahltes Geld weg.  "Gerade bei Start-up-Unternehmen ist die Gefahr einer Pleite größer als bei Firmen, die sich bereits auf dem Markt etabliert haben», mahnen die Finanzmarktkontrolleure.

Emotionaler Aspekt nicht unbedeutend

Auch der Chef der Hamburger Verbraucherzentrale, Michael Knobloch, hebt den Zeigefinger. "Crowdinvesting birgt ein hohes Totalverlustrisiko. Es ist ein Wagnis, ob eine Idee klappt", sagt er. Diese müsse ein Anleger schon sehr gut beurteilen können. "Und was nützt der schönste Schadenersatzanspruch oder eine Prospekthaftung, wenn am Ende kein Geld mehr da ist." Zur Einkommenssicherung oder Altersvorsorge kämen solche Geldanlagen absolut nicht in Frage. Das Verbandsmitglied Littig betreibt als Geschäftsführer die Crowdinvesting-Plattform Conda, die seit März 2013 bisher für 50 Projekte rund 10 Millionen Euro eingesammelt hat - für die Herstellung von Lebensmittel, für Immobilien-Beteiligungen oder den Anschub für einen Laufsportshop. Für die Vermittlung erhält der Plattformbetreiber eine Provision. "Auch wenn Crowdinvesting renditegetrieben ist: Der emotionale Aspekt ist nicht zu vernachlässigen", meint Littig. Wer als Kleinanleger Geld in eine junge Firma stecke, wolle innovative Ideen fördern und so seine Form von Solidarität zeigen, ist er überzeugt.

60.000 Dollar in 7 Stunden

Neben Start-ups sieht der Manager auch den klassischen Mittelstand als künftigen Nutzer dieser "Schwarmfinanzierungen". Jedoch müssten sie oftmals noch ihre Hemmschwelle überwinden, um sich für die Finanzierung über das Internet zu öffnen. Diesen Schritt haben die Hamburger Xounts-Firmengründer Frank Otto und Oliver Richter gewagt. Zur Produktion eines Sound- und Lichtsystems fürs Zuhause haben sie die Crowd bemüht. Ihr Finanzierungsziel von 60.000 Dollar sei auf der Plattform Kickstarter in den USA schon nach sieben Stunden erreicht gewesen. Die "unglaubliche Resonanz" habe sie schwer beeindruckt. Nun soll die Produktion anlaufen.

Fan-Bindung hat Potenzial

Mit einem Ansturm wurden auch die Conda-Manager bei ihren bisher erfolgreichsten Platzierungen konfrontiert. Für die Fußball-Klubs Rapid Wien und Austria Wien wurden für deren Stadionbauten 3 Millionen Euro (Rapid) und 1,5 Millionen Euro eingeworben. Austria sagte seinen rund 600 Internet-Geldgebern eine Basisverzinsung von 2,5 Prozent zu, mehr gibt's nur bei sportlichem Erfolg. Die Bindung von Fans habe gewaltiges Potenzial, resümiert Littig. Das zeigte sich jüngst auch bei den Freezers: Auf der Fairplaid-Plattform zahlten 3.446 Unterstützer 566.347 Euro ein. Die Rettung des Teams aber scheiterte. Die Spender bekommen nun ihren Einsatz entweder zurück - oder sie übertragen ihn auf einen anderen sportlichen Zweck.

>> Das könnte Sie auch interessieren:

Startups dank Schwarmfinanzierung im Aufwind

Der alternative Finanzmarkt boomt

Crowdinvesting - die andere Firmenfinanzierung

 

Schlagworte zum Thema:  Geldanlage, Finanzierung, Crowdinvesting, Crowdfunding

Aktuell

Meistgelesen