30.01.2014 | Top-Thema Factoring für den Mittelstand

Warum sich Factoring für viele Unternehmen lohnt

Kapitel
Factoring contra Kontokorrent ist eine Rechenübung.
Bild: Haufe Online Redaktion

Im Vergleich zur Kontokorrent-Linie erscheint Factoring vor allem bei geringeren Volumina auf den ersten Blick als teuer. Aber bei der Konditionengestaltung sind die Factoring-Anbieter sehr flexibel. Grundsätzlich gilt: Je größer der Kreis der Debitoren ist und je zahlungskräftiger diese sind, desto bessere Konditionen erhalten die Kunden.

Die Gebühr beträgt zurzeit bis zu fünf Prozent auf den jeweiligen Umsatz; hinzu kommen Zinsen für die Vorfinanzierung der offenen Rechnungen bis zum Zahlungseingang. Es gilt: Je größer der Kreis der Debitoren ist und je zahlungskräftiger diese sind, desto bessere Konditionen erhalten die Kunden. Darüber hinaus gibt es Volumenrabatte. Neben dem klassischen Factoring gibt es inzwischen "Light"-Produkte für kleinere Unternehmen. So hat die auf mittelständische Firmen spezialisierte Close Brothers Factoring GmbH ein "Easy-Factoring" auf den Markt gebracht, bei dem die Zinsen in den Gebühren bereits enthalten sind. Es gibt eine Staffelung von 1,67  bis und 4,50 Prozent für Umsätze zwischen maximal zwei Millionen und mindestens 100.000 Euro.

Zinsbelastung lässt sich deutlich reduzieren

Ob sich Factoring lohnt, kann deshalb durch eine individuelle Berechnung ermittelt werden (siehe Beispiel unten). Der wichtigste Posten dabei sind die Kosten des Kontokorrents bei der Hausbank. Viele Unternehmen haben ihre Linie ausgeschöpft oder überzogen. Die Zinsbelastung lässt sich deutlich reduzieren. Bei einem fakturierten Monatsumsatz von 1,5 Millionen Euro ergäbe sich bei sofortiger Auszahlung der Rechnungen durch den Factor eine Ersparnis von 120.000 Euro p.a. Die Rechnung legt einen Kontokorrentzins von zehn Prozent zugrunde und dass die Kunden schon jetzt binnen 30 Tagen zahlen, Vertrags- oder bonitätsabhängige Ankauflimits sind bereits berücksichtigt. Aus der gewonnenen Liquidität können zudem Lieferantenrechnungen schneller beglichen beziehungsweise Skonti gezogen werden.

Schutz vor Zahlungsausfällen

Ein wichtiger Vorteil ist der Schutz vor Zahlungsausfällen. Diese Risikoabsicherung gehört heute zum Standard des "echten Factorings". Beim "Full-Service Factoring" übernimmt der Factor auch das Debitorenmanagement. Der Unternehmer muss nicht mehr seinen offenen Rechnungen hinterher laufen. Weil die Forderungen aus der Bilanz fallen, erhöht sich zudem die Eigenkapitalquote. Dies wiederum ist ein wichtiger Vorteil für das Rating durch die Bank. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen machen die Außenstände nicht selten 30 Prozent der Bilanzsumme aus.

Forderungsabtretung als strategische Option

Factoring ist allerdings nicht nur ein Instrument, um finanziellen Löcher zu stopfen. „Gerade in Wachstumsphasen kann erhöhter Finanzbedarf bestehen. Deshalb ist die Forderungsabtretung für Unternehmen eine strategische Option, die unabhängig von der wirtschaftlichen Situation ausgeübt werden kann“, betont Susanne Lechner, Finanzierungsexpertin des Deutschen des Industrie- und Handelskammertages. Schließlich kann Factoring auch den Unternehmensverkauf erleichtern. Die - bereits veräußerten – Forderungen sind nicht Bestandteil des Kaufpreises beziehungsweise reduzieren diesen entsprechend.


Beispiel: Großhandel mit Werkzeug

Umsatz p.a.: 18.000.000 €
Ø offene Forderungen: 1.900.000 €
Ø offene Verbindlichkeiten: 1.100.000 €
ungenutztes Skontopotenzial: p.a. ca. 110.000 €
ungenutzte Einkaufsvorteile (bei schneller Zahlung) ca. 40.000 €
Ø Forderungsausfälle p.a.: 15.000 €
750.000 € regelmäßig ausgeschöpfter Kontokorrent – Zinsaufwand: p.a. ca. 70.000 €
Belastung: 235.000 €

Liquiditätsgewinn durch Factoring (bei Ankaufquote von 90 %): 1.539.000 € (1)


Einsparungen
Forderungsausfälle: 15.000 €
Skonto und Einkaufsvorteile: 150.000 €
Zinsaufwand bei der Hausbank: 25.000 € (2)

Gesamt: 190.000 € p.a.

Kosten
Factoringgebühr: 0,45 % (auf die fakturierten Forderungen von 18 Mio. € p.a.): 81.000 €
Zinsen: 5,50 % (berechnet auf die tatsächliche Bevorschussung von Ø 1.539.000 €): 85.000 €
Limitprüfgebühren, Kontoführungsgebühren etc.: p.a. ca. 11.500 €
Gesamt: ca. 177.500 € p.a. (0,98 % vom Umsatz)

Die wichtigsten Punkte einer Kosten-/Nutzen Analyse

• Kosten des Factorings: Gebühren und Zinsen, evtl. einmalige Kosten
• Kosten des laufenden Kontokorrents
• Liquiditätssicherheit/Handhabung der Linie durch Hausbank
• Kosten einer Ausweitung der Linie
• Zahlungsgewohnheiten der aktuellen Kunden
• Zinsvorteil durch Liquiditätsgewinn
• Vorteil durch Skonto- und Rabattausnutzung
• Einkaufsvorteile
• Wettbewerbsvorteil durch erweiterte Zahlungsziele
• Entlastung der Buchhaltung/des Debitorenmanagements
• Kosten einer eigenen Kreditversicherung
• Kosten der Bonitätsprüfungen
• Rendite des getätigten Investments
• Höhere Eigenkapitalquote im Bilanzausweis
• Rückkauf von Sicherheiten

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(1) Konservative Rechnung unter Berücksichtigung von Ankaufslimits

(2) Konservative Rechnung - oft hat ein Factoring-Kunde nur einen Teil der Forderungen über den KK-Kredit finanziert

Schlagworte zum Thema:  Forderungsabtretung, Mittelstand, Liquidität, Factoring

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