30.01.2014 | Top-Thema Factoring für den Mittelstand

Factoring ist kein Sanierungsprodukt

Kapitel
Factoring-Gesellschaften prüfen so gründlich wie eine Bank.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

"Mit Factoring Liquidität sichern" lautet das Credo der Branche. Einige Anbieter werben im Internet mit der Aussage "Entscheidung binnen 24 Stunden". Ein "letzter Rettungsanker" für den Fall, dass die Hausbank plötzlich nicht mehr mitspielt, ist die Forderungsfinanzierung allerdings nicht.

„Factoring ist kein Sanierungsprodukt, sondern eine strategische Option mit langfristiger Perspektive. Es hilft zwar, sofortige Liquidität zu generieren. Factoring-Institute achten dabei – ähnlich wie Banken – schon aus Gründen des finanziellen Eigeninteresses auf eine gesunde Kunden- und Abnehmerstruktur“, betont DFV-Geschäftsführer Dr. Alexander Moseschus.

Factoren prüfen gründlich wie eine Bank

Nur gesunde Unternehmen mit werthaltigen Forderungen und guter Bonität eigneten sich für eine auf Dauer ausgerichtete Factoring-Beziehung. Factoring-Gesellschaften prüfen ebenso gründlich wie eine Bank", weiß auch Susanne Lechner, Finanzierungsspezialistin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), aus der Unternehmenspraxis zu berichten. Dies nehme einige Zeit in Anspruch und ein positives Ergebnis sei keineswegs garantiert. Wer mit der Hausbank Probleme hat, rennt auch beim Factoringunternehmen keine offenen Türen ein. „In solchen Fällen sind die Forderungen nicht selten bereits an das Kreditinstitut abgetreten“, so Carl-Dietrich Sander, Leiter Fachgruppe Rechnungswesen/Finanzierung im KMU-Beraterverbund. Die Bank müsse die Sicherheit erst einmal freigeben, damit ein Verkauf überhaupt möglich werde, und den Kontokorrent entsprechend zurückfahren. Dann mache das Factoring keinen Sinn.

Sicherheit im Vordergrund

Factoring-Gesellschaften schauen sich ihre künftigen Kunden genau an. Bis zur Finanzkrise hatte es unter den Anbietern einen zum Teil hoch aggressiven Wettbewerb gegeben, der auch über Risikoadjustierung und über den Preis geführt wurde. Dass inzwischen die Sicherheit und Profitabilität der Verträge in den Vordergrund gerückt ist, bekamen Factoring-Kunden bereits zu spüren; ihnen flatterten Kündigungen ins Haus. Zudem kommt es darauf an, mit welcher Refinanzierungsbank ein Factor zusammenarbeitet. Nicht jedes Institut zählt das Geschäftsfeld zu seinen Kernaktivitäten.

Wem das Wasser bis zum Hals steht, hat schlechte Karten

Entsprechend unterschiedlich gestaltet sich der Zugang zu Kapital, was sich natürlich in der Geschäftspolitik widerspiegelt. Somit hat Basel III auch Auswirkungen auf das Factoring. Unternehmen, denen bereits beim Factoring-Antrag das Wasser bis zum Hals steht, haben schlechte Karten. Experte Sander: „Jedes Factoring-Institut zieht erst einmal eine Crefo-Auskunft. Alles Weitere ergibt sich sozusagen von selbst.“


Schlagworte zum Thema:  Forderungsabtretung, Mittelstand, Liquidität, Factoring

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