30.01.2014 | Top-Thema Factoring für den Mittelstand

Der Geldbedarf übersteigt schnell das Kontolimit

Kapitel
Der Finanzierungsbedarf für Investitionen übersteigt schnell einmal das Banklimit.
Bild: Michael Bamberger

Die Factoring-Branche hat den Mittelstand entdeckt. Inzwischen gibt es Angebote für Kleinunternehmer und Existenzgründer schon ab einem Jahresumsatz von 100.000 Euro.

Diese können ihre Forderungen laufend an eine Factoring-Gesellschaft verkaufen und erhalten die Rechnungssummen abzüglich eines Disagios in der Regel nach 48 Stunden ausbezahlt. Bis vor wenigen Jahren waren es vor allem Großunternehmen, die den Forderungsverkauf zur Liquiditätssicherung nutzten. Inzwischen müssen sie sich um ihren Kontokorrent weniger Sorgen machen. Sie werden von den Banken heftig umworben; zudem steht ihnen der Kapitalmarkt zur Finanzierung, etwa mittels Anleihen, offen.

Im Mittelstand wächst der Bedarf an Factoring

Im Mittelstand dagegen wächst der Bedarf am Factoring rapide an. Die Hausbanken sind infolge der Krise vorsichtiger geworden. Zudem wirft Basel III seine Schatten voraus. Kreditlinien werden enger gefasst oder teurer. Kleinere Unternehmen mit weniger als einer Million Euro Jahresumsatz klagen laut der jüngsten Unternehmerbefragung der KfW Bankengruppe bereits heute doppelt so häufig über Erschwernisse bei der Kreditaufnahme wie große mit über 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Ihnen wird zum Beispiel tendenziell weniger zugetraut, mit kritischen Situationen fertig zu werden.

Fast ein Drittel hat weniger als zehn Prozent Eigenkapital

In der Tat ist es so, dass im Mittelstand zum Teil erhebliche Defizite in Geschäftsprozessen bestehen, die den zentralen Bereich des Working-Capitals betreffen. Ein Schwachpunkt ist unter anderem das Forderungsmanagement. Kleine Firmen warten unter anderem deutlich länger auf ihr Geld als große, weil sie sich keiner oder nur unzureichender professioneller Instrumente bedienen. Speziell junge Unternehmen stehen vor dem Problem, keine belastbaren Daten, etwa aussagekräftige Kredithistorien, vorweisen zu können. Die gefährlichste Klippe ist natürlich die Eigenkapitalsituation. Im statistischen Mittel hat sie sich in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert. Laut Creditreform-Statistik vom Frühjahr 2013 ist die Eigenkapitalquote dennoch bei immerhin 28,3 Prozent der mittelständischen Unternehmen geringer als 10 Prozent.

Finanzierungsbedarf übersteigt schnell das Banklimit

Hinzu kommen sich immer rascher verändernde Konjunkturzyklen. Verschlechterungen wirken sich unmittelbar auf das Zahlungsverhalten von Kunden beziehungsweise Auftraggebern aus; der Finanzierungsbedarf übersteigt schnell das von der Bank gesetzte Limit. Darauf stellen sich Factoring-Anbieter unter anderem mit reduzierten Mindestvolumina ein. Inzwischen nutzen mehr als 17.000 Unternehmen, darunter eine steigende Anzahl an Mittelständlern, die Möglichkeit des Forderungsverkaufs.

Schlagworte zum Thema:  Forderungsabtretung, Mittelstand, Liquidität, Factoring

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