30.01.2014 | Top-Thema Factoring für den Mittelstand

Das Märchen vom schnellen Geld

Kapitel
Den richtigen Anbieter zu finden ist nicht immer leicht. Der Deutsche Factoring-Verband leistet Hilfestellung.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

"Bei Anruf Geld"? So einfach, wie es die Werbung einiger Anbieter vermuten lässt, ist der Weg zum Factoring nicht. Bis ein Vertrag unter Dach und Fach ist, können einige Wochen vergehen; in der Regel sind es sechs bis acht Wochen.

Vor allem von der Qualität der eingereichten Unterlagen hängt es ab, wie schnell sich der Factor und der mit ihm zusammenarbeitende Kreditversicherer ein Bild von der wirtschaftlichen Situation und der Aussichten des Unternehmens und dessen Branche machen kann.

Vorprüfung kann Klarheit verschaffen

Allerdings lässt sich das Verfahren verkürzen. „Gut geführte Firmen sind grundsätzlich über alle Möglichkeiten beziehungsweise Alternativen der Liquiditätssteuerung im Bilde und mit möglichen Partnern, also auch mit Factoring-Anbietern, im Gespräch“, so Gerd Georg, Geschäftsführer der Close Brothers Factoring GmbH, eines auf mittelständische Firmen spezialisierten Anbieters. Niemand sei daran gehindert, Unterlagen schon einmal prophylaktisch einzureichen und sozusagen "vorprüfen" zu lassen. Für die Antragsbearbeitung benötigt die Factoring-Gesellschaft in jedem Fall Informationen zum Unternehmen im Allgemeinen und zu den Produkten und Dienstleistungen, den letzten Jahresabschluss, eine aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA), den Bestand an offenen Forderungen und Verbindlichkeiten, den Auftragsbestand und die Planzahlen.

Es braucht immer aussagekräftige Unterlagen

Kleineren Unternehmen werden zwar Small-Business-Produkte mit Attributen wie „Easy“ oder „Light“ und schneller Entscheidung angeboten. „Dies ist aber nur bei überschaubaren Portfolien und vorliegenden beziehungsweise schnell beschaffbaren Bonitätsinformationen möglich“, so Georg. Dies sei aber nicht mit "Bargeld sofort" gleichzusetzen. Auch in diesen Fällen komme den Antragsteller nicht darum herum, aussagekräftige Unterlagen einzureichen.

Der erste Schritt: Den richtigen Anbieter finden

Der Factoring-Antrag ist ohnehin nur der zweite Schritt. Erst einmal gilt es einen richtigen Anbieter zu finden. Es gibt in Deutschland über 200. Viele sind auf große Umsatzvolumen spezialisiert und nicht selten auch auf spezielle Wirtschaftszweige oder Branchen. Der Deutsche Factoring-Verband bietet auf seiner Webseite www.factoring. de. eine Übersicht über die größten Anbieter im Markt.

Die wichtigsten Checkpunkte
Worauf sollte bei der Auswahl eines Factoring-Partners geachtet werden?

• Besitzt der Anbieter Branchenkompetenz?
• Gibt es eine persönliche Beratung und Betreuung durch zugeordnete Sachbearbeiter?
• Müssen sämtliche Forderungen verkauft werden oder besteht die Möglichkeit, die dafür infrage kommenden Debitoren/Kunden auszuwählen, ("Ausschnittfactoring")?
• Gibt es eine flexible Obergrenze? (Wichtig in Wachstumsphasen!)
• Übernimmt der Anbieter auch die Zahlungsausfallversicherung und Services wie das Debitoren- und Mahnmanagement?
• Ist der Anbieter Mitglied eines beiden Branchenverbände (Deutscher Factoring-Verband e.V., Bundesverband Factoring für den Mittelstand e.V.)


Schlagworte zum Thema:  Forderungsabtretung, Mittelstand, Liquidität, Factoring

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