13.12.2012 | EU-Finanzminister

Europa bekommt eine gemeinsame Bankenaufsicht

Die Europäische Zentralbank übernimmt die europaweite Bankenaufsicht.
Bild: Haufe Online Redaktion

Nach einem Verhandlungsmarathon:: Europa bekommt eine neue Bankenaufsicht. Die EU-Finanzminister räumen damit einen seit Monaten schwelenden Streit beiseite. Die EU-Regierungschefs können also beim Gipfel unbelastet über die Zukunft der Eurozone beraten.  

Die Eurozone bekommt 2014 eine gemeinsame Bankenaufsicht. Das beschlossen die EU-Finanzminister heute Morgen nach 14-stündigen Verhandlungen in Brüssel. Mit der Aufsicht soll das gemeinsame Währungsgebiet krisensicherer gemacht werden. "Das ist ein Signal, das sich auch an die übrige Welt richtet", bilanzierte der französische Finanzminister Pierre Moscovici. "Man kann Europa vertrauen, man kann der Eurozone vertrauen." Deutschland und Frankreich ebneten mit einer zweiseitigen Abmachung den Weg für die Einigung aller 27 Partner.

Neue Kontrolle ab März 2014 

Viele EU-Staats- und Regierungschefs hatten dem Vernehmen nach darauf gedrungen, dass der Streit um die Aufsicht nicht wieder ein Gipfeltreffen bestimmt. Der Wintergipfel der Regierungschefs wird am späten Nachmittag beginnen. Schon beim Oktober-Gipfel hatte die Aufsicht zu zähen Debatten geführt. Die neue Kontrolle für die Banken der Eurozone soll am 1. März 2014 voll funktionsfähig sein. Das habe der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, versichert, berichtete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Bis zu diesem Termin laufe die Aufbauphase.

Trennung zwischen Geldpolitik und Bankenaufsicht 

"Das ist der erste große Schritt für eine Bankenunion", so Barnier. Die EZB soll nur für Geldhäuser mit mehr als 30 Milliarden Euro Bilanzsumme zuständig sein. Die Notenbank soll aber das Recht haben, notfalls bei jeder der 6.000 Banken im gemeinsamen Währungsgebiet durchzugreifen. "Es gibt die totale Information der EZB", meinte Kommissar Barnier. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lobte den Kompromiss. "Wir stehen zu dem, was wir verabredet haben, Schritt für Schritt Europa voranzubringen. Berlin und Paris hatten sich vor dem Sondertreffen bei kritischen Punkten verständigt. Dazu gehörten die Zahl der überwachten Banken und die strikte Trennung von geldpolitischen Entscheidungen und Bankenaufsicht innerhalb der EZB. Schäuble resümierte, der EZB-Rat habe bei der Aufsicht "nicht das Letztentscheidungsrecht". Damit sei eine klare Trennung gewährleistet.

Direkte Finanzspritzen an marode Banken 

Die Aufsicht ist Voraussetzung für direkte Finanzspritzen an marode Banken aus dem Rettungsschirm ESM. Wann diese fließen können, ist noch nicht im Detail festgelegt. Barnier sagte, in der Aufbauphase der Bankenaufsicht könne der ESM-Fonds aufgrund eigener Regeln entscheiden, Geldhäusern direkt Finanzspritzen zu geben. Auf direke Rekapitalisierung dringen vor allem Krisenländer wie Spanien. Schäuble sagte zu den Kompetenzen der Zentralbank: "Sie kann allgemeine Instruktionen für die nationale Bankenaufsicht geben, auch für Gruppen von Banken, aber sie kann keine Einzelweisungen für die nationale Aufsicht im Bezug auf einzelne Banken geben." Berlin hatte dafür gekämpft, Sparkassen und Volksbanken grundsätzlich unter nationaler Aufsicht zu lassen.

Europaparlament eingebunden 

Der rechtliche Rahmen für das Mammutvorhaben soll laut Schäuble bis Ende Februar 2013 stehen - in die Gesetzgebung ist das Europaparlament eingebunden. Das bedeutet eine Verspätung. Die Regierungschefs hatten vorgegeben, den Rahmen bis zum 1. Januar zu errichten. Beim zweitägigen Gipfeltreffen, das heute um 17 Uhr beginnt, wird es vor allen um die Reform der Eurozone gehen. Mit weitgehenden Beschlüssen wird nicht gerechnet, da sich insbesondere Berlin gegen langfristige Festlegungen wehrt.

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Schlagworte zum Thema:  Europäische Zentralbank, Bankenaufsicht

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