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Das Finanzamt handelt mit

Viele Onlinehändler beginnen auf Ebay und machen unangenehme Erfahrungen mit dem Finanzamt.
Bild: ebay

Ebay bietet Online-Händlern eine ideale Startbasis. Aber auch hier gelten die normalen Besteuerungsregeln wie übrigen Geschäftsleben. Die Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen.

Frage 1: Ich habe mich als gewerblicher Händler bei Ebay registrieren lassen. Jetzt bekomme ich eine Rechnung ohne Umsatzsteuerausweis. Wie soll ich reagieren?

Die Rechnung ist korrekt. Denn die Leistung an Sie erbringt Ebay über eine Gesellschaft in Luxemburg. Und dafür gilt: Erbringt ein im Ausland ansässiger Unternehmer für einen Unternehmer in Deutschland eine steuerpflichtige sonstige Leistung, greifen umsatzsteuerlich die Regeln des § 13b UStG. Ebay stellt dabei eine Nettorechnung aus, und Sie müssen die Umsatzsteuer für Ebay ans Finanzamt zahlen. Sind Sie zum Vorsteuerabzug berechtigt, können Sie diese dagegen rechnen. Unter dem Strich ein Nullsummenspiel also, das nur den Zweck erfüllt, dass die Umsatzsteuer von ausländischen Unternehmen in Deutschland gezahlt wird.

Frage 2: Ich bin Kleinunternehmer nach § 19 UStG. Muss ich mich trotzdem als gewerbliches Mitglied registrieren lassen?

Ja, denn die Kleinunternehmerregelung besagt nur, dass Sie keine Umsatzsteuer berechnen müssen und im Gegenzug keinen Vorsteuerabzug haben. Aber Unternehmer bleiben Sie trotzdem.

Frage 3: Muss ich auch als Kleinunternehmer die Umsatzsteuer für Ebay ans Finanzamt abführen?

Wie gesagt, auch Kleinunternehmer sind und bleiben aus umsatzsteuerlicher Sicht Unternehmer. Deshalb gelten die Vorschriften zum § 13b UStG auch für sie. Nachteil für Kleinunternehmer: Sie bleiben auf der Umsatzsteuer sitzen, weil sie ja keinen Vorsteuerabzug haben. Konkret: Kleinunternehmer Müller bekommt von Ebay eine Gebührenabrechnung über netto 1.000 Euro. Müller muss nach § 13b UStG 190 Euro Umsatzsteuer für Ebay ans Finanzamt abführen.

Frage 4: Ich habe von Ebay eine Rechnung mit 15 Prozent Umsatzsteuer bekommen. Was ist das für ein komischer Umsatzsteuersatz?

Sind Sie Unternehmer, haben Sie sich bei Ebay falsch registrieren lassen – nämlich als privater Händler. Denn Privatleuten schickt Ebay eine Gebühren-Rechnung mit 15 Prozent luxemburgischer Umsatzsteuer zu.

Frage 5: Ich bin zwar Kleinunternehmer, habe mich aber absichtlich als privates Mitglied bei Ebay registrieren lassen. So spare ich immerhin vier Prozent Umsatzsteuer?

Das ist leider zu kurz gedacht und kann richtig viel Geld kosten. Denn bemerkt das Finanzamt, dass Sie als Kleinunternehmer ihre Geschäfte über ein privates Ebay-Mitgliedskonto abwickeln, verlangt es dennoch die 13b-Umsatzsteuer. Sie zahlen dann also sowohl deutsche als auch luxemburgische Umsatzsteuer.

 

Beispiel: Sie sind beim Finanzamt als Kleinunternehmer erfasst, haben sich bei Ebay aber als privates Mitglied registrieren lassen. Die Gebührenrechnungen von Ebay weisen 5.000 Euro zzgl. 750 Euro luxemburgische Umsatzsteuer aus.

 

Registrierung als gewerbliches Ebay-Mitglied

Registrierung als privates Ebay-Mitglied

Rechnung von Ebay

5.000,00 Euro

5.750,00 Euro

Umsatzsteuer nach § 13b UStG

   950,00 Euro (19 Prozent von 5.000 Euro)

1.092,50 Euro (19 Prozent von 5.750 Euro)

Gesamtbelastung

5.950,00 Euro

6.842,50 Euro

ProFirma rät: Die Ersparnis von vier Prozent Umsatzsteuer durch die falsche Registrierung bei Ebay kann also teure Folgen haben und sollte deshalb vermieden werden.

 

Frage 6: Darf mich das Finanzamt verpfeifen, wenn ich offen lege, dass ich regelmäßig meine eigenen Waren ersteigert habe oder von Beauftragten ersteigern habe lassen?

In der Praxis ist es üblich, entweder die Preise durch eigene Gebote in die Höhe zu treiben oder den Gegenstand lieber selbst zu ersteigern, als unter Wert abzugeben. Sie müssen gegenüber dem Finanzamt hier Farbe bekennen, wenn die Einnahmen aus den Versteigerungen nicht mit den Einnahmen Ihrer Gewinnermittlung übereinstimmen. Doch keine Angst. Das Finanzamt darf diese Verstöße nicht an Ebay melden. Es greift das Steuergeheimnis nach § 30 Abgabenordnung.

Frage 7: Ich versteigere ab und zu auch private Gegenstände über mein gewerbliches Ebay-Mitgliedskonto. Ist das problematisch?

Ganz klar, ja. Denn das Finanzamt checkt die Versteigerungserlöse mit den tatsächlich versteuerten Einnahmen. Ungereimtheiten gehen zu Ihren Lasten, sprich Zuschätzungen beim Gewinn und Umsatz sind die fatale Folge. Um die erzielten Erlöse aus dem Verkauf privater Gegenstände nicht versteuern zu müssen, sollten Sie unbedingt ein zweites, privates Ebay-Konto eröffnen und die Versteigerungen sauber trennen. 

Frage 8: Das Finanzamt hat meine privaten Versteigerungen nachträglich als gewerblich eingestuft. Belege habe ich keine aufgehoben. Wie soll ich mich verhalten?

Grundsätzlich dürfen Sie von der Versteigerungserlösen den Kaufpreis des jeweiligen Versteigerungsgegenstands abziehen. Haben Sie keine Belege mehr, versuchen Sie den Nachweis über Kontoauszüge. Wurden die Einkäufe bar getätigt, erstellen Sie eine Liste und ordnen Sie allen versteigerten Gegenständen den geschätzten Einkaufpreis zu. Nur den Differenzbetrag müssen Sie als Gewinn versteuern.

Frage 9: Woher weiß das Finanzamt eigentlich, wie viel ich über Ebay umgesetzt habe? 

Die Finanzämter durchforsten seit Jahren mit einer speziellen Software (XPIDER) das Internet nach Verkaufsaktivitäten. Taucht Ihr Name häufiger auf, oder erzielen Sie hohe Erlöse über Ebay-Versteigerungen, klopft das Finanzamt bei Ebay an und beantragt in einem offiziellen Auskunftsersuchen die Herausgabe Ihrer Daten. So sind die Finanzbeamten also schnell über die Anzahl der Versteigerungen und den Umfang der erzielten Erlöse im Bilde.

Frage 10: Wie reagiert das Finanzamt, wenn ich Verluste aus meinen Versteigerungen präsentiere?

Werden Ihnen vom Finanzamt viele private Versteigerungen zur Last gelegt, und Sie werden rückwirkend als gewerblicher Händler eingestuft, müssen Sie dem Finanzamt Ihre Ergebnisse präsentieren. Kommt unter dem Strich wegen hoher Anschaffungskosten ein Verlust heraus, wird es kurios. Anstatt diesen Verlust Steuer sparend mit anderen Einkünften zu verrechnen, zieht sich das Finanzamt zurück. Die Verluste werden nämlich wegen fehlender Gewinnerzielungsabsicht nicht anerkannt. Mit anderen Worten: Bei Verlusten wird Ihnen das Ausleben eines Hobbys unterstellt, dessen Verluste sich natürlich steuerlich nicht auswirken dürfen.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Online-Shop, Finanzamt

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