| Sparkassen-Studie

Der Mittelstand sitzt auf einem Investionspolster

Trotz guter Wirtschaftslage investiert der Mittelstand zurückhaltend.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Zuletzt haben sich die Konjunkturprognosen für 2015 verbessert. Dennoch kommen die Investitionen nicht so richtig in Schwung. Eine Studie der Sparkassen nennt Gründe dafür.

Schlecht sind die Aussichten für die deutsche Wirtschaft eigentlich nicht. Vor dem Jahreswechsel verbreiteten Wirtschaftsforschungsinstitute Optimismus und hoben ihre Wachstumsprognosen leicht an, um einige Zehntelprozentpunkte auf 1,4 bis 1,5 Prozent. Die Verbraucherstimmung ist angeblich so gut wie seit acht Jahren nicht mehr. Auch Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon stellte in Berlin fest: "Der Mittelstand hat Grund, optimistisch zu sein und erkennt das auch zunehmend." Der stark gefallene Ölpreis "wirkt für die Unternehmen wie ein Sonderkonjunkturprogramm", der schwache Euro für den Außenhandel ebenso. Günstige Kredite sind schon seit einigen Jahren zu haben.

Gute Eigenkapitalquote

Und doch bleibt die Investitionsbereitschaft des deutschen Mittelstands seltsam schwach. Fahrenschon zeigt sich besorgt, ja hält eine Warnung für nötig: "Wer heute nicht investiert, läuft morgen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten." Vor 14 Jahren, als der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mit der jährlichen Studie "Diagnose Mittelstand" begann, war die Eigenkapitalquote dünn, sie lag im Mittel bei unter 7 Prozent. Inzwischen sind es 22,3 Prozent, das ist der Wert, der für 2013 errechnet wurde, Tendenz weiter steigend. Als Vorsorge für schwierige Zeiten ist das gut, aber das Geld, mit dem Unternehmen ihr Polster anfüttern, fehlt bei den Investitionen. "Hier hat sich der Knoten noch nicht gelöst", sagt Fahrenschon und verweist auf eine Befragung der Firmenkundenberater der Sparkassen. Demnach ist die größte Gruppe (46 Prozent) der Unternehmen inzwischen diejenige, die weniger Geld für Investitionen in Anspruch genommen habe.

Mittelstand traut der Wirtschaftslage nicht

Das muss Fahrenschon beunruhigen, leben die Sparkassen doch zu einem großen Teil von der Kreditvergabe, dem klassischen Geschäft. Zahlen dazu für 2014 wollte er noch nicht nennen, er sprach lediglich davon, es sei «kein schlechtes Jahr» gewesen. Ist alles doch nur halb so schlimm? Die Sparkassenexperten haben festgestellt, dass etwa die Hälfte der Mittelständler in Ersatzgüter investieren und nur jeder fünfte in Expansion und Erweiterung. Für den Sparkassenpräsidenten ist klar: Der Mittelstand ist stark verunsichert, trotz günstiger Erwartungen traut er der Wirtschaftslage nicht. Außer den Konflikten mit Russland um die Ukraine und den Nahen Osten hat der Sparkassenpräsident vor allem "die ungelösten wirtschaftlichen Probleme" in der Eurozone im Blick. Er sieht einen "erlahmenden Reform- und Konsolidierungseifer". Genau das könnte den deutschen Mittelstand skeptisch stimmen. Denn 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Eurozone, 58 Prozent in die Europäische Union insgesamt. Bleibt die Nachfrage aus den Nachbarstaaten weiterhin so schwach wie zuletzt, könne das auch die derzeit starken USA nicht ausgleichen.

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Schlagworte zum Thema:  Investition, Mittelstand, Eigenkapitalquote

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