| Betriebsprüfung

Schwere Zeiten für Schummler

Die Methoden der Betriebsprüfer werden im ausgefeilter - zum Nachteil der Unternehmen.
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Die Statistik zur Betriebsprüfung des Bundesfinanzministeriums spricht eine eindeutige Sprache: Es werden immer mehr Unternehmen geprüft, und die durchschnittlichen Steuernachzahlungen je Betrieb klettern nach oben – dank neuer Prüfungstechniken.

Dass immer mehr Betriebe nach einer Betriebsprüfung mit hohen Nachzahlungen konfrontiert werden, liegt nicht etwa an der steigenden Anzahl von Betriebsprüfern. Die Prüfer haben vielmehr neue Techniken ausgetüfftelt, die sie immer häufiger auf die Spuren von Steuerhinterziehern bringt. Hier ein Überblick über die neuen Prüfungstechniken, mit denen die Finanzämter die Betriebe noch besser ausleuchten können.

Betriebseinnahmen im Fokus

Anstatt wie in der Vergangenheit auf dem Betriebsausgabenabzug „herumzureiten“, spezialisieren sich die Prüfer des Finanzamts immer häufiger auf die Einnahmenseite. Dabei gilt folgenden Sachverhalten besondere Aufmerksamkeit:

•      Welche Kontonummern wurden auf den Rechnungen verwendet? Sind diese Kontonummern alle in der Buchhaltung erfasst?

•      Wurden die Tagesend-Summenbons von elektronischen Registrierkassen aufbewahrt und weisen diese eine fortlaufende Nummerierung auf?

•      Wurden Sachprämien der Geschäftspartner von Arbeitnehmern bezogen (lohnsteuerpflichtig) oder vom Unternehmer privat entgegen genommen (zu versteuernde Betriebseinnahmen im Geldeswert nach § 8 EStG)?

Beispiel: Sie sind Einzelunternehmer und kaufen Ihre Waren von einem Zwischenhändler. Bei Erreichen bestimmter Einkaufsgrenzen schreibt Ihnen der Zwischenhändler Punkte gut, für die Sie regelmäßig Sach- oder Dienstleistungsprämien erhalten. Sie haben diese Punkte gesammelt und für eine private Reise nach London im Wert von 2.000 Euro eingelöst. Dieser Vorteil hätte eigentlich als Betriebseinnahme von 2.000 Euro dem Gewinn hinzugerechnet werden müssen.

Auslesen der Kassendaten

Die Kassendaten werden verstärkt nach fehlerhaften Aufzeichnungen durchforstet. Fündig werden die Prüfer meist, wenn sie zusätzlich zu den Kasseneinnahmen die Einsatzzeiten Ihrer Mitarbeiter heranziehen. Daraus können Prüfer folgende Schlüsse ziehen:

Trainingsmodus: Sie haben Einnahmen über einen Trainingsmodus verbucht, obwohl an den betreffenden Tagen gar keine neuen Mitarbeiter eingelernt wurden. Hier besteht der Verdacht, dass Einnahmen nicht versteuert wurden. Hintergrund: Beim Trainingsmodus in elektronischen Registrierkassen verbuchte Einnahmen tauchen in der Buchhaltung nicht auf.

Stornos: Die Prüfer vergleichen die in der elektronischen Registrierkasse erfassten Storni mit dem eingesetzten Personal. Hat ein Arbeitnehmer unüblich viele Storni verursacht, liegt nahe, dass Einnahmen nicht korrekt verbucht wurden.

Verprobung von Händlerrabatten

In der Praxis kommt es häufig vor, dass ein Unternehmer einen Teil seiner Waren auf Privatrechnung und einen Teil auf Firmenrechnung einkauft. So passen bei Einnahmenverkürzungen die Umsätze und der Wareneinsatz wieder. Doch der Prüfer hebelt dieses Modell aus, indem er sich bei Ungereimtheiten im Rahmen eines Auskunftsersuchens vom Großmarkt die Rabattzahlungen an den Unternehmer oder sämtliche Einkaufsrechnungen vorlegen lässt. Hier wird sofort klar, ob der Unternehmer steuerehrlich war oder nicht.

Schlagworte zum Thema:  Betriebsprüfung, Steuernachzahlung

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